Mein erstes Multiroom-System: One, Move und Beam von Sonos im Test

Mein erstes Multiroom-System: One, Move und Beam von Sonos im Test

Daniel Ramm
Daniel Ramm
am 20.01.2021
In meinen Kopf: «Neue Lautsprecher müssen her. Nur welche? Die von Sonos sehen toll aus, aber ob die auch großartig klingen? Jennifer Lopez sieht schließlich auch gut aus, aber hört sich eher weniger gut an. Mal gründlich durchtesten – und hören, was die Ohren dazu sagen!» Gedacht, getan!

Oft habe ich sie mir angesehen, sie bewundert, sie im Internet gesucht, im Laden vor ihnen gestanden und sie auf meine Liste von Wünschen gesetzt, die ich mir eines Tages mal selbst erfüllen würde: Sonos-Lautsprecher. Was für eine glückliche Fügung, als ich drei von ihnen jetzt testen soll: den One, den Move und den Beam. Doch dann frage ich mich plötzlich: Können die drei Speaker meinen Erwartungen überhaupt gerecht werden? Wie groß wäre meine Enttäuschung, wenn die Lautsprecher aus meinen Technik-Träumen gerade einmal mittelmäßig klingen? Je näher der erste Tag des Tests rückt, desto nervöser werde ich: Würde Sonos womöglich kläglich versagen? Von was träume ich dann?

Das Design bestimmt das Bewusstsein.

Auspacken! Hach, wie Weihnachten! Eigentlich besser: Ich weiß schließlich schon, dass ich etwas bekomme, dass ich unbedingt haben will. Schon die Verpackung zeigt, was Sonos ausmacht: Der US-amerikanische Hersteller versteht sich auf Design. Lautsprecher und Zubehör liegen in schlichten, aber schön gestalteten Schachteln, eigens angepasst an das jeweilige Gerät, individuell geformt. Die ersten Instruktionen stecken in edlen, schwarz-weiß-gemusterten Umschläge. Aufschrift: «Welcome, music lover.» Schon das Drumherum stelle ich mir fast ins Regal.

Sonos Beam
Sonos Beam

Und dann erst die Speaker selbst: pure Eleganz in mattem Schwarz, abgerundete Ecken und Kanten, vier denkbar minimalistische Bedienelemente an der Oberseite, Touch-Tasten für Lautstärke, Wiedergabe/Pause, Vor und Zurück und das An- und Abschalten des integrierten Mikrofons. Keine überdimensionalen groben Technik-Klötze, sondern fast schon kleine, zurückhaltende Kunstobjekte. Als ich sie in der Küche und im Wohnzimmer, später auch im Schlafzimmer aufstelle, schreien sie nicht «Hallo, hier! Sieh mich an!», sondern sorgen in ihrem neuen Umfeld eher für beiläufige Hingucker. Optisch ansprechende, hochwertige, aber vollkommen unaufdringliche Design-Highlights. Schlicht schön!

Die App, dein Freund und Helfer.

Nicht weniger schön: die Handhabung. Die beiliegende gedruckte Bedienungsanleitung hat im Grunde nur eine Funktion: den Käufer zum sofortigen Download der Sonos-App zu animieren. Im App-Store sind dann gleich vier verschiedene Sonos-Apps verfügbar. Ich entscheide mich intuitiv für jene mit dem golden unterlegten Markennamen. Treffer! Von jetzt an coacht mich die App durch Aufbau und Inbetriebnahme, detailliert, Schritt für Schritt und weitestgehend idiotensicher. Ich weiß, wovon ich spreche: Ich habe recht wenig technischen Sachverstand. Aber den braucht es hier eben auch nicht. Die App weiß sowieso alles und macht jederzeit klare Ansagen, denen ich nur brav zu folgen brauche. Und sie begleitet mich auch zukünftig: Die App wird zur intelligenten Fernbedienung des gesamten Soundsystems.
Sehr praktisch, sehr erleichternd!

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Bitte recht dämlich!

Auch praktisch: Ich kann die Lautsprecher platzieren, wo immer ich will, und sie passen ihre Klangqualität den jeweiligen Gegebenheiten an. Dazu benötigen die WLAN-Boxen allerdings ein paar Daten über die Räumlichkeiten, in denen sie stehen: Wie groß sie sind, wo was liegt, wo Türen sind, wo Fenster. Das Zauberwort: Trueplay-Einmessautomatik. Ich werde aufgefordert, mit umgedrehten Smartphone langsam durch die Küche zu schreiten und das Handy gleichmäßig auf und ab zu bewegen, während ein nach außerirdischem Funksignal klingender, lauter Summton aufheult. Über das Mikrofon des Handys kann Sonos den Raum nun also «vermessen». Einzige Schwachstelle dabei: natürlich der Mensch. Erst bewege ich mich zu schnell, dann zu langsam, dann schwenke ich das Handy nicht korrekt. Es dauert ein Weilchen, bis Sonos mit mir zufrieden ist. Meine Familie amüsiert sich derweil über meinen ernsthaften Gesichtsausdruck während meiner Bemühungen. Ein Erwachsener, der den Anweisungen eines Lautsprechers folgend mit seinem umgedrehten Smartphone durch die Wohnung spaziert, sieht wohl doch etwas lächerlich aus. Ich bin froh, dass die Box nicht von mir verlangt, auf Stühle zu steigen oder über den Boden zu robben. Hey, Guido Cranz von «Verstehen Sie Spaß?»: Wäre das nicht eine gute Idee für einen Scherz mit versteckter Kamera?

