Kennst du noch? «Hexen»
ProduktvorstellungGaming

Kennst du noch? «Hexen»

Philipp Rüegg
Zürich, am 29.05.2018
Doppelköpfige Monster, dämonische Stimmen, Fantasy-Gemetzel aus der Egoperspektive: Das ist «Hexen» aus dem Jahr 1995, das den Auftakt für unsere neue Serie «Kennst du noch?» macht. Darin nehmen wir euch auf Nostalgie-Trips in unsere Game-Vergangenheit mit. Beginnen wir mit einem meiner vergangenen Lieblingsspiele.

«Greetings mortal are you ready to die?» Ja, von Augenkrebs. Wenn ich heute den Level Spiele, in dem man von einer unheilvollen Stimme begrüsst wird, fällt mir als erstes auf wie schlecht «Hexen» gealtert ist. Aber das ist ja auch zu verzeihen, schliesslich erschien das Spiel 1995 für MS-DOS (später auch für Windows 95 und sogar für den Nintendo 64). Unser damaliger Computer, ein 486er SX33 (für das DX-Modell hat es nicht gereicht), hatte aber garantiert auch daran schon zu beissen.

«Hexen» erschien in den 3D-Shooter-Boomerjahren, die «Doom» und «Doom II» auslösten. Die Doom-Engine, auf der das Spiel basiert, ist unverkennbar. Entwickelt hatt es Raven Soft und produziert wurde es von keinem anderen als ID Softwares John Romero. «Hexen» tauscht das Sci-Fi-Setting von «Doom» gegen Fantasy, behält aber das Dämonische bei. Anfangs wählst du zwischen dem Kleriker, Krieger und Magier aus, die alle drei unterschiedliche Waffen und Laufgeschwindigkeiten haben. Für mich damals ein absolutes Novum. Gleich DREI spielbare Klassen. Ich fand in der Zeit die Mischung aus Kämpfer und Zauberer äusserst spannend, weshalb ich auch in «Hexen» zum Kleriker griff, der anfangs einen Morgenstern als Waffe führt. Nur damit bewaffnet musste ich mich den unzähligen, furchterregenden Schergen stellen und ihnen blutig das Leben aushauchen. Der Midi-Sound lässt mich selbst heute noch glücklich schaudern und sorgt für eine gruslig schöne Stimmung. Nur schon die Effekte für das Aufsammeln von Tränken oder wenn du mit der Axt des Kriegers nervige Gargoyles vom Himmel prügelst, sind einfach der Hammer.

Ein herrliche schönes Mus gibt's aus den Monstern.
Ein herrliche schönes Mus gibt's aus den Monstern.

Ein frischer Twist für die «Doom»-Formel

Das Spielprinzip ist rückblickend recht simpel. Wie in «Doom» suchst du primär Schalter und Hebel, die verschlossene Türen und Geheimgänge freigeben. Rätsel gab es allerdings auch. Am Ende der fallengespickten Level spawnen meist ein Haufen Gegner. Die höllischen Kreaturen sorgen dafür, dass du dich nie richtig entspannen kannst. Zu den Highlights gehörten ganz klar die neuen Waffen. Jeder Charakter kann drei zusätzliche Waffen finden. Beim Kleriker sind es ein Zauberstab mit einem Schlangenauge, der zwei grüne Projektile abfeuert, ein Handschuh, der einen Feuersturm auslöst und zu guter Letzt der alles vernichtende Wraithverge – ebenfalls ein Zauberstab, der das Monstermordende-Equivalent zur BFG ist. Nach stundenlangem prügeln mit dem Streitkolben, durchströmten mich die Glückshormone geradezu als ich endlich ein neues Todeswerkzeug in der Hand hielt.

Aber auch die Waffen des Magiers oder des Kriegers haben es in sich. Der mächtige Hammer oder die Blitzzauber machen kurzen Prozess aus den Gegnern. Das Leveldesign ist wie so oft in diesen Spielen etwas verwirrend, weshalb ich nicht selten stundenlang nach dem erlösenden Portal suchte. Spass gemacht hat es mir und meinem Bruder trotzdem etliche Stunden. Der eingangs erwähnte Satz war übrigens das Einzige, was ich vom Spiel verstanden habe. Mit einem kleinen gelben Langenscheidts-Wörterbuch haben wir den Satz ins Deutsche übersetzt. Für die Textblöcke zwischen den Levels war es uns aber zu mühsam. «Heretic», das eigentlich der Vorgänger war, spielte ich erst später. Vielleicht erzähle ich euch ein andermal davon.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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