Mysteriöser Monolith in Utah: Kommen die Ausserirdischen?

Mysteriöser Monolith in Utah: Kommen die Ausserirdischen?

Luca Fontana
Zürich, am 26.11.2020
Was wie Science-Fiction klingt, ist real: In der Wüste Utahs ist ein mysteriöser, metallener Monolith aufgetaucht. Seine Herkunft kennt niemand. Ausser ein Reddit-User. Und vielleicht die Regierung.

Es ist kein alltäglicher Fund. Auch nicht fürs Utah Department of Public Safety (DPS). Eigentlich war die örtliche Hubschrauber-Crew nur auf einer gewöhnlichen Schafszählungsexpedition. Dickhornschafe, vorwiegend in Wüsten, Gebirgen oder anderen Trockengebieten zu finden. Gefunden haben die tapferen Männer aber etwas anderes.

Einen Monolithen.

Herkunft: Unbekannt. Standort: Geheim. Wir wissen nur, dass das mysteriöse Objekt etwa 3,5 Meter hoch ist, aus Metall besteht und mitten in der roten, gebirgigen Wüste Utahs in einem abgelegenen Canyon steckt. Das hat KSL TV berichtet. Der lokale Fernsehsender ist dem Monolithen etwa eine Woche nach dessen Fund auf die Spur gekommen. Vielleicht dank Insidern. Oder regierungsnahen Whistleblowern.

Geht da etwas vor sich, das wir nicht wissen sollen?

Die Spurensuche geht los

Warum sich das DPS Utahs über den genauen Standort des Monolithen ausschweigt, ist nicht bekannt. Die offizielle Begründung lautet: «Die Gegend ist sehr abgelegen. Wenn Einzelpersonen versuchen, dorthin zu gelangen, besteht eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass sie verloren gehen und Rettung benötigen.»

Verloren. Rettung. Klingt, als ob die Regierung nicht wolle, dass sich jemand dem rätselhaften Monolithen nähert.

Dem unerschrockenen Reddit-Nutzer Bear_Fucker wird die Geheimniskrämerei zu viel. In einem Reddit-Subforum zum möglicherweise extraterrestrischen Monolithen veröffentlicht er die genauen Koordinaten des Funds.

38°20'35.1"N, 109°39'58.3"W

Satellitenaufnahmen der Koordinaten zeigen im August 2015 noch keine Spuren.
Satellitenaufnahmen der Koordinaten zeigen im August 2015 noch keine Spuren.
Erst ein Jahr später, im August 2016, taucht der Monolith zum ersten Mal auf Bildern auf.
Erst ein Jahr später, im August 2016, taucht der Monolith zum ersten Mal auf Bildern auf.

Bear_Fucker scheint kein Regierungsinterner zu sein: Er hat die Koordinaten selber gefunden. Auf Google Maps, durch akribische Suche. Seine Vorgehensweise beschreibt er genauso detailliert wie sorgfältig.

Zunächst habe er den Gesteinstyp untersucht. «Sandstein. Roter und weisser Sandstein. Keine schwarzen Streifen wie die höheren Klippen in Utahs Gebirgswüsten», führt Bear_Fucker aus.

Dann die Form. «Das Gestein auf den Fotos ist rund. Weist also auf Erosion hin. Typisch für exponierte Flächen», so der Mann, der der Regierung Utahs trotzt. Die Textur des Canyon-Bodens sei zudem geneigt und Fotos zeigen eine grössere Mesa-Klippe im oberen Hintergrund. Ein Hinweis auf eine Wasserscheide, die selten Wasser beherbergt.

Und dann? Bear_Fucker gleicht all das mit der Flugzeit und dem Flugweg des Hubschraubers ab. Laut Berichten soll die Crew früh morgens von Monticello, Utah, gestartet und direkt nach Norden geflogen sein, bevor sie vom Radar verschwunden ist – also dann, als der Hubschrauber gelandet und unter die Radar-Scan-Höhe geflogen ist. Oder innerhalb eines intergalaktischen Wellenlängenunterdrückers. Verursacht vom Monolithen, vermutlich.

Der Mitarbeiter scheint auf etwas auf dem Boden zu deuten. Mysteriös.
Der Mitarbeiter scheint auf etwas auf dem Boden zu deuten. Mysteriös.

«Ich wusste also, dass ich nach einer nach Südosten ausgerichteten Schlucht mit abgerundetem, rot-weissem Felsen suchte, höchstwahrscheinlich nahe der Basis einer grösseren Mesa, in der Nähe einer Wasserscheide und mit genügend Platz, damit ein Hubschrauber des Typs AS350 dort landen kann».

Und weiter: «Ich brauchte etwa 30 Minuten, um die Kreuzung Green River und Colorado River zu überprüfen und das passende Gelände zu finden. Dann nochmals etwa 15 Minuten, um den genauen Canyon zu finden.»

Bear_Fucker aber warnt: «Ich kann bestätigen, dass der Ort höchst unwirtlich ist. In aller Ernsthaftigkeit: Bitte sucht nicht nach dem Monolithen». Hat die Regierung doch noch etwas gegen den Kämpfer der Wahrheit in der Hand, dass er sich zu solch einer Aussage hinreissen lässt?

Die Frage nach dem Ursprung

Wer den Monolithen gebaut oder eingeflogen hat – und zu welchem Zweck –, bleibt ungeklärt. Offiziell zumindest. Einige bestimmt regierungsnahe Nachrichtenagenturen haben Avantgarde-Künstler als mögliche Übeltäter vorgeschlagen.

Die Art Newspaper etwa vergleicht den Monolithen mit den «Plank»-Skulpturen des minimalistischen Künstlers John McCracken, vergisst dabei allerdings, dass McCracken anno 2011 verstorben ist: Der Monolith steht laut Google-Maps-Bildern erst seit 2016 da.

Auch McCracken-Galerist David Zwirner scheint nicht das beste Gedächtnis zu haben. Gegenüber der gegenüber der New York Times sagte er: «Ich glaube, das ist definitiv von John. Los, gehen wir’s uns anschauen.»

Niemand hat Monolithen besser begriffen als John McCracken.
Niemand hat Monolithen besser begriffen als John McCracken.
davidzwirner.com

Dann aber meldete sich ein Sprecher von David Zwirner gegenüber dem Guardian zu Wort. Die neue, offizielle Version aus Zwirners Lager: Der Monolith könnte eine Huldigung, eine liebevolle Nachahmung eines Künstlerkollegen sein, der John McCracken bewundere. Petecia Le Fawnhawk zum Beispiel, die vor kurzem erst einen riesengrossen Spiegel in irgendeiner Wüste in den Sand gesetzt hat.

Oder einfach ein riesengrosser «2001: A Space Odyssey»-Fan.

Wie dem auch sei. Das Lügenkonstrukt rund um den Ursprung des Monolithen bröckelt. Denn weder John McCracken noch Petecia Le Fawnhawk sind Ausserirdische. Mittlerweile hat das Utah Department of Public Security mehr Bilder veröffentlicht. Darunter auch von Dickhornschafen. Der Monolith soll indes bald abgebaut werden.

Was bleibt, ist eine einzige Erkenntnis: Die Wahrheit ist da draussen.

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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