Office auf dem NAS: Ein Blick auf Synology Office Station
Review

Office auf dem NAS: Ein Blick auf Synology Office Station

Dominik Bärlocher
Zürich, am 21.09.2017
Microsoft Word gehört zum alten Eisen. Die Zukunft gehört Cloud-Diensten wie Google Docs. Oder doch nicht? Synology Office versucht auf dem heimischen NAS, die Vorteile beider Lösungen zu verbinden. Gelingt das?

Wir Journalisten sind immer auf der Suche nach der besten Methode, Texte zu schreiben und gegenzulesen. Gegenlesen, für die journalistisch nicht Bewanderten ist die Praxis, dass kein Text veröffentlicht wird, ohne dass er von einem anderen Redaktionsmitglied vorher gelesen wird. So vermeiden wir Fehler im Aufbau, in der Logik und die meisten Rechtschreibfehler.

Microsoft Word haben wir schon lange abgeschrieben. Denn das Programm kann zwar alles, ausser kollaborative Arbeit wirklich unterstützen. Nur ein Nutzer kann gleichzeitig am Dokument arbeiten und es gibt keine Versionierung. Wenn wir ein einzelnes Dokument maximal kompliziert angehen, schicken wir es hin und her, müssen es jedes Mal lokal abspeichern und wieder versenden. Die Version der Datei kommt in den Dateinamen, denn sonst geht das nirgends in einfacher und universell verständlicher Form.

Die Alternative: Google Docs. Google hat kurzerhand eine Art Office aus dem eigenen Hause gemacht. Die Funktionen sind in etwa dieselben, auch wenn die Formatierungen limitierter sind. Google arbeitet zwar an einer steten Ausweitung, aber die Devise heisst ganz klar «So viel wie nötig, so wenig wie möglich». Dennoch ist es möglich, dass ganze Unternehmen ihren Schreibbetrieb auf Google Docs auslagern. Das Problem: Google. Wem der gigantische Konzern mit unendlich Geld und Datenhunger nicht ganz geheuer ist, der wird wahrscheinlich einen weiten Bogen um GDocs machen.

NAS-Hersteller Synology hat jüngst ein eigenes Office-Paket lanciert. Nicht nur schafft es das Paket, das einfach «Office» heisst, Versionierungen und kollaborative Features einzuführen, sondern die Datenhoheit liegt immer bei dir, dem User. Denn Synology Office, ich nenne das jetzt mal so zum besseren Verständnis, läuft auf dem NAS.

*Synology DS1817+**: Der Langzeittest beginnt
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Ein Network Attached Storage ist im Wesentlichen nichts anderes als eine gigantische Festplatte, die direkt in dein internes Netz gehängt wird. Ein kleines Computersystem, auf dem du nicht wie mit Windows oder macOS arbeiten könntest, sorgt für die Speicherverwaltung und zur Bereitstellung von Services. Einer dieser Services ist Synology Office.

Das Setup in zwei Klicks

Synology Office ist nicht auf deinem NAS vorinstalliert, kann aber aus dem Synology-eigenen App Store runtergeladen werden und so ist die Installation recht einfach.

  1. Package Center öffnen.
  2. Auf «Installieren» neben dem blauen O klicken.

Fertig.

Etwas komplizierter wird es, die ganzen Nutzer aufzusetzen. Dazu musst du die Nutzer dem NAS hinzufügen. Und das geht so.

  1. Control Panel öffnen.
  2. Auf «User» klicken.
  3. «Create»
  4. Füll die Felder aus und dann «Next».
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  1. Bei Gruppen http und users aktivieren.
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  1. Bei User Quota einfach Next.
  2. Permissions: homes und web auf Read/Write, sonst alles auf No Access:
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  1. Application Permissions: Alles auf Deny ausser Office:
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  1. Speed Limits kannst du ignorieren und auf Next klicken:
  2. Und endlich: Apply.

Der neue Nutzer kriegt jetzt ein Mail des Systems. Da dort aber nur die interne IP des NAS aufgelistet wird, musst du ihnen noch einen Link zusenden. Der geht so:

https://$deinNasName.quickconnect.to/?launchApp=SYNO.SDS.Office.Application

Damit können deine Nutzer von überall auf der Welt auf das NAS zugreifen und Office-Dokumente erstellen und bearbeiten.

Die Arbeit mit Synology Office

Das war der komplizierte Part, denn ab jetzt wird es clever. Synology Office beherrscht zwar aktuell nur Spreadsheets und Dokumente, aber in den allermeisten Fällen reicht das aus.

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Der Synology Office Homescreen
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Ein Dokument in Synology Office

Ich muss dir nicht gross erklären, wie du ein neues Dokument aufmachst und bearbeitest, oder? Interessant wird es aber bei den Kollaborations-Features. Denn das ist etwas, das sich langjährige Word User nicht gewohnt sind.

