
«Minecraft Dungeons 2» im Test: Ohne Mitspieler kannst du dir’s sparen
Der Action-Rollenspiel-Ableger des Klotzbau-Dauerbrenners geht in die zweite Runde. «Minecraft Dungeons 2» macht vor allem im Koop mit Familie und Freunden Spass. Alleine geht dem Abenteuer schnell die Luft aus.
In «Minecraft Dungeons 2» baust du nichts – du buddelst nicht einmal Höhlen auf der Suche nach Diamanten. Das Game ist mehr «Diablo» als klassisches Klötzchenbau-Game. Mit immer besserer Ausrüstung verhaust du alles, was sich dir in den Weg stellt. Statt einer düsteren Höllendimension erkundest du allerdings eine farbenfrohe Welt, die zum Verweilen einlädt – zumindest für ein Stündchen oder so. Denn trotz zauberhafter Kulisse fehlt es «Minecraft Dungeons 2» an Abwechslung.
Offene Spielwelt und neue Dimension
Zu Beginn wähle ich aus einer Handvoll Skins meinen Helden aus. Klassen gibt es keine und das Aussehen ist ebenfalls sekundär: Aus der Vogelperspektive erkenne ich kaum, welche Haarfarbe ich gewählt habe. Innert kürzester Zeit bin ich sowieso mit neuer Rüstung zugedeckt.
Die Geschichte ist kaum erwähnenswert: Irgendwelche Oberhoschis wollen die Oberwelt erobern. Worum es genau geht, kann ich dir gar nicht sagen. Die Story wird in unspektakulären Zwischensequenzen erzählt und von einer monotonen Erzählstimme begleitet – da hat selbst die KI-Stimme, die mir auf News-Portalen die Texte vorliest, mehr Emotionen. Ich muss mich aktiv davon abhalten, sofort alles zu überspringen. Im Rest des Spiels kommt fast nur noch Text zum Einsatz. Spätestens dann drücke ich so enthusiastisch auf «Skip» wie auf die X-Taste, um Monstern meine Waffen über den Schädel zu ziehen.
Im Gegensatz zum ersten «Minecraft Dungeons» setzt Teil zwei auf eine offene Spielwelt. Statt durch abgeschlossene Abschnitte bewege ich mich frei durch die Welt. Der Eindruck täuscht allerdings etwas: Einerseits schränkt die Topografie meinen Bewegungsraum ein, andererseits liegt auch nach dem Durchspielen der Hauptquest der Grossteil der Karte unter Nebel verborgen. Ich vermute, dass dieser erst durch kommende Erweiterungen aufgedeckt wird.

Zusätzlich gibt es mit Sift eine Art Unterwelt – ähnlich wie in «Elden Ring». Der grosse Aha-Effekt beim Entdecken fehlt hier allerdings. Das Gebiet könnte genauso gut ein weiterer Teil der Hauptkarte sein. Die Dimension feiert übrigens in «Dungeons 2» Premiere, noch bevor Mojang sie im Hauptspiel implementiert.
Viel zu tun, aber wenig Abwechslung
Zu tun gibt es ohne DLC genug. Neben der Hauptquest, die mich durch die verschiedenen Gebiete führt, kann ich jederzeit ausscheren. Die Welt reicht von den grasbedeckten Honigwabenfeldern über das verschneite Eishochland bis zu lauschigen Heulwäldern – auch wenn der Name anderes vermuten lässt.
Die Welt ist voll von Dungeons, versteckten Schätzen und Nebenaufgaben. Auf Knopfdruck blende ich eine gelbe Linie zum Questort ein. Das ist praktisch, nur erinnert die Wegfindung leider an die erste Generation von Apple Maps: Mal zeigt die Linie durch den Boden, mal schickt sie mich eine Klippe hinunter. Zum Glück hat das keine fatalen Konsequenzen und ich werde umgehend wieder an den Ausgangspunkt zurückteleportiert.

Spielerisch laufen alle Aufgaben auf dasselbe hinaus: hinlaufen, alles plattmachen, Beute abstauben. Hier und da muss ich Schlüssel finden, um eine Tür zu öffnen oder kleine Wesen befreien, die anschliessend ebenfalls als Schlüssel fungieren. Auch kurze Begleitquests kommen vor. Damit hat es sich dann auch schon.
Keine Klassen und wenig Spieltiefe
«Minecraft Dungeons 2» ist kein komplexes Spiel – das galt schon für den ersten Teil. Es soll vor allem Familien und ein jüngeres Publikum ansprechen. Das haben mir die Entwicklerinnen und Entwickler bereits beim Anspieltermin auf der Gamescom erklärt. Zwar überrennen mich die Gegner selbst auf der einfachsten Stufe, wenn ich nicht aufpasse, doch das Spiel ist sehr nachsichtig. Mitspieler können jederzeit wiederbelebt werden und Feinde stören mich kaum dabei. Stirbt meine ganze Gruppe trotzdem, lande ich zurück im Tapferkeitshafen. Von hier aus kann ich mich direkt wieder zurück an die Front teleportieren.

