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Patenturteil stoppt Acer und Asus: kein PC‑Verkauf mehr in Deutschland

Martin Jud
16.2.2026

Acer und Asus müssen ihren PC‑ und Notebook‑Verkauf in Deutschland vorerst einstellen. Grund ist ein Urteil des Landgerichts München, das beiden Herstellern eine Verletzung von Nokia‑Patenten zum Videostandard High Efficiency Video Coding (HEVC/H.265) zuschreibt.

Zwei grosse Hersteller dürfen ihre PCs und Notebooks in Deutschland nicht mehr anbieten: Die Münchner Richter untersagen Acer und Asus den Vertrieb grosser Teile ihrer Produktpalette, weil das Gericht mehrere für den HEVC‑Standard unverzichtbare Nokia-Patente als verletzt ansieht. Acers deutscher Shop ist derzeit komplett offline, bei Asus sind viele Produktseiten nicht mehr regulär erreichbar. Händler dürfen vorhandene Bestände abverkaufen, erhalten aber keinen Nachschub. Damit verändert sich das Angebot spürbar – und das ausgerechnet wegen eines Videocodecs, der in nahezu jedem modernen System steckt.

Warum ein Videocodec ganze Produktlinien blockiert

HEVC ist tief in aktuellen Plattformen verankert: integrierte Grafikeinheiten, Media‑Engines in SoCs und dedizierte GPUs unterstützen den Codec ebenso wie Betriebssysteme, Streamingdienste, Videokonferenz‑Software und lokale Player. Ein PC ohne entsprechende Fähigkeiten wäre zwar denkbar, aber praktisch kaum marktfähig. Entsprechend betrifft das Urteil nicht einzelne Modelle, sondern grosse Teile der Produktpalette.

Hisense, ebenfalls Teil der ursprünglichen Klage, hat sich bereits mit Nokia geeinigt und eine Lizenz abgeschlossen. Acer plant, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Asus hat eine Berufung bislang nicht bestätigt.

München als Brennpunkt für Patentverfahren

Das Landgericht München I gilt seit Jahren als zentrale Instanz für Streitigkeiten um standardessentielle Patente (SEPs). Die Kammer ist bekannt für eine strenge Auslegung der Lizenzpflichten und hat in der Vergangenheit Verfahren gegen Amazon, Oppo und Daimler entschieden. Für Nokia ist der aktuelle Fall Teil einer breiteren Strategie, sein Patentportfolio konsequent zu monetarisieren.

Der Konflikt zeigt, wie abhängig PC‑Hersteller von Technologien sind, die tief in Chips und Software integriert sind. Bereits 2025 deaktivierten Dell und HP bei einzelnen Notebook‑Modellen die Hardware‑Unterstützung für HEVC – offenbar, um Lizenzkosten zu sparen. Doch das kann in Anbetracht der Verbreitung des Codecs keine Lösung sein.

Ob Acer und Asus den Verkauf bald wieder aufnehmen können, hängt davon ab, ob ein Berufungsgericht die Vollstreckung aussetzt oder ob sich die Parteien auf Lizenzzahlungen einigen.

Titelbild: Shutterstock

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Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


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