Der Klang der Konservendose

Doch das Ergebnis rechtfertigt alle Mühen. Überzeugend! Für einen derart satten Sound macht man sich doch gerne für ein paar Minuten zum Affen. Der One hat gerade einmal die Ausmaße einer größeren Konservendose, doch klingt er voll, warm und angenehm. Die kompakte Power-Box rollt einen kuscheligen Klangteppich in der gesamten Küche aus. Egal in welcher Ecke man auch gerade steht, vor dem Kühlschrank, am Herd, neben dem Tisch: Bässe und Höhen hören sich immer geradezu perfekt ausgesteuert und eingepegelt an. Man kann nur das gute alte Wort «Ohrenschmaus» aus der Mottenkiste holen, um den One zu beschreiben. Sonos streichelt mein Trommelfell!

Sonos One
Sonos One

Und was man sich in der fantastischen Klangqualität nicht alles anhören kann: Sonos lässt sich mit unzähligen Streaming-Diensten verbinden, selbstredend mit Spotify, Napster, Deezer, Amazon Music oder Audible, aber auch mit zahlreichen Internetradio-Plattformen. Insgesamt gibt es mehr als 60 Auswahlmöglichkeiten. Meine persönliche Neuentdeckung für Herz und Ohr: Jazzed, ein Anbieter, der sich auf Heavy Metal spezialisiert hat – Scherz! – nein, natürlich auf Jazz. Ebenso großartig: das hauseigene Sonos Radio, eine Plattform, auf der alle möglichen ungewöhnlichen Playlists zu finden sind, von «Alternative Energy» über «German Zeitgeist» bis zu «Kids Rock». Macht beste Laune! Übrigens: Wer seine eigene iPhone-Mediathek abspielen will, braucht AirPlay 2, was im Allgemeinen aber auch kein Problem darstellen dürfte.

Okay Google, und tschüs!

Aber nicht nur Streaming-Dienste lassen sich mit Sonos synchronisieren, sondern auch die Sprachassistenten von Amazon und Google. Ich entscheide mich für letzteren und habe schon nach wenigen simplen Handgriffen mit der App verbalen Zugang zu meinem One-Speaker. «Okay Google, spiele Chilly Gonzales! Okay Google, lauter! Okay Google, noch lauter! Okay Google, jetzt wieder leiser!» schreie ich durch die Küche. Ich muss schon recht laut und sehr deutlich mit dem Speaker sprechen, damit er meinen Kommandos auch nachkommt und nicht ständig «Entschuldigung, ich habe dich nicht verstanden!» jammert. Ein Assistent, der doch etwas launisch auf mich wirkt. Es macht Spaß, den Wetterbericht abzufragen, mir Adressen oder Rezepte raussuchen oder Worte übersetzen zu lassen, aber ich finde es schnell ermüdend, immer wieder «Okay Google» oder «Hey Google» sagen zu müssen. Als mein kritischer Sohn sich dann auch noch erinnert, dass da doch mal was war mit Google und Abhören und Gespräche aufzeichnen und Spionieren und so, vergeht mit endgültig die Lust an diesem Helferlein. Ich beuge eventuellen Lauschangriffen vor und entkopple Google wieder von Sonos. Das bisschen Rumgetippe auf der Sonos-App, um die Musik einzuschalten, bekomme ich dann doch auch grad noch alleine hin. Wer es ähnlich sieht, kann einen Schnapper machen: Bei gleichem Standard besitzt der kleine Bruder des One, der One SL, kein Mikrofon, das nur für eine Spracherkennung zwingend notwendig ist, und ist dadurch gleich um einiges günstiger. Worte sparen, Kohle sparen!

Move your Move!

Moven wir zum Move: Der handliche, transportable Lautsprecher wird zum Aufladen auf einer schmalen Station abgestellt, ein ovaler schwarzer Ring, der auch dann nicht dumm auffällt, wenn die Box gerade nicht auf ihm steht. Und der Move wird nicht oft an Ort und Stelle sein, sondern durch die Zimmer unterschiedlichster Familienmitglieder wandern. Zum Glück ist die Akkulaufzeit mit rund zehn Stunden bei Bluetooth-Verbindung und rund acht Stunden im WLAN-Betrieb beachtlich und das Metallgehäuse robust genug, als dass es im Kinderzimmer auch mal ein paar Nerf-Pfeile abbekommen kann. Mit Schutzart IP56 besteht der Move zudem gegen Spritzwasser und Staub. Lichtbeständige Farbe lässt ihn selbst bei direkter Sonneneinstrahlung nicht so schnell ausbleichen. Offensichtlich ein treuer Begleiter in Feld, Wald und Flur. Und trotzdem: Mit knapp zwei Kilo ist der Move kein Leichtgewicht und wird schätzungsweise eher in der Nähe von Haus oder Wohnung bleiben. Er beschallt wohl mehr Gartenfeste als Strandpartys. Aber das wird er dann wie kein Zweiter tun: mit satten, schweren Bässen und hellen, klaren Stimmen, die sich regelrecht in den Gehörgang hinein schmeicheln. Ein Erlebnis der Extraklasse: Wenn man seine Speaker über die gesamte Wohnfläche verteilt und sie synchronisiert. Multiroom ist die Erfüllung: Plötzlich erschallen Jay-Z und Alicia Keys mit «Empire State of Mind» aus jeder Zimmerecke. «Let’s hear it for New, York, New York, New York…» Selten haben Wände schöner gewackelt. Entschuldigung, liebe Nachbarn, musste sein. So toll!