Das Kampfsystem ist simpel: Es gibt einen Nah- und einen Fernkampfangriff. Dank der neuen Sprungfunktion kann ich zudem Sprungangriffe ausführen. Die machen ordentlich Flächenschaden, weshalb es wohl nicht mehr lange dauert, bis ich das 1000er-Achievement dafür freischalte.
Daneben gibt es drei Slots für Artefakte. Darüber kann ich noch am ehesten so was wie eine Klasse kreieren. Um die Artefakte zu aktivieren, brauche ich Seelen. Es ist das Pendant zu Mana. Ich sammle sie, indem ich Feinde erledige. Zur Auswahl stehen etwa eine Flöte, die mich in eine Panzerung hüllt und meinen Feuerschaden erhöht, ein Totem, das eine schützende Kuppel um mich kreiert. Oder Tempotrüffel, die meine Geschwindigkeit erhöhen.

Auch im Inventar hat sich einiges getan: Statt ganzer Rüstungssets kann ich Helm, Hosen, Schuhe und Brustplatte separat ausrüsten. Hinzu kommen drei Talismane mit passiven Vorteilen wie mehr Lebensenergie, mehr Nahkampfschaden oder einem Begleiter, den ich herbeirufen kann.
Zusätzlich kann ich beim Zauberschmied Ausrüstungen und Waffen, die ungewöhnlich oder besser sind, mit Zaubern versehen. Zusammen mit dem regulären Schmied und dem Händler finde ich das Trio an jedem Ort. Zum Verbessern meiner Ausrüstung benötige ich zwei Währungen, die ich auf meinen Abenteuern sammle. Gleichzeitig kann ich damit die Schmiede und den Händler hochleveln, um noch bessere Ware oder Upgrades zu erhalten.
Die verschiedenen Ausrüstungsteile, Verzauberungen und Talismane ersetzen in der Theorie die Klassen. So könnte ich beispielsweise alles auf Frost setzen und eine Art Frostmagier kreieren. Entweder habe ich nie die passende Ausrüstung gefunden oder das System greift zu kurz. Im Endeffekt spielt sich «Minecraft Dungeons 2» immer gleich: draufhauen, Pfeile verschiessen und Fähigkeiten spammen, bis nichts mehr steht.

Mehr Spieler, mehr Spass
Auf höherem Schwierigkeitsgrad oder bei Bossen ist etwas mehr Abstimmung gefragt. Dann muss ich gelegentlich Flächenangriffen ausweichen oder zuerst Magier erledigen, die mich mit explodierenden Säulen einsperren. Wirklich viel Tiefgang entsteht dadurch trotzdem nicht. Das hat wiederum den Vorteil, dass meine Kinder problemlos mit dem Spiel klarkommen.
Im Couch-Koop glänzt das Spiel am meisten. Mitspieler können jederzeit ins Spiel einsteigen. Unterschiedliche Level sind dabei kein Problem. Es gibt auch keinen Streit um die Beute: Alle können nur die Items in ihrer eigenen Farbe einsammeln.
Das grösste Problem im Koop ist die Übersicht – die geht komplett flöten. «Wo bin ich?», rufen mein Sechsjähriger und meine Achtjährige praktisch im Minutentakt. Es dauert nicht lange, bis ich es ihnen gleichtue. Mein Charakter hat obendrauf noch zwei Begleiter – einen Hund und einen riesigen Golem (der leider auch gerne mal im Weg steht). Das Chaos wird dadurch noch grösser. Spätestens dann werfe ich jegliche Gedanken an Taktik aus dem Fenster, spame meine Fähigkeiten nach jedem Cooldown und werfe bei Bedarf Heiltränke ein.

Während sich meine Tochter nach einer halben Stunde lieber wieder «Pokémon Pokopia» widmet, tauche ich mit meinem Sohn tiefer in die farbenfrohe Klötzchenwelt hinab. Zu zweit macht das Spiel eindeutig mehr Spass. Aber selbst im Koop ist bei mir nach einer Stunde am Stück die Luft raus, da das Kampfsystem schlicht zu wenig Abwechslung bietet. Daran ändert sich auch in den rund zehn Stunden bis zum vorläufigen Abspann nichts. Danach gibt es zwar noch zahlreiche Herausforderungen und Dungeons zu meistern, doch Talismane und Verzauberungen sind schlicht kein Ersatz für ein echtes Klassensystem.
Ein lauschiges Plätzchen
Was mir trotz fehlender Spieltiefe richtig gut gefällt, ist die fröhliche Atmosphäre. Das liegt nicht nur am bunten Klötzchen-Design und den knuffigen Tierchen, die herumhopsen. Der Soundtrack ist mindestens so verspielt. In schummrigen Dungeons erinnern mich quietschende Geigen und klimpernde Klaviertasten an ein Geisterhaus. In der traumartigen Riss-Dimension – das sind kurze Dungeons mit besonders guter Beute – erklingen psychedelische Gitarrenklänge.

Auch die Soundeffekte sind toll: Wenn ich etwas ausrüste, flötet eine Flöte, dort rasselt ein Banner oder der Picknickkorb gibt ein schmatzendes Geräusch von sich. Einmal habe ich eine Armbrust gefunden, die beim Abfeuern wie eine Harfe klang. Und der Sound, wenn ich mal wieder irgendwo runterfalle und zurückgesetzt werde, klingt wie ein Levelup – da habe ich fast das Gefühl, etwas geleistet zu haben.
Visuell haut mich das Spiel weniger aus den Socken. Der Stil gefällt mir und der Wechsel auf die Unreal Engine 5 sorgt für eine hübschere Beleuchtung. Sie könnte allerdings noch deutlich dynamischer sein. Die Welt ist bunt, spielt aber zu wenig mit starken Kontrasten. Dadurch wirkt alles ein wenig flach. Überhaupt vermisse ich ikonische Bauten oder spektakuläre Landschaften. Ausser den kurzen Riss-Abschnitten, die an einen Drogentrip erinnern, bleibt kaum etwas in Erinnerung.

Gelegentlich zoomt die Kamera heraus, wenn ich durch ein Gebiet wandere, das grössere Höhenunterschiede hat. Das bleibt aber die Ausnahme. Ausserdem sieht das Spiel selbst in 4K und maximalen Details leicht verwaschen aus.
Kleinere Schönheitsfehler
Im Grossen und Ganzen läuft «Minecraft Dungeons 2» stabil. An der Performance gibt es nichts auszusetzen und das Spiel ist mir nur einmal abgestürzt. Dafür traf ich immer mal wieder auf kleinere Bugs – wie bei einem Boss, zu dem ich per Sprungplattform gelangte und der mich jedes Mal wieder zurückteleportierte. Irgendwann schaffte ich es, den Boss herüberzulocken. Nach seinem ersten Angriff teleportierte er sich in die Luft und starb sofort. Lustig, aber der Loot war dann leider auch weg – direkt ins Nirvana verabschiedet. Das passiert gelegentlich auch mit Kisten, die ich auf schmalen Hügeln öffne.
Die Begleiter, die ich beschwören kann, sind auch nicht die hellsten. Oft stehen sie untätig herum oder schlurfen hinter mir her wie meine Kinder beim Sonntagsspaziergang. Kommt es dann zur Action, habe ich meist die Hälfte alleine erledigt, bis sie dazustossen.

«Minecraft Dungeons 2» ist erhältlich für PC, PS5, Xbox Series und Switch 2. Ich habe die PC-Version getestet, die mir Microsoft zur Verfügung gestellt hat.
Fazit
Mitspieler dringend empfohlen
«Minecraft Dungeons 2» ist ein kurzweiliges Action-Rollenspiel in einer zauberhaften Klötzchenwelt. Gegenüber dem Vorgänger macht es so ziemlich alles besser. Die Welt besteht nun aus zwei grossen Teilen, die ich frei erkunden kann und es gibt deutlich mehr Upgrade-Möglichkeiten. Zu finden gibt es ausser Gegnern und gelegentlichen versteckten Kisten allerdings kaum etwas. Der Hauptantrieb bleibt die Suche nach besserer Ausrüstung. Trotz komplexerem Upgrade-System fehlt es dem Spiel an Tiefe und Abwechslung. Kämpfe laufen fast immer gleich ab. Lediglich Boss-Begegnungen bringen Variation. Mein Hunger ist daher meist nach einer Stunde gestillt.
Deutlich spassiger, aber auch chaotischer wird «Minecraft Dungeons 2» mit anderen. Zusammen mit meinem Sohn macht das Spiel viel mehr Laune, auch wenn die Übersicht dann komplett flöten geht. Das Action-Feuerwerk mit zwei Helden ist dafür umso spektakulärer.
Solange du dir im Klaren bist, dass du kein «Diablo 4» im «Minecraft»-Kostüm bekommst, sondern höchstens die Ultralight-Version davon, wirst du mit «Minecraft Dungeons 2» viel Spass haben. Für 30 Franken/Euro bekommst du viel Spiel fürs Geld, besonders wenn du den Spass mit Freunden und Familie multiplizieren kannst.
Pro
- farbenfrohe und einladende Welt
- zugänglich auch für unerfahrene Spielerinnen und Spieler
- stimmungsvoller Soundtrack und verspielte Soundeffekte
- mehr spielerische Freiheiten durch Ausrüstung
- Koop-Modus könnte kaum besser sein…
Contra
- …ausser bei der Übersicht, die geht komplett verloren
- Artefakte und Talismane sind kein Ersatz für ein Klassensystem
- spielerisch nicht sehr abwechslungsreich
- besonders, wenn man alleine spielt
- kleinere Bugs
Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken.
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