Produkttest

Luminar Neo: Himmel und Hölle gleichzeitig

David Lee
22.2.2026
Bilder: David Lee

Der RAW-Entwickler Luminar kann den Himmel auf spektakuläre Weise verändern. Bei anderen Funktionen fühlt man sich eher in der Hölle.

Mit Luminar Neo kannst du RAW-Fotos verwalten und bearbeiten. Im Gegensatz zu Adobe Lightroom bekommst du die Software als Einmalkauf. Dennoch kann ich Luminar nicht uneingeschränkt als Ersatz für Lightroom empfehlen. Es hat den Fokus auf KI-Tools, ein anderes Bedienkonzept – und auch diverse Schwächen. Zudem bin ich nicht sicher, ob Skylum, die Firma hinter Luminar, eine bessere Firmenpolitik hat als Adobe.

Preise und Varianten

Die Software existiert in drei Varianten mit unterschiedlichen Preisen. In der günstigsten Ausführung kannst du sie nur am Desktop (Mac oder Windows) verwenden, ansonsten auch mit iOS oder Android. Alle drei Varianten bieten die Möglichkeit, Luminar Neo in Lightroom Classic und Photoshop als Plug-in zu verwenden.

Mitte Februar 2026 kostet die mittlere der drei Varianten 149 Franken oder 85 Euro. Das ist laut Website ein reduzierter Preis, normalerweise wären es 465 Franken oder 405 Euro. Diese nicht reduzierten Preise sind viel zu hoch. Luminar Neo wäre damit deutlich teurer als der teuerste RAW-Entwickler: Capture One kostet momentan 299 Franken oder 369 Euro. Die Schweizer Preise sind ausserdem viel höher als die für Deutschland. Die Preisgestaltung wirkt ziemlich «freestyle».

Wie aus den FAQ hervorgeht, funktionieren bei allen drei Varianten die generativen Tools (Löschen, Austauschen und Erweitern) nach einem Jahr nicht mehr. Du musst dann erneut zahlen, damit sie weiterlaufen. Wie viel, schreibt Skylum nicht. Die Details zu den Varianten sowie die aktuellen Preise kannst du hier nachsehen.

Durchschnittliche Bildverwaltung

Der Verwaltungsteil der Software ist okay – nicht mehr, nicht weniger. Sein Funktionsumfang liegt zwischen dem von Photomator und dem von On1 Photo Raw. Für Sternbewertungen und Markierungen kannst du die gleichen Tastenkürzel verwenden wie in Lightroom. Die Bewertungen aus Lightroom übernimmt Luminar, die Markierungen nicht. Stichwörter kennt Luminar Neo nicht.

Du kannst virtuelle Kopien und Alben erstellen. Zudem fügt die Software bei Bedarf mehrere Bilder zu einer Belichtungs- oder Fokusreihe oder einem Panorama zusammen. Die Verwaltung bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Bildbestand zu filtern. Sie sind jedoch umständlich zu aktivieren und deaktivieren. So kann ich mir zum Beispiel nicht ohne weiteres alle Bilder mit 3200 ISO und höher anzeigen lassen. Dazu müsste ich bei allen 25 ISO-Einträgen ab diesem Wert per Menü den Haken setzen (und dann wieder wegnehmen).

Die Filterkriterien im Katalog sind mühsam zum Auswählen.
Die Filterkriterien im Katalog sind mühsam zum Auswählen.

Beim Import der Fotos erscheint bloss ein Öffnen-Dialog. Es gibt keine Vorschau zur Selektion, und somit auch keine Möglichkeit, Duplikate zu vermeiden. Auch der Export ist sehr rudimentär: Es lassen sich keine eigenen Vorgaben erstellen.

Die Grundfunktionen der Bearbeitung

Der Bearbeitungsteil erschlägt einen zu Beginn mit seinem üppigen Funktionsumfang. Nur schon der Werkzeuge-Bereich umfasst über 40 Einträge. Luminar Neo setzt stark auf Bearbeitung mit Künstlicher Intelligenz. Aber auch der «klassische» Bearbeitungsteil liefert fast alles, was man aus Lightroom kennt.

Es gibt eine KI-gestützte Automatik, «Verstärken» genannt. Sie bietet zwei Regler, einer für die Stärke generell und einen zweiten für den Himmel. Vor allem bei Landschaftaufnahmen lassen sich so mit nur zwei Klicks eindrückliche Verbesserungen erzielen. Je nach Aufnahme wirkt es aber schnell unnatürlich – der Himmel weist dann seltsame Halo-Effekte auf.

Die Grundfunktionen wie Belichtung, Schattenaufhellung oder Weissabgleich verstecken sich unter «Wesentliches -> Entwicklung». Sie sind vollständig und tun, was sie sollten. Mehr oder weniger. Im folgenden Beispiel funktioniert die Schattenaufhellung auf den ersten Blick sehr gut.

Doch warum hellt Luminar die beiden Pfosten nicht auf? Die bleiben einfach dunkel. Wie das richtig aussehen müsste, zeigt der Vergleich mit Lightroom.

Im Entwicklungs-Teil gibt es auch eine Objektivkorrektur, die aber nicht mit Profilen arbeitet – was ihren Nutzen deutlich schmälert. Das Transformieren-Werkzeug bietet eine Automatik, die nichts taugt, genauso wie die automatische Ausrichtung am Horizont.

Verwirrendes Bedienkonzept

Jedes Mal, wenn ich das Entwickeln-Werkzeug öffne, stehen alle Regler auf null, auch wenn ich sie bereits benutzt habe. Sie werden dann erneut angewendet – das heisst, ich kann zum Beispiel den Weissabgleich mehrfach einstellen. Warum ich das können sollte, weiss ich nicht, aber es gibt vielleicht Fälle, in denen das nützlich ist.

Falls ich die bisherigen Einstellungen ändern will, muss ich dafür in den Reiter «Änderungen» wechseln und dort das Tool finden. Wenn ich es bereits mehrfach angewendet habe, muss ich den richtigen Eintrag in der History finden. Und ausklappen. Die Werkzeuge Entwickeln und Entrauschen – in der schlechten deutschen Übersetzung «Rauschfreies» genannt – sind in den Änderungen immer schon drin, auch wenn es noch keine Änderungen gab. Aber nur bei RAW-Files, nicht bei JPEG.

Die Werkzeuge erscheinen in den Änderungen, auch mehrfach. Anpassungen müssen hier erfolgen. In den Werkzeugen steht immer alles auf Null.
Die Werkzeuge erscheinen in den Änderungen, auch mehrfach. Anpassungen müssen hier erfolgen. In den Werkzeugen steht immer alles auf Null.

Ich finde dieses Bedienkonzept verwirrend, umständlich und unnötig. Zumal ich die Änderungen nicht einzeln ein- und ausschalten, sondern nur durch Gedrückthalten der Maustaste vorübergehend ausblenden kann. Es ist auch nicht möglich, sie wie Einstellungsebenen zu behandeln, also Transparenz, Überblendeffekte oder auch nur die Reihenfolge zu ändern.

Wie erwähnt, kann ich das Entwickeln-Modul mehrfach anwenden – aber ich kann es nicht ohne weiteres nur auf Teile des Bildes anwenden. Ich muss dafür die vorhandene Ebene duplizieren, dann einen Teil pro Ebene auswählen, bearbeiten und am Schluss die Ebenen zusammenfügen. Änderungen an der Ebene sind im Änderungen-Reiter nicht sichtbar und können nicht mehr ohne weiteres rückgängig gemacht werden. Zudem hat jede Ebene ihr eigenes Änderungsprotokoll. Alles viel zu kompliziert.

Das Killerfeature: Himmel ersetzen

Das unbestrittene Highlight in Luminar Neo ist die Himmel-Ersetzen-Funktion. Sie liefert spektakuläre Ergebnisse. Damit sticht die Software auch Branchenführer Lightroom aus – dort fehlt eine solche Funktion.

Hier ein Beispiel: Links das Originalbild, rechts mit ausgetauschtem Himmel. Beeindruckend ist vor allem, wie sich der Himmel im Wasser spiegelt und sich das Licht verändert – gut zu sehen an den Häuserwänden. Die Stärke der Neubelichtung lässt sich frei wählen.

Weniger beeindruckt bin ich von der Himmelerkennung. Lightroom macht das viel besser, und auch On1 Photo RAW hat in meinem Standard-Testbild besser abgeschnitten. Die vielen Drähte, die sich durch den Himmel ziehen, verwirren den Algorithmus von Luminar. Weil das Umgebungslicht angepasst wird, fällt es in der Regel nicht besonders auf, wenn die Software den Himmel nicht ganz richtig erkennt. Ich habe ihn hier absichtlich absurd bearbeitet, damit du die nicht erkannten Stellen gut siehst.

Die Automatik erkennt den Himmel oft nicht vollständig.
Die Automatik erkennt den Himmel oft nicht vollständig.

Mit der Himmel-Funktion lässt sich der Himmel nur ersetzen, nicht bearbeiten. Über Umwege klappt es trotzdem. Viele Tools bieten eine Maskierungsfunktion, in der ich mit einer Farbauswahl oder automatischen Objekterkennung den Himmel relativ schnell auswählen kann. Aber hier zeigt sich eben, dass die Objekterkennung nicht sehr gut ist.

Maskierungen werden immer innerhalb dieser Werkzeuge gemacht. Willst du einen Teil des Bildes wie eben den Himmel mit verschiedenen Tools bearbeiten, musst du die Maske jedes Mal neu erstellen.

Aktuell gibt es 35 Himmel zur Auswahl, davon vier Sternenhimmel. Natürlich willst du nicht, dass auf jedem Foto die exakt gleichen Wolken zu sehen sind. Du kannst Pakete dazukaufen – es gibt eine grosse Auswahl. Das geht aber auch schnell ins Geld. Alternativ kannst du eigene Fotos als Himmel verwenden. Diese dürfen nur aus Himmel bestehen. Luminar verwendet einfach das ganze Bild, es extrahiert nicht den Himmel aus einem gewöhnlichen Landschaftsfoto.

Weitere Beleuchtungs-Tools

Neben der Himmel-Ersetzen-Funktion bietet Luminar weitere Möglichkeiten, das Licht des gesamten Fotos anzupassen. Der Dämmerungsoptimierer taucht die Szene in ein frei konfigurierbares Abendlicht. Zusammen mit dem Regler «goldene Stunde» aus dem Landschafts-Tool kreiere ich zum Beispiel folgende Veränderung:

Lichttiefe ermöglicht, nachträglich einen bestimmten horizontalen Bereich aufzuhellen oder abzudunkeln, Studiobeleuchtung fügt künstliches Licht hinzu. Für beides habe ich auf die schnelle keine sinnvolle Anwendung gefunden.

Viel KI, aber nicht viel brauchbar

Einige der KI-Funktionen sind gar nicht mal so gut. Das gilt zum Beispiel für «Superschärfen». Diese Funktion verunstaltet die Fotos. Sie verändert Bildteile geometrisch oder hinterlässt an einer Wand einen Flickenteppich von geschärften und ungeschärften Stellen.

Ich wollte das Bild nachschärfen, nicht verunstalten.
Ich wollte das Bild nachschärfen, nicht verunstalten.

Auch das Hochskalieren per KI klappt nicht wie gewünscht. Bildrauschen wird mitskaliert, aber nicht regelmässig, sodass es auch hier wieder zu einem Flickenteppich von völlig verschieden aussehenden Bildteilen kommt. Auch unterbrochene Linien treten auf. Für das schlechte Ergebnis braucht die Software lange und muss es als neue Datei abspeichern.

Die KI-Funktion zum Entrauschen stufe ich als mittelmässig ein. Sie ist immerhin besser als die traditionelle Methode – dort passiert praktisch nichts.

Generatives Löschen – also eine der drei Funktionen, die nach einem Jahr gesperrt sind – funktioniert mal besser, mal schlechter. Theoretisch kann ich damit störende Gegenstände zum Verschwinden bringen, etwa ein hässliches Pack Taschentücher in diesem ansonsten hübschen Schlafbereich. Das hat gar nicht funktioniert, die KI versuchte irgendwie die Fernbedienung zu erweitern und erfand inexistente Kabel dazu. Lasse ich jedoch auch den Kram rundherum löschen, funktioniert es einigermassen. Bei genauem Hinsehen merkt man aber, dass da etwas manipuliert wurde.

Fazit

Kein Lightroom-Ersatz, aber für gewisse Zwecke interessant

gute Ergebnisse. Das gilt sowohl für die KI-gestützten Tools als auch für die traditionellen Werkzeuge. Das automatische Ausrichten funktioniert schlecht, die Objektivkorrektur arbeitet nicht mit Profilen, das KI-basierte Schärfen und Hochskalieren enttäuscht.

Mit der Himmel-Ersetzen-Funktion hat Luminar Neo ein beeindruckendes Alleinstellungsmerkmal. Weil sich der Himmel damit nur ersetzen, nicht aber optimieren lässt, handelt es sich eher um Bildmanipulation als um RAW-Entwicklung. Auch andere Tools wie das Hinzufügen von Lichtstrahlen oder Verändern der Beleuchtung gehen in diese Richtung. Luminar hat einen anderen Schwerpunkt als klassische RAW-Entwickler wie Adobe Lightroom. Es scheint mir eher eine Ergänzung als ein Ersatz dafür zu sein.

Bei der Bedienung wirkt Luminar Neo auf den ersten Blick einfach. Mit der KI-Automatik lassen sich viele Bilder schnell und effektiv verbessern. Bei komplexen Bearbeitungen offenbart das Bedienkonzept jedoch Schwächen. Etwa, dass Einstellungen nur in einem separaten Bereich namens «Änderungen» geändert werden können, eine Maske nicht mit mehreren Tools bearbeitet werden kann und sich die angewendeten Tools nicht aktivieren oder deaktivieren lassen. Auch das Filtern in der Bildverwaltung ist ziemlich dumm gelöst.

Wer von Adobe wegen der Preispolitik des Konzerns weg will, sollte sich gut überlegen, ob Luminar Neo die Lösung ist. Es gibt die Software zwar als Einmalkauf, jedoch werden ein paar Funktionen nach einem Jahr einfach deaktiviert – ohne Angabe, wie viel ihre Weiterführung kostet. Zudem sind die Originalpreise ohne Preisnachlass völlig überrissen.

Pro

  • umfangreiche Bearbeitungsfunktionen
  • beeindruckende Himmel-Ersetzen-Funktion
  • einfache und effektive KI-Automatik
  • als Einmalkauf erhältlich

Contra

  • umständliche Filterung der Bilder
  • keine Import-Vorschau und keine Export-Presets
  • gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept
  • manche Funktionen liefern keine guten Ergebnisse

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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