Sonos Move
Sonos Move

Beam me up, Beam!

Eine größere Eskalationsstufe verspricht nur noch der Beam, der schicke, schlanke Klangriegel mit den Maßen 6,9 x 65,1 x 10,0 Zentimeter, der jedem Fernseher auf die Soundsprünge helfen soll. Während die ein oder andere klobige Lautsprecher unvorteilhaft ins Filmbild ragt, schmiegt sich der Beam dezent ins Wohnzimmer-Ambiente. Ästheten montieren ihn direkt an die Wand. Passende Halterungen hält Sonos selbstverständlich parat – gegen Aufpreis versteht sich. Strom, HDMI-Kabel (für ältere Fernseher ohne HDMI-Anschluss liegt ein Adapter bei), der Rest regelt sich – wie immer – schnell über die Sonos-App. «Fluch der Karibik» scheint mir ein geeigneter Film für einen Testlauf zu sein. Und im nächsten Moment zucke ich auch schon auf dem Sofa zusammen, weil ich meine, mir würden die Kanonenkugeln der Piratenschiffe unmittelbar um die Ohren fliegen. Was für ein kraftvolles Getöse! Ich kann es nicht anders sagen: fett, fett, FEEETT! Der raumfüllende Klang der Beam zieht Zuschauer ins Geschehen hinein und macht ihrem Namen so alle Ehre. Jeder Actionkracher (und natürlich auch jeder andere Film) wird nicht nur besser hörbar, er wird vor allem auch besser spürbar, ein Allround-Erlebnis! Heimkino wird zum spektakulären Feuerwerk der Sinneswahrnehmungen. Hätte ich mir niemals so effektvoll und so gut vorgestellt – und das in allen Entfernungen und aus jedem Winkel. Na dann: Lass krachen, Johnny Depp!

Hier geht der Sonos Beam etwas unter, klingt aber immer noch sehr gut.
Hier geht der Sonos Beam etwas unter, klingt aber immer noch sehr gut.

Wem der Standard-Einstellungen partout nicht reichen sollten, kann sich am Equalizer der Sonos-App ausprobieren. Loudness aus, Bässe rein, ein wenig mit den Reglern spielen, bis es für das eigene Ohr passt. Sollten die Stimmen nicht klar genug rüberkommen, kann man mit der Funktion «Sprachverbesserung» mehr Schärfe und weniger Verzerrung erreichen. Ein nettes Plus: In der Einstellung «Nachtsound» werden Pegelspitzen abgeschnitten. Der Nachwuchs fällt dann nicht gleich bei jedem Pistolenschuss aus dem Bett. Für besonders anspruchsvolle Liebhaber des ausgefeilten Klangerlebnisses lässt sich die Beam-Soundbar mithilfe des Subwoofers, dem Sub, und zwei zusätzlichen Rear-Speakern, den Play:1, zu einem gewaltigen Soundsystem aufrüsten. Das Komplett-Set mit allen Komponenten kostet dann allerdings auch um die 1600 Euro. Geld, das du dir sparen kannst. Die Beam ist auch alleine ein unvergleichlicher Master of Ceremony.

Tusch! Und Schluss!

Mein Fazit: Nein, Sonos war keine Enttäuschung. Sonos war eine Offenbarung. Sowohl One, Move als auch Beam haben allesamt perfekt ihre Zwecke erfüllt. Deine Ohren werden sie lieben – und deine Augen sowieso. California Dreaming! Und damit genug. Ich muss jetzt schnell noch mal Jay-Z hören. Ganz laut! «Okay Google, dreh auf!» Ach nein, Google darf bei mir ja nicht mehr mitspielen. «Let’s hear it for New, York, New York, New York…»

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Daniel Ramm
Daniel Ramm
Autor
Ich bin seit 20 Jahren Journalist und war unter anderem Redakteur eines Wissensmagazins, Textchef eines Nachrichtenmagazins und Chefredakteur eines Jugendmagazins. Für mich können Themen und Texte gar nicht abwechslungsreich und bunt genug sein. Am liebsten jeden Tag etwas Anderes, Neues, Spannendes. Die Menschen um mich herum aber, also jene, die mit mir Tisch, Bett und Badezimmer teilen, die dürften gerne den Rest meines Lebens dieselben bleiben.

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