NAS: Speicher für den modernen Haushalt
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NAS: Speicher für den modernen Haushalt

Dominik Bärlocher
Zürich, am 19.07.2017
In unserem digitalen Leben sind Daten von enormer Wichtigkeit. Wenn die Festplatte im PC ihre letzte Umdrehung macht, dann gehen Ferienerinnerungen, Finanzdaten, Filme und allerlei anderes verloren. Ein herber Verlust. Daher müssen neue Modelle der Speicherung her. Eines davon ist Network Attached Storage, auch NAS genannt.

Laptops haben kleine Festplatten, PC-Platten haben die Angewohnheit, nach einigen Jahren den Geist aufzugeben. Trotzdem sind Daten in der heutigen, digitalen Welt extrem wichtig. Klar, da ist die Option, alles komplett in der Cloud zu speichern, also einfach ein Terabyte oder zwei auf Google Drive oder iCloud zu mieten und das Problem scheint gelöst.

Doch mit der Cloud kommen Sicherheitsbedenken. Deine Daten sind einfach irgendwo in der weiten Welt draussen, verteilt über Datencenter und Nationen. Die Bedenken in Punkto Privatsphäre und Datensicherheit sollten hier gross geschrieben werden. Denn meine Steuerdaten sind meine, genau wie die eingescannte Quittung der Krankenkasse. Ich bin nicht wirklich scharf darauf, dass Google sich theoretisch die Möglichkeit nehmen kann, meine Bilder und Dokumente zu analysieren.

Meine Ansprüche an Daten:

  • Die Datenhoheit liegt bei mir
  • Sie sind sicher in meinem Heimnetzwerk auf allen Geräten verfügbar
  • Sie sind gegen Festplattenausfälle gesichert

Das ist nicht zu absurd, oder?

Schnell wird klar, dass ich auf die Hilfe meines über die Jahre hinweg zusammengestückelten PCs verzichten muss. Die offensichtliche Lösung heisst: Network Attached Storage, wohl kürzer unter dem Namen NAS bekannt.

Was ist ein NAS? Was ist ein RAID?

Ein NAS ist im Wesentlichen nichts anderes als eine Festplatte oder eine Sammlung von Festplatten, die direkt an den Router angeschlossen werden. Damit sind sie nicht direkt mit einem Computer verbunden, laufen 24 Stunden am Tag und stellen Daten zur Verfügung.

Auf Anraten von Produktmanager Christian Seeholzer arbeite ich in diesem Artikel mit dem Synology DS1817+

Darin sind acht Festplatten verbaut, die auf den 24-Stunden-Betrieb ausgelegt sind. Das ist dahingehend wichtig, weil ein NAS in der Regel nicht ausgeschaltet wird.

Das NAS hat zwar einen ganz anständigen Computer verbaut, der die Festplatten und Funktionen, die vom NAS bereitgestellt werden, verwaltet. Aber als vollwertigen Computer ist das Teil nicht zu gebrauchen. Ferner empfehle ich, das NAS nicht direkt an den Router, der dir von deinem Internetanbieter gegeben wurde, anzuschliessen. Die Gründe dafür sind, dass diese Geräte oft nicht die Rechenleistung bringen, um fortgeschrittenere Datenoperationen durchzuführen. Mein Netzwerk läuft auf einem Netgear R8000 Nighthawk X6.

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Die Festplatten im NAS sind zu einem RAID zusammengeschlossen. RAID steht für «Redundant Array of Independent Disks», also redundante Reihe von unabhängigen Festplatten. In der Praxis bedeutet das, dass ich einen zusammenhängenden Speicher von etwa 25 Terabyte erhalte.

«Aber», höre ich dich jetzt fragen, «hast du nicht acht Platten mit vier Terabyte, was 32 Terabyte entspricht?»

Richtig, aber ich habe eine sogenannte One-Disk-Redundancy gewählt. Das heisst, dass eine Festplatte komplett ausfallen kann, ohne dass irgendwelche Daten verloren gehen. Das ist es, was ein RAID ausmacht. Die Daten sind dezentral gespeichert und sichern sich gegenseitig gegen Ausfall ab. So gehen meine Ferienfotos, Filme und all das Zeug nie mehr verloren. Fällt eine Platte aus, wechsle ich sie einfach.

Die Software auf dem DS1817+ und das IronWolf-Feature

Das DS1817+ ist die Königsversion der Consumer-Serie der NAS aus dem Hause Synology. Es gibt kleinere Versionen, mit weniger Schächten.

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Auf dem NAS läuft ein sehr leichtes Betriebssystem, das stark an eine Linux-Distribution erinnert. Darauf zugreifen kannst du über den Browser indem du die IP des NAS auf Port 5000 aufrufst. Die Adresse kann so aussehen.

http://192.168.1.XXX:5000/

Die X oben sind in der Regel eine ein- bis dreistellige Zahl, die der Router dem NAS zugewiesen hat. Da sich das NAS nahtlos in dein Heimnetzwerk einfügt, taucht es unter Windows im Netzwerk auf und kann nach einem ersten Login wie ein normaler Ordner verwendet werden.

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Der Desktop des NAS-Betriebssystem

Angenehm ist, dass das Setup sich bis zu einem gewissen Grade selbst erledigt. Für alles hat Synology einen Wizard eingebaut und wenn das nicht ausreicht, dann ist der Online Support sehr hilfreich.

Mir fällt auch auf, dass Christian Seeholzer einen Grund hat, warum er mir die IronWolf-Platten auf den Tisch gelegt hat, mit dem Vermerk «Benutz die mal», auch wenn ich jetzt aus Gewohnheit Platten eines anderen Herstellers gekauft hätte. Der Festplattenhersteller Seagate macht mit Synology gemeinsame Sache und bietet das sogenannte «IronWolf Health Management» an.

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Das IronWolf Health Management

Das IronWolf Health Management klingt nicht nur badass, sondern ist dazu da, eine weitere Schicht Ausfallsicherheit zu schaffen. Du findest es unter Storage Manager → HDD/SSD und dann nach dem Klick auf eine der Platten. Du kannst deine Platten entweder manuell oder automatisch regelmässig durchchecken lassen. Meine Platten sind, wenig überraschend, alle im grünen Bereich.

Das Health Management ist aber nicht nur mit Rettung im Falle des Falles zufrieden, sondern versucht, dem Festplattenausfall vorzubeugen. Das heisst, dass die Checks allerlei Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und anderes in Betracht ziehen und so schon vor dem Ausfall auf die bevorstehende Katastrophe aufmerksam machen. Während dem Test hat zum Glück noch keine meiner Platten irgendwelche Warnungen ausgespuckt. Daher kann ich nicht sagen, wie gut das funktioniert.

Das IronWolf Health Management ist zwar nicht das einzige präventiv ausgelegte Tool, denn Synology stattet seine Geräte mit S.M.A.R.T.-Tool aus, das in etwa die selbe Funktion hat. Da S.M.A.R.T. aber für jede Platte eines jeden Herstellers gemacht ist, sind die Checks da viel generischer. Das IronWolf Health Management kennt die Seagate-Platten genau und kann so anstelle der 20 Checks, die S.M.A.R.T. macht, über 200 Datenanalysen zu Rate ziehen.

Hast du schon Erfahrungen mit dem IronWolf Health Management Tool? Ist da was dran? Ich weiss das Tool ist erst wenige Monate alt, aber kann ja sein. Hinterlasse mir doch bitte einen Kommentar, wenn du was weisst.

Mehr als nur Datenspeicher

War ein NAS zum Anfang, also so um die Jahrtausendwende herum, wirklich nur grade Festplatte am Netzwerk, so haben Unternehmen wie Synology seither viel gewerkelt, entwickelt und erweitert. Das DS1817+ auf dem bei mir zu Redaktionsschluss die Software DSM 6.1.2-15132 Update 1 läuft, bietet eine Vielzahl Applikationen an, die aus dem NAS ein richtig gutes Serversystem machen.

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Das DSM Package Center

Im Package Center, dem App Store des DSM, findest du eine Vielzahl von Applikationen, die vom NAS aus direkt gestartet werden können. Unter anderem kann dein NAS auch Folgendes sein:

  • Video Streaming Server
  • Chatserver
  • Mailserver
  • VPN Server
  • Downloadserver
  • Datenbankserver

Ferner kann das Teil auch eine Art kollaboratives Office-Umfeld aufbauen. Alle, die schon einmal mit Word, Excel oder seinen Google-Äquivalenten gearbeitet haben, kennen das Interface. Einziger offensichtlicher Unterschied: Die Daten der Office-Umgebung können mit Tags versehen werden, die prominent angezeigt und nach denen gefiltert werden kann.

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Office auf dem DS1817+
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Die Dokumente können nach Kategorien gefiltert werden. Nice.

Gängige Kritik an NAS ist, dass die Geräte laut sind und recht heiss laufen. Beides kann ich mit dem DS1817+ im Moment nicht nachvollziehen. Ich höre zwar die Platten drehen, wenn das System aus dem Standby erwacht, aber sobald die IronWolves auf Drehzahl sind, sind sie wieder leise. Temperaturtechnisch laufen sie im Schweizer Hochsommer auf Temperaturen zwischen 31 und 33 Grad. Das ist ziemlich gut.

Auf diese Dinge gehe ich, situativ, wohl in Zukunft ein, denn dieser Artikel hier war eine Einführung ins Thema. Ich bin noch lange nicht mit meinem DS1817+ fertig. Denn ein NAS gehört in einen modernen, datenlastigen Haushalt. Die Gefahr, Daten zu verlieren, ist minimiert, die Datenhoheit gewahrt und alle Computer aus dem Haushalt können auf geteilte Daten zugreifen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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