Oppo Enco Free: Die AirPods-Kopie, die alles richtig macht

Livia Gamper
Zürich, am 10.03.2020
In der Flut der kabellosen Kopfhörer präsentiert Oppo sein erstes True-Wireless-Modell. Das sieht aus wie die alten AirPods, ist aber besser.

Die neuesten und ersten True-Wireless-Kopfhörer von Oppo sehen aus wie die AirPods von Apple in Schwarz oder die Freebuds 3 von Huawei. Oder ganz viele weitere No-Name-Airpods-Kopien.

Kopfhörer
Enco Free (In-Ear, Schwarz)
157.–
OPPO Enco Free (In-Ear, Schwarz)

Eine perfekte Ergänzung zu deinem Smartphone, dynamisch gestaltet für drahltlose Freiheit

Im Gegensatz zu Huawei setzt Oppo bei den eigenen Earbuds aber auf Aufsätze mit verschiedenen Grössen – damit handelt es sich um In-Ear-Kopfhörer. Die Aufsätzli machen viel aus: Dank ihnen sitzt der Hörer viel besser im Ohr und dichtet besser ab, was der Musikqualität zugutekommt.

Sitzt gut im Ohr

Bei Buds besteht immer die Gefahr, dass sie nicht ins Ohr passen. Dieses Risiko verkleinert Oppo mit den Aufsätzen in drei Grössen stark.

Es gibt User, die lieber Buds als In-Ear-Kopfhörer in den Ohren haben. Denn Buds sitzen nicht so tief in den Ohren. Ihnen wird der Enco Free auch gerecht: Dank der Buds-Form sitzt er nicht tief im Ohr. Abdichten tut er aber trotzdem besser als etwa die alten Airpods oder sonstige Buds, die nur in einer Grösse existieren.

Wie die AirPods oder die Freebuds 3 hängst du dir den Enco Free ebenfalls mehr ins Ohr, als dass du ihn reinsteckst. Dabei sitzen mir die Ohrhörer gut in den Ohren und halten auch gut. Nur bei einem Sprint geraten sie bei mir leicht ins Rutschen, joggen oder spazieren ist hingegen kein Problem.

Steuerung: Endlich mal eine, die perfekt funktioniert

Die Steuerung der Enco Free ist toll. Denn anstatt dass du wie ein Totsch siebenmal tippen musst, bis du mal zum nächsten Song kommst, kannst du einfach wischen. Am rechten Ohrhörer wischst du nach unten, um zum nächsten Song zu kommen und nach oben, um zum vorherigen zu gelangen. Am linken kannst du mit demselben System die Lautstärke verstellen. Ein Ding, das viele True-Wireless-Kopfhörer noch nicht beherrschen.

Die Steuerung funktioniert sehr fein und präzise – so wie es eben sein sollte, es aber bei den wenigsten True-Wireless-Kopfhörern der Fall ist. Insbesondere im günstigeren Preisbereich, in dem sich die Enco Frees bewegen.

Besonders gut gefällt mir, dass du dir dank dem feinen Wischen nicht mehr wie ein Hornochse an den Ohren herumtippen musst. Nur um einen Anruf anzunehmen oder die Musik zu pausieren, musst du noch fein an die Hörer tippen. Aber auch das funktioniert gut und präzise. Die Hörer pausieren zuverlässig, sobald du einen aus dem Ohr nimmst. Nur wenn du dir den Hörer nach nur kurzer Zeit gleich wieder ins Ohr steckst, spielt die Musik manchmal nicht gerade weiter – schlimm finde ich das aber nicht.

Der Klang, der gefällt

Ganz am Anfang hatte ich kurz das Gefühl, dass der Enco Free ein bisschen dumpf klingt. Mittlerweile gefällt mir der Sound sehr gut. Die Ohrhörer sind gut abgestimmt – für einen Kopfhörer, der eher günstig ist, finde ich das bemerkenswert. Denn viele der neuen Kopfhörer haben in meinen Ohren zu viel Bass. Dabei gehen die Mitten unter. Beim Enco Free ist das anders: Er hat zwar auch eher viel Bass, das geht jedoch nicht auf Kosten der Mitten.

Zudem haben die Encos eine schöne Tiefenwirkung, sie klingen für mich grösser, als sie eigentlich sind. Auch die Höhen gefallen mir gut. Ich mag warm klingende Kopfhörer. Der Enco Free trifft meinen Geschmack sehr gut.

Als Referenzstück höre ich mir Burn the Witch von Radiohead an.. Die Streichinstrumente könnten etwas voller klingen, für einen kleinen In-Ear-Kopfhörer liefert Oppo aber gut ab. Der Gitarrenteil gefällt mir und Thom Yorkes Stimme kommt warm und präsent rüber.

Bei den Freebuds 3 von Huawei gefiel mir der Sound nicht besonders; da war mir der Bass zu stark. Dass Oppo auf eine Überbetonung des Basses verzichtet, finde ich gut.

Placeholder image
placeholder

placeholder

Fehlt: Aktives Noise Cancelling

In einigen Reviews steht, dass der Oppo Enco Free ein aktives Noise Cancelling hat. Das ist falsch. Nur beim Telefonieren wird mittels Software deine Stimme herausgefiltert. Beim Musikhören werden Geräusche aber nicht aktiv unterdrückt.

Dank den Aufsätzen haben die Oppo Enco Frees aber ein passives Noise Cancelling. Für mich ist so die Nutzung auch an lauten Orten wie im Zug in Ordnung. Dadurch, dass der Sound genug kraftvoll ist, kann ich Lärm gut ausblenden. Nur in unserem lauten Grossraumbüro fehlt mir die Geräuschunterdrückung. Die ist aber bei den kleinen In-Ear-Modellen eh nie genug stark, um gegen meine herumlärmenden Kollegen anzukommen.

Die Encos sind etwas kürzer als die AirPods.
Die Encos sind etwas kürzer als die AirPods.

Telefonieren: klappt

Gemäss den Spezifikationen nutzt Oppo fürs Telefonieren ein sogenanntes «AI uplink noise cancelling». Die Stimme soll damit klarer vom Lärm getrennt werden. Wie genau das funktioniert, gibt Oppo nicht an.

Ich habe die Telefoniefunktion mehrmals im vollen Zug ausprobiert und mit meinen Privatgesprächen alle Pendler genervt. Meine Kollegen verstanden mich trotz Hintergrundlärm stets gut. Aussetzer hatte ich beim Telefonieren keine. Das ist nicht selbstverständlich für einen True-Wireless-Kopfhörer. Es gibt einige Modelle, die komplett unbrauchbar sind, um ein normales Telefongespräch zu führen. Oppo hat es hingekriegt, die Mikrofone an den Ohrhörern so auszurichten, so dass die Stimme gut eingefangen wird.

Verbindung fast perfekt

Die Encos senden mit dem AAC-Bluetooth-Codec. Das ist der Standard der iOS-Geräte, jedoch lassen sich die meisten neueren Android-Phones auch auf diesen Codec umstellen. AptX beherrscht der Ohrhörer nicht. Den Standard-Bluetooth-Codec SBC haben sie wie alle Bluetooth-Kopfhörer mit dabei. Mit meinem Xiaomi-Handy kann ich einfach auf AAC umstellen. Die Verbindung ist bei mir stabil, Latenzen beim Video schauen hatte ich keine.

Placeholder image
placeholder

placeholder

Jedoch hatte ich manchmal unterwegs kurze Musikaussetzer. Meistens, wenn ich in der Nähe einer Tramleitung war.

Nehme ich die Encos aus dem Case und habe Bluetooth am Handy eingeschaltet, verbinden sich die Kopfhörer durchgängig von selbst. Und wenn ich die Ohrhörer einfach liegen lasse, verbinden sie sich ebenfalls schnell und automatisch wieder mit dem Handy, sobald sie in den Ohren sind. Eine proprietäre App, um die Kopfhörer sonst zu verbinden oder einen Equalizer einzuschalten, gibt’s nicht.

Guter Akku mit kleinem Case

Die Akkulaufzeit der Encos beträgt 5 Stunden, der Akku im Case hat zusätzlich 20 Stunden Platz. Damit sind sie knapp hinter den alten Airpods: Die haben ebenfalls eine Kopfhörerlaufzeit von 5 Stunden, ins Case passen bei Apple aber zusätzliche 24 Stunden. Mir hat die Akkulaufzeit gut gereicht fürs Pendeln und ab und zu im Büro Musik zu hören.

Im Vergleich zu den Freebuds 3 von Huawei schneiden die Encos besser ab: Die Freebuds haben eine angegebene Laufzeit von nur 4 Stunden, die bei mir im Test aber stets unterschritten wurde, und mir deshalb zu knapp war.

Das Case der Encos ist etwas kürzer als jenes AirPods,
Das Case der Encos ist etwas kürzer als jenes AirPods,
dafür etwas höher.
dafür etwas höher.

Fazit: Alles, was es braucht

Obwohl die Enco Frees so günstig sind, haben sie für mich alles, was ein guter Kopfhörer braucht; guten Sound, sie sind bequem in den Ohren, die Verbindung ist stabil, telefonieren klappt gut und der Akku hält genug lange.

Das einzige, was man Oppos Airpod-Kopie, nebst der Tatsache, dass sie eine Kopie ist, vorwerfen kann, ist, dass sie kein aktives Noise Cancelling hat. Da dies bei Buds aber vielfach sowieso nur ungenügend funktioniert – Huawei hat’s bewiesen – kann ich auf diese Funktion bei den Enco Frees gut verzichten.

Mit diesem True-Wireless-Kopfhörer hat Oppo alles richtig gemacht.

35 Personen gefällt dieser Artikel


Livia Gamper
Livia Gamper
Junior Editor, Zürich
Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren