Lightroom: Auswege aus dem Abo-Zwang

Lightroom: Auswege aus dem Abo-Zwang

David Lee
Zürich, am 26.10.2017
Adobe Photoshop Lightroom 6 ist die letzte Version, die du noch als konventionelles Software-Paket kaufen kannst. Danach kommt auch für den RAW-Konverter der Abo-Zwang. Falls du das nicht willst, hier ein Überblick über die möglichen Auswege.

Du hast es vielleicht mitbekommen: Adobe verabschiedet sich nun auch bei Lightroom vom klassischen Software-Modell und schaltet komplett auf Abos um. Es gibt neu die Software «Lightroom CC», bei der die Bilder in der Cloud abgespeichert werden. Sie erfordert ein Creative-Cloud-Abo bei Adobe. Daneben existiert etwas, das sich «Lightroom Classic CC» nennt, aber nicht die Fortsetzung des bisherigen Lightrooms ist. Hier bleiben zwar die Bilder lokal gespeichert, doch im Unterschied zu Lightroom 6 erfordert auch dieses Produkt eine Mitgliedschaft in der Creative Cloud. Somit wird es schon bald kein Lightroom mehr geben, das als gewöhnliche Software verkauft wird statt im Abo-Modell.

Das gefällt natürlich nicht allen. Die Zwangsumsiedlung in die Cloud verärgert einen Teil der Adobe-User schon seit vielen Jahren, aber Adobe kann sich das offenbar leisten und ist offensichtlich gewillt, das durchzuziehen. Falls du Lightroom-User bist, aber kein Abo lösen willst, stellt sich die Frage: Welche Auswege gibt es?

Möglichkeit 1: Jetzt Lightroom 6 kaufen und später den DNG-Konverter benützen

Noch gibt es ein aktuelles Lightroom als Box-Version. Noch werden auch Updates geliefert, mit denen RAW-Dateien von ganz neuen Kameras eingelesen werden können. Wie lange das der Fall sein wird, wissen wir nicht. Man muss aber davon ausgehen, dass dies nicht jahrelang sein wird, denn Adobe hat offensichtlich kein Interesse, das Box-Modell weiterzuführen.

Grafikprogramm (Download)
Lightroom 6 (1x, Windows, Mac OS X, DE)
Adobe Lightroom 6 (1x, Windows, Mac OS X, DE)

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Sobald es keine Updates mehr gibt, kann man die Rohdaten von neuen Kameras nicht mehr direkt einlesen. Über einen kleinen Umweg bleibt Lightroom aber dennoch brauchbar. Mit dem Gratis-Tool Adobe DNG-Konverter lassen sich RAW-Dateien per Batch ins DNG-Format umwandeln. Das DNG-Format enthält genauso viele Farbinformationen wie die RAW-Datei, ist dieser also weitgehend ebenbürtig. Adobe hält den DNG-Konverter aktuell, und jedes Lightroom versteht DNG.

Nachteile: Der Workflow wird etwas komplizierter, und es bleibt das Problem, dass allfällige Sicherheitslücken in Lightroom irgendwann nicht mehr behoben werden..

Vorsicht: User berichten, dass man aufpassen muss, beim Update von Lightroom 6.12 nicht versehentlich aufs neue Lightroom Classic CC zu wechseln. Ich konnte das jedoch nicht selbst ausprobieren, da ich nicht diese Version von Lightroom habe.

Möglichkeit 2: Photoshop Elements

Für Profis und Hobbyfotografen mit riesigen Bildbeständen kommt Photoshop Elements wohl kaum in Frage. Aber für alle anderen kann es eine Alternative sein. Denn diese Software gibt es immer noch als Box-Version für wenig Geld. Einzelne RAW-Fotos kann man auch in Photoshop Elements öffnen und bearbeiten.

Auch hierfür lässt sich der Trick mit dem DNG-Konverter (siehe Möglichkeit 1) anwenden, falls du eine neue Kamera, aber kein neues Elements hast.

Nachteile: Die RAW-Bearbeitung findet in einem separaten Dialogfenster vor dem eigentlichen Öffnen des Bilds statt, was insbesondere bei grossen Bildbeständen umständlich ist. Ausserdem bietet dieser RAW-Dialog nicht alle Funktionen Lightrooms.

Ausweg 3: Anderer RAW-Konverter

Glücklicherweise hat Adobe kein Monopol auf RAW-Bearbeitungssoftware. Im Gegenteil, es gibt mittlerweile so viele Alternativprodukte, dass es gar nicht leicht ist, sich für eines zu entscheiden. Ein Vergleichstest dieser Produkte würde den Rahmen dieses Beitrags bei weitem sprengen. Ich liste darum hier einfach mal ein paar auf.

Nachteile: Jede Software ist anders, erfordert Umgewöhnung und eventuell eine Neuorganisation der Bildverwaltung. Es ist nicht sicher, ob du einen RAW-Konverter findest, der deine Arbeit mit Lightroom eins zu eins ersetzen kann.

ACDSee Photo Studio

ACDSee begann als Bildverwaltungssoftware, verfügt aber auch über eine recht umfangreiche Bildbearbeitung. Das neue ACDSee Photo Studio 2018 ist ab 17. November in drei Versionen erhältlich: Standard, Professional und Ultimate. Nur Professional und Ultimate beherrschen RAW-Bildbearbeitung.

ACDSee Photo Studio Professional 2018 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE, FR, EN)
ACDSee Photo Studio Professional 2018 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE, FR, EN)
ACDSee Photo Studio Ultimate 2018 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE, FR, EN)
ACDSee Photo Studio Ultimate 2018 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE, FR, EN)

Corel Aftershot Pro 3

Mit Aftershot Pro kriegst du einen günstigen RAW-Konverter ohne Abo-Zwang. Laut Corel punktet die Software vor allem in der Geschwindigkeit.

Grafikprogramm (Download)
AfterShot Pro 3 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE)
Corel AfterShot Pro 3 (Unbegrenzt, 1x, Windows, DE)

Per Mausklick können Sie Ihre Fotos von AfterShot aus an Photoshop senden.

Cyberlink PhotoDirector 9 Ultra

Von Cyberlink kennt man vor allem die Software PowerDVD. Mit PhotoDirector bieten die Taiwanesen aber auch einen RAW-Konverter an, den sie ständig weiterentwickeln. Er ist auch für den Mac verfügbar.

Grafikprogramm
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PhotoDirector 9 Ultra (Unbegrenzt, 1x, Windows, Mac OS X, DE, FR, EN)
CyberLink PhotoDirector 9 Ultra (Unbegrenzt, 1x, Windows, Mac OS X, DE, FR, EN)

Affinity Photo

Sehr günstig (48.–), aber angeblich trotzdem professionell ist Affinity Photo von Serif. Es gibt die Software für Mac, Windows und iOS (20.–). Zur Produktseite

DxO Optics Pro

Die Spezialität von DxO sind umfangreiche Profile von Kameras und Objektiven, mit denen die Bildkorrekturen weitgehend automatisch gemacht werden können. Die Essentials-Version ist in den meisten Fällen ausreichend und kostet momentan 129 Euro. Zur Produktseite

Capture One Pro

Capture One Pro gibt es sowohl als Abo-Version als auch als Box-Version. Dieser RAW-Konverter richtet sich klar an Profis und ist relativ teuer (279 Euro ohne Mehrwertsteuer). Zur Produktseite

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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