
Hintergrund
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von Martin Jungfer

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit 3D-Druck. Jetzt wage ich mich erstmals ans SLA-Verfahren. Wie das genau funktioniert, erkläre ich dir im ersten Teil einer Mini-Artikelserie.
Mit 3D-Druck habe ich in der Vergangenheit viele praktische Dinge geschaffen: kleine Helfer für den Haushalt, Ersatzteile für Geräte oder Spielzeug für die Kinder. Dabei nutzte ich stets das Fused Deposition Modeling (FDM). Nun möchte ich die Stereolithografie (SLA) ausprobieren – ein Verfahren, das mit Kunstharz arbeitet.
In diesem Artikel erkläre ich, was SLA ist und wie es sich von FDM unterscheidet. Es ist der Auftakt einer kleinen Serie, in der ich meine Erfahrungen mit diesem Verfahren teile.
SLA ist das älteste 3D-Druckverfahren – es wurde 1983 von Chuck Hull erfunden. Damit ist es der Ursprung der additiven Fertigung. Bis heute gilt SLA als das präziseste Verfahren für 3D-Druck, ideal für Anwendungen, bei denen es auf höchste Genauigkeit ankommt.
Das Verfahren, auch bekannt als Resin-Druck, erzeugt extrem detaillierte und glatte Modelle. Im Gegensatz zu FDM-Druckern, die Schicht für Schicht geschmolzenes Filament auftragen, arbeiten Resin-Drucker mit flüssigem Kunstharz, das durch UV-Licht ausgehärtet wird.
So läuft der Druck bei modernen SLA-Geräten ab:
Das Resin-Becken: Das flüssige Kunstharz liegt in einem transparenten Becken, das UV-Licht von unten durchlässt. Das Harz reagiert auf die Bestrahlung und härtet aus.
UV-Lichtquelle und LCD-Maskierung: Unter dem Becken befindet sich ein LCD-Bildschirm, der das UV-Licht gezielt steuert. Er projiziert das Design jeder Schicht auf das Harz und härtet es an den gewünschten Stellen aus.
Schicht für Schicht nach oben: Nach jeder ausgehärteten Schicht hebt sich die Bauplattform leicht an. Das Modell entsteht kopfüber, während neue Schichten unten angebracht werden. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis das Objekt fertig ist.
Nachbearbeitung: Nach dem Druck wird das Modell aus dem Becken gehoben, ist aber noch nicht einsatzbereit. Es ist mit unausgehärtetem Harz bedeckt, das abgewaschen werden muss – meist mit Isopropylalkohol (IPA). Anschliessend wird das Modell in einer UV-Kammer nachbelichtet, um vollständig auszuhärten und die gewünschten Eigenschaften zu erreichen.
Das Ergebnis: Modelle mit beeindruckender Detailgenauigkeit und glatten Oberflächen. Damit eignet sich der Resin-Druck perfekt für filigrane Designs, Miniaturen und Prototypen.

Als erfahrener FDM-Nutzer habe ich mich gefragt, worin die Unterschiede liegen. Beide Verfahren gehören zur additiven Fertigung, doch sie unterscheiden sich in mehreren Punkten:
Resin-Drucker liefern eine überlegene Druckqualität. Mit Schichthöhen von bis zu 0,025 mm erzeugen sie feinste Details – ideal für Miniaturen, Dentalmodelle oder Schmuck. FDM-Drucker erreichen bestenfalls 0,1 mm und hinterlassen oft raue Oberflächen.
Obwohl Resin-Drucker ganze Schichten auf einmal aushärten, sind sie nicht unbedingt schneller. Der Aushärtungsprozess und das Anheben der Bauplattform zwischen den Schichten kosten Zeit, besonders bei grösseren Modellen. Ein Vorteil: Resin-Drucker können mehrere kleine Objekte gleichzeitig drucken, ohne die Druckzeit zu verlängern. FDM-Drucker benötigen für jedes Objekt zusätzliche Zeit.
Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Bei FDM reicht es meist, das fertige Teil von der Bauplatte zu nehmen und Stützstrukturen zu entfernen. Beim Resin-Druck sind zusätzliche Schritte nötig:
Ein Resin-Druck ist teurer. Das Harz kostet mehr als Filament und zusätzliche Materialien wie IPA und Nitrilhandschuhe erhöhen die Ausgaben. Spezielle Harze, etwa für flexible oder robuste Anwendungen, sind noch kostenintensiver.
Sicherheit spielt beim Resin-Druck eine grosse Rolle. Das Harz ist giftig und kann Haut und Atemwege schädigen. Deshalb solltest du in einem gut belüfteten Raum arbeiten, Handschuhe tragen und vorsichtig mit dem Material umgehen. Zudem erfordert der Druckprozess mehr Platz und eine saubere, organisierte Arbeitsumgebung.
Die Unterschiede zwischen FDM und SLA sind erheblich – vor allem bei Druckqualität und Handling. FDM ist unkompliziert und einsteigerfreundlich, während SLA mehr Nachbearbeitung erfordert und höhere laufende Kosten generiert. Dafür bietet es eine deutlich höhere Präzision.
Besonders die Sicherheit und die Arbeitsplatzeinrichtung bereiten mir Sorgen. Gedruckt habe ich bislang in meinem kleinen Büro. Dieses ist nicht gut belüftet. Ich werde meinen SLA-Drucker also wohl oder übel woanders hinstellen müssen. Wo das sein wird und welchen Drucker ich gekauft habe, verrate ich dir im nächsten Artikel.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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