Die Sharing Settings sind unter dem Symbol links mit dem Männlein und dem «+» abgelegt. Dort kannst du einstellen, wer was tun soll. Als Versuchskaninchen hat meine Kollegin Livia Gamper herhalten müssen. Ich habe ihr die Erlaubnis gegeben, diesen Artikel zu bearbeiten.

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Livia testet die kollaborativen Features des Synology Office

Hier tut sich zum ersten Mal eine Schwäche des Office auf: Livia bekommt scheinbar keinerlei Notification. Erst einige Stunden später sieht sie die Notification in ihrem Spam-Ordner. Daher die Empfehlung: Wenn du das System aufsetzen willst, setze die Adresse, von der die Notifications verschickt werden, auf eine Whitelist. Auf der Administrationsseite sieht das aber ganz nett aus: Wenn du aus irgendwelchen Gründen vergessen hast, einen Mail Account mit deinem NAS zu verknüpfen, damit dir das System Benachrichtigungen über Updates und anderes senden kann, dann erinnert dich Synology Office daran, und ein Wizard hilft dir beim Setup.

Tja dann, auf zum Schreiben

Ich habe diesen Artikel hier auf dem NAS-Office geschrieben. Das hätte ich auch in Word oder in Google Docs können. Oder in Notepad oder Brackets. Mir geht es aber darum, das Feeling für Synology Office zu kriegen. Und ich muss sagen: Passt schon. Ist jetzt nicht bemerkenswert. Nach einer kurzen Umgewöhnung passt alles. Genau so wie es sollte. Ich kann mich nach kurzer Umorientierung mit den Menüs und dem generellen Layout mit Sidebar einfach aufs Schreiben konzentrieren und fertig. Genau so muss es sein.

Das einzige, was mich stört ist, dass Synology Office eine etwas eigenartige Ansicht von Seiten hat. Ich schreibe immer auf der selben Seite, die zwar die Seitenränder an der Seite haben, wie ich sie mir von Word oder GDocs gewohnt bin, aber es gibt keine virtuellen Seiten. Die Seite geht einfach immer und immer weiter. Bis ins Unendliche. Das ist so dermassen ungewohnt, dass es mir irgendwie einfach nicht passen will.

Was aber definitiv gut ist: Ich muss mich nicht wirklich um den Datenschutz kümmern. Die Daten meines Dokuments sind bei mir auf dem NAS. Ich weiss genau, wo die sind, in welchem Rechtsraum und wer darauf Zugriff hat. Klar, Google investiert weit mehr Geld und Research in die Verbesserung der eigenen Sicherheit als ich das tue, aber es gibt da noch den sozialen Aspekt: Mein NAS ist kein High Profile Target. Was finden die bei mir? Alle paar Monate mal ein Dokument oder zwei zu einem noch nicht erschienenen Produkt in der Schweiz. Von einem gigantischen Datenleck kann hier nicht die Rede sein. So gefällt mir das.

Abschliessend bleibt mir nur noch dies: Ich mag Synology Office besser als Google Docs, der Datenhoheit wegen. Ich mag Google Docs besser als Microsoft Word, der Kollaboration wegen. Wenn du dir für Zuhause oder dein Unternehmen überlegst, ein NAS anzuschaffen: Synology Office ist schnell installiert und wird dir viel Freude machen.

Deine Gewinnchance - Der Wettbewerb ist vorbei.

Apropos Freude. Du kannst ein NAS gewinnen. Wir verlosen ein Synology DS1817+. Alles, was du dafür tun musst, ist eine Frage beantworten. Und die wäre:

Update: Ich habe die Frage entfernt, weil der Wettbewerb seit knapp einem Monat vorbei ist, und immer noch Antworten eintrudeln. Der Wettbewerb ist definitiv und wirklich ganz bestimmt vorbei.

Wir lassen als Antwort sowohl die exakte Rechnung wie auch die Faustregel-Rechnung gelten. Der Wettbewerb läuft bis am 27.09.2017 um 23:59 Uhr. Update: Der Wettbewerb ist vorbei. Schluss! Aus! Danke für die Teilnahme, aber neue Antworten werden nicht mehr berücksichtigt. Bringt also nix mehr.

Das Kleingedruckte (lies das!)

Teilnahmebedingungen: Teilnahmeberechtigt sind alle natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, die mindestens 18 Jahre alt sind. Mitarbeiter der der Digitec Galaxus AG sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen. Jeder Teilnehmende darf nur einmal am Wettbewerb teilnehmen, um nicht ausgeschlossen zu werden. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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