Pay to pray: Der smarte Rosenkranz

Pay to pray: Der smarte Rosenkranz

Martin Jud
Zürich, am 17.10.2019
Die katholische Kirche versucht mit der Zeit zu gehen und lanciert den ersten smarten Rosenkranz. Ob sie damit dem Gläubigenschwund entgegentreten kann, ist in Zeiten konkurrierender Sekten, vieler Atheisten sowie Heiden respektive Andersgläubigen fraglich.

Immer mehr Schäfchen der katholischen Kirche sterben oder wenden sich ganz vom Glauben ab. Andere suchen sich eine Ersatzreligion. Wer nicht beim Veganismus, Apple oder den Greta-Anhängern Unterschlupf findet, lässt sich durch grosse Rock-Konzerte inklusive Bibeltexten von einer Freikirche missionieren.

So kann das nicht weitergehen, findet offenbar der Klerus – schliesslich kann der Katholizismus nicht alleine durch das angehäufte Vermögen aus Kreuzzug-Zeiten bestehen. Die Jugend soll wieder Beichten und Händefalten. Der Vatikan hat sich daher was ganz Feines einfallen lassen und einen smarten Rosenkranz inklusive App entwickelt. Der funktioniert ähnlich wie ein Schrittzähler, nur für Gebete. Lässig, oder?

Digitales Beten mit dem «Click To Pray eRosary»

Für 99 Euro gibt es bei der Kirche keinen Generalablass mehr. Dafür kannst du für die Summe jetzt einen von Acer hergestellten Click-To-Pray-Rosenkranz inklusive Wireless Charge kaufen. Der französische Jesuit Frédéric Fornos, Leiter des internationalen Gebetsnetzwerks des Papstes, meint, dass das smarte Rosenkranz-Armband jungen Menschen eine Hilfe sei, um das traditionelle Gebet zur Gottesmutter Maria zu erlernen. Junge Leute sollen mit dem modernen Angebot insbesondere für den Frieden auf der Welt beten. Dieses Stück Technologie soll im Stande sein, unsere Welt zu verbessern.

Willst du den smarten Rosenkranz benutzen, aktivierst du ihn nach erfolgreicher Bluetooth-Koppelung in der Smartphone-App durch zeichnen eines Kreuzes – den halbtoten Jesus musst du nicht mitzeichnen. Die kostenlose App beinhaltet einen Audio-Guide, personalisierte Bilder und Texte rund ums Rosenkranz-Gebet. Kompatibel ist der aus Obsidian- und Hämatit-Perlen bestehende Rosenkranz zu Android und iOS. Allerdings gibt es ihn vorerst nur in Englisch, Spanisch und Italienisch. Soll es dann tatsächlich in Sachen Weltrettung ans Eingemachte gehen, kannst du zwischen dem traditionellen Gebet und einer eher kontemplativen Version wählen. Ausserdem gibt es thematische Gebete, die jährlich aktualisiert werden.

Ob wir dieses Produkt auch bald in unserem Shop anbetenbieten werden, ist zurzeit in Abklärung. In Anbetracht dieses ketzerischen Textes ist es eher unwahrscheinlich. Eigentlich schade, denn der ewige Schrittzählervergleich mit den Kollegen im Büro ist langsam ausgelutscht. Zu gerne würde ich meine Kollegen neidisch machen, indem ich täglich stets einen Kranz mehr bete wie sie.

Soll ich das Teil testen und damit endlich allen Sünden abschwören und auf den rechten Pfad finden? Schreib’s in die Kommentarspalte.

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Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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