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Keine werbefreien KI-Chats mehr: ChatGPT zeigt in den USA jetzt Werbung an

Debora Pape
10.2.2026

OpenAI beendet die Ära der werbefreien KI-Gespräche und beginnt in den USA mit der Ausspielung von Anzeigen direkt in ChatGPT. Betroffen sind neben Gratis-Nutzern auch Abonnenten des neuen Einsteiger-Tarifs ChatGPT Go.

OpenAI macht ernst: ChatGPT-User in den USA bekommen ab jetzt Werbung zu sehen. Das Unternehmen hatte die Maßnahme für seinen Chatbot bereits Mitte Januar angekündigt. In einem neuen Blogpost sind jetzt die Details zu lesen. Zunächst startet OpenAI eine Testphase, in der ausgewertet wird, wie Anzeigen ausgeliefert werden sollen. Ziemlich sicher werden auch Nutzende in Europa früher oder später mit Werbung konfrontiert werden, sofern datenschutzrechtlich nichts dagegen spricht.

Werbeanzeigen werden unterhalb der Chatbot-Antwort eingeblendet und sind mit dem Hinweis «Sponsored» gekennzeichnet. Nicht alle User bekommen Werbung zu sehen: Es ist möglich, sich durch ein teures Abo freizukaufen. Wer das nicht tun möchte, kann auch eine werbefreie Variante von ChatGPT mit eingeschränkter Zahl von Anfragen in Kauf nehmen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von weiteren Möglichkeiten, Werbung zu umgehen. Dazu weiter unten mehr.

Werbeanzeigen können als Karussell unterhalb der Antworten von ChatGPT angezeigt werden.
Werbeanzeigen können als Karussell unterhalb der Antworten von ChatGPT angezeigt werden.
Quelle: OpenAI

ChatGPT ist mit 700 Millionen wöchentlichen Nutzenden weltweit der beliebteste Chatbot. Für OpenAI ergibt es Sinn, die breite Nutzerbasis zu monetarisieren. Die Einführung von Werbung begründet OpenAI mit den hohen Kosten für die Bereitstellung der Infrastruktur. Dabei hatte Sam Altman, Geschäftsführer von OpenAI, Werbeanzeigen lange Zeit abgelehnt und nur als letztes Mittel in Betracht gezogen. Das lässt tief blicken.

Wer bekommt die Anzeigen zu sehen?

Nicht nur Nutzerinnen und Nutzer der kostenlosen ChatGPT-Version sehen die Werbeanzeigen, sondern auch diejenigen, die monatlich acht US-Dollar für das günstigste Premium-Abo des Dienstes, ChatGPT Go, bezahlen. Go wurde erst im Januar 2026 eingeführt. Die deutlich teureren Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise bleiben werbefrei. Dafür sind allerdings mindestens 20 US-Dollar pro Monat fällig. Zu der Anzahl der Zugriffe bei der eingeschränkt nutzbaren werbefreien Variante hat OpenAI bislang keine Angaben gemacht.

Personen unter 18 Jahren werden generell keine Werbung zu sehen bekommen. Ein interessanter Satz auf der ChatGPT-Hilfeseite könnte in diesem Kontext ein Schlupfloch für die werbefreie Nutzung bieten: «Werbung wird nicht bei eingeloggten Nutzern erscheinen, die uns sagen – oder von denen wir annehmen –, dass sie unter 18 Jahre alt sind».

Da ChatGPT das Alter bei nicht eingeloggten Nutzenden nicht verifizieren kann, erscheinen dort keine Anzeigen. Werbefrei bleiben außerdem temporäre Chats, generierte Bilder und Chats im OpenAI-eigenen Browser «ChatGPT Atlas».

Inhalt der Anzeigen und Datenschutz

OpenAI verspricht, dass Werbung die Antworten nicht beeinflusst. Die Anzeigen sollen nach thematischer Relevanz ausgewählt werden. Vergangene Chatverläufe sowie die bisherige Interaktion mit Anzeigen können dazu ebenfalls herangezogen werden. Anzeigen lassen sich beispielsweise ausblenden. Dann könnten weniger ähnliche Werbungen erscheinen.

Die Ausspielung von Anzeigen lässt sich laut OpenAI auch durch Einstellungsmöglichkeiten steuern: Der gesamte Anzeigenverlauf und die gesammelten Interessensdaten lassen sich löschen. Die Anzeige von personalisierten Werbungen sowie die Einbeziehung des Chatverlaufs ist zudem vollständig deaktivierbar.

Die Anzeigenanbieter sollen keine personenbezogenen Daten oder Chatauszüge erhalten. Laut OpenAI bekommen sie nur Reportings über Impressionen und User-Klicks.

«Produkte und Dienstleistungen, die ihr lieben werdet»

Kaum ein Nutzer oder eine Nutzerin macht bei Werbeanzeigen Freudensprünge. Ganz besonders nicht, wenn User bezüglich des Unabhängigkeitsversprechens der Chatbot-Antworten misstrauisch bleiben. Um die neue Maßnahme schmackhafter zu machen, spricht OpenAI von einem «langfristