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Neue Kompaktkameras, die nichts Neues bringen

David Lee
26.3.2026

Das Angebot an Kompaktkameras lässt seit langem zu wünschen übrig. Mit der Panasonic Lumix DC-TZ300 erscheint nun eine Neuheit – deren Innovationsfaktor ist jedoch gleich null. Das ist symptomatisch für die gesamte Branche.

Die Panasonic DC-TZ300 bietet ein 15-faches optisches Zoom-Objektiv in einem kompakten Gehäuse. Die Brennweite beträgt, aufs Kleinbildformat umgerechnet, 24 bis 360 Millimeter, die Lichtstärke reicht von f/3,3 bis f/6,4. Auch ein optischer Bildstabilisator ist ins Objektiv integriert. Der rückwärtig belichtete 1-Zoll-Sensor verspricht eine für Kompaktkameras gute Qualität in Sachen Dynamik und Rauschverhalten. Dazu beherrscht die Kamera 4K-Video und Zeitlupenaufnahmen in Full HD.

Das hört sich soweit okay an. Nur gab es das schon vor acht Jahren. Anfang 2018 brachte Panasonic die TZ200 auf den Markt – mit weitgehend identischen Spezifikationen. Zwei Dinge sind bei der neuen Kamera anders:

  1. Sie hat keinen Sucher mehr.
  2. Sie wird über USB-C geladen.

Punkt 1 ist ein Nachteil. Und Punkt 2 ist Pflicht, da Laden per USB-C in der EU und der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben ist. Ohne diese Verbesserung dürfte die Kamera in Europa gar nicht auf den Markt kommen.

Panasonic TZ300 (24 - 360 mm, 20.10 Mpx, 1")
Kamera
Neu
CHF949.–

Panasonic TZ300

24 - 360 mm, 20.10 Mpx, 1"

Panasonic hat bereits bei der TZ99 den Sucher weggelassen und USB-C nachgeliefert. Ansonsten ist die TZ99 eine Neuauflage der TZ91 von 2017.

Das ist die TZ91.
Das ist die TZ91.
Quelle: Panasonic
Und das die TZ99. Finde die Unterschiede.
Und das die TZ99. Finde die Unterschiede.
Quelle: Panasonic

Lohnen sich Innovationen bei den Kompakten noch?

Alter Wein in neuen Schläuchen – doch Panasonic steht mit dieser Strategie nicht alleine da. Die Kamerahersteller investieren kaum noch in Innovationen für Kompaktkameras. Zwischen 2012 und 2019 brachte Sony sieben Generationen der Kompaktkamera RX100 heraus, teilweise mit bedeutenden Fortschritten. Seither ist in der RX100-Reihe nichts mehr passiert, ausser dass die günstigeren Vorgängermodelle nach und nach aus den Regalen verschwunden sind.

Auf den ersten Blick ist das verständlich: Der Markt ist durch den Siegeszug der Smartphones zusammengebrochen. Spätestens seit Smartphones auch Tele-Aufnahmen beherrschen, braucht kaum jemand noch eine Kompaktkamera.

Das heisst aber nicht, dass es keine Nachfrage mehr gibt. Seit einiger Zeit zeichnet sich in der Fotografie ein neuer Trend ab: Kameras werden von Gebrauchsgegenständen zu Liebhaberobjekten. Luxus- und Retrokameras erfreuen sich einer Beliebtheit, die rein vom Nutzen her nicht erklärbar ist – es muss Liebe sein. Liebe zur Fotografie, Freude an mechanischen Rädern, an selbst geschossenen Bildern, die einem etwas bedeuten – und vielleicht auch an der Kamera selbst. Die KI-Revolution dürfte diesen Trend noch verstärken: Die Sehnsucht nach ehrlicher, echter Handwerkskunst wächst.

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Auch eine normale Kompaktkamera kann Freude machen und ist daher mehr als nur ein Nutzobjekt. Dementsprechend verkaufen sich die wenigen verbliebenen Modelle erstaunlich gut. Die RX100 VII ist trotz ihres Alters und stolzen Preises eine der meistverkauften Kameras in unserem Shop. Bei der Fujifilm X100VI führte ein irrer Hype vor zwei Jahren dazu, dass die Kamera kaum erhältlich war. Auch die Ricoh GR IV hat ihre Fans.

Daher glaube ich, dass es einen kleinen, aber feinen Markt für eine neue Kompaktkamera mit echter Innovation gäbe.

Vlogging-Kamera – ein Euphemismus?

Ein grosser Teil der Neuheiten der letzten Jahre läuft unter dem Schlagwort Vlogging-Kamera. Natürlich ist Video ein Riesentrend, den die Hersteller bedienen wollen. Doch oft bedeutet Vlogging-Kamera kaum mehr, als dass der Sucher bei einer Kompaktkamera fehlt – so wie bei der TZ300. Die Komponenten in der Kamera sind meist angejahrt. So lassen sie sich noch ein bisschen länger als Neuheit verkaufen.

Mein Wunsch an die Hersteller: Canon, bitte eine V1 mit Sucher. Und Sony, bitte eine neue RX100. Das müsste möglich sein, ohne das Entwicklungsbudget zu sprengen.

Titelbild: Panasonic

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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