Klimakiller Kartonschachtel? Wer rechnen kann, ist im Vorteil

Tobias Billeter
Zürich, am 16.11.2020

Überdimensionierte Kartonverpackungen und zu viel Stopfmaterial – darüber ärgern sich Kundinnen und Kunden. Zwar spielt die oft gescholtene Kartonschachtel klimatechnisch bestenfalls eine Nebenrolle. Dennoch haben wir uns ein klares Reduktionsziel gesetzt: Bis 2030 senken wir die verpackungsbedingten CO2-Emissionen pro Versand um weitere 1.2% pro Jahr.

Wer online eingekauft, ist reich – reich an Karton. Seit dem Lockdown haben die Onlineeinkäufe mächtig zugenommen. In vielen Haushalten sorgt die Wellpappe für akuten Platzmangel: In der Garage, im Keller oder auf dem Balkon türmen sich gewaltige Kartonberge. Beim täglichen Anblick des Piz Cartùn wünscht sich so mancher Onlineshopper nichts sehnlicher als die nächste Kartonsammlung.


Mein Piz Cartùn vor dem Mini-Lockdown
Mein Piz Cartùn vor dem Mini-Lockdown

Wellpappe ist der unbestrittene Verpackungsstar der Onlinehändler: Sie entsteht aus nachwachsenden Rohstoffen, ist leicht, formbar, robust und wiederverwertbar. Zerbrechliche Produkte schützt die rezyklierte Zellulose zuverlässig. Mehrfachbestellungen lassen sich in einem Karton bündeln und kostengünstig ausliefern – bei uns zu 95% in Recycling-Karton. Schlechte Stilnoten bekommt die Kartonschachtel dagegen von der Community. Stellvertretend kommentierten unlängst Copypasteroli: „Ich kriege immer Riesenpakete für kleinste Produkte. Und oft ist alles einzeln verpackt. Also bei Verpackungen könntet ihr sicher mindestens die Hälfte an Masse sparen.“ Und Braincandy: "Hatte bei 2/3 meiner letzten Bestellungen mehr Folie als Inhalt.”

Doppelt verpackt hält nicht besser

Die Kritik ist durchaus nachvollziehbar. Denn beim Auspacken der Bestellung stellt sich häufig die Frage, warum es überhaupt eine zweite Verpackung und meterlange Plastikschlangen braucht. Denn ob Küchenmaschine, Fiebermesser oder Kopfhörer – beinahe alle Produkte sind bereits vom Hersteller so in Pappe gepackt, dass sie selbst einen Sturz vom Laster unbeschadet überstehen. Auch wir sehen bei der Verpackung reichlich Verbesserungspotenzial. Deshalb haben wir das Verpackungsthema zur Chefsache erkoren. Im Fokus stehen die Reduktion von Verpackungs- und Füllmaterial sowie neue Logistikkonzepte, die ohne zusätzliche Verpackung auskommen.

Im 2020 200 Tonnen Karton einsparen

Mit der Inbetriebnahme der ersten vollautomatischen Verpackungsmaschinen im November 2018 haben wir in Sachen Verpackung ein neues Kapitel aufgeschlagen. Trotz Corona-Umsatzboost verpacken wir heute gegen 70% aller Bestellungen massgeschneidert und frei von Stopfmaterial. Im April haben wir ferner die Kartonage optimiert und das Gewicht pro Quadratmeter um 60 Gramm reduziert. Gegenüber 2019 ergibt dies eine Einsparung von 14% oder 200 Tonnen Karton. Das entspricht dem Gewicht eines Jumbo-Jets oder 150 Mittelklassewagen. Und so soll es weitergehen. Für die übriggebliebenen 30% Grosskartons, die heute noch von Hand verpackt und mit Stopfmaterial gepolstert werden, suchen unsere Logistikprofis nach klimafreundlichen Alternativen. Unser Ziel ist klar: Bis 2030 wollen wir die verpackungsbedingten CO2-Emissionen pro Versand jährlich um 1.2% senken.

Mehrfachverpackung braucht Zeit

Kickbag heisst eines von vielen Mehrwegkonzepten, die derzeit in der Branche diskutiert werden. Die Post etwa pilotiert den aus PET rezyklierten «Kickbag» derzeit im Schweizer Markt. Allerdings eignet sich das Konzept eher für Bekleidung als für Vasen oder Laptops. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob sich die Mehrfachverpackung kurzfristig überhaupt als Alternative im Onlinehandel durchsetzen kann. Denn die heutigen Logistikzentren sind voll auf Karton ausgelegt. Dies zu ändern braucht viel Zeit und Geld. Kundinnen und Kunden, die der Verpackungsschlacht den Kampf angesagt haben, können heute schon aktiv werden. Im Raum Zürich testen wir seit Ende Januar die Blitzlieferung. Die Bestellung wird ohne Zweitverpackung CO2-neutral bis zur Haustüre geliefert – eine verpackungsfreie Lieferoption mit viel Potenzial. An Verpackungsmaterial sparen auch jene 30% unserer Kundschaft, die ihre Bestellungen eigenhändig im Shop abholen.

1 Bohrmaschine = ein Leben lang Karton

Als Unternehmen haben wir diverse Initiativen lanciert, um Verpackung und Stopfmaterial einzusparen. Und diese Bemühungen werden wir die nächsten Jahre weiter intensivieren. Wer indes rechnen kann, stellt schnell fest, dass das CO2-Einsparpotenzial bei der Verpackung im Gesamtkontext eher bescheiden ausfällt. Dazu eine kurze Modellrechnung: Die Herstellung einer durchschnittlichen Digitec-Galaxus-Kartonschachtel emittiert zwischen 200 und 300 Gramm CO2. Die darin verpackte Küchen- oder Bohrmaschine dagegen verursacht mindestens ein Hundertfaches davon. Wer seinen CO2-Fussabdruck nachhaltig senken möchte, der leiht sich die Schlagbohrmaschine besser kurz bei der Nachbarin aus. Das eingesparte CO2-Äquivalent wäre in diesem Fall 549`190 Gramm CO2 oder umgerechnet 1817 Kartonpäckli aus Wohlen. Das reicht, was den Karton angeht, fast für ein Leben lang Onlineshopping.

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Tobias Billeter
Head of Corporate Communications
tobias.billeter@digitecgalaxus.ch

Mitarbeitende und Medien auf dem Laufenden zu halten, das ist mein Job. Ohne reichlich frische Luft geht bei mir allerdings nix! In der Natur hole ich mir den langen Atem, um stets dran zu bleiben. Und beim Jazz die Ruhe, um meine Teenager zu bändigen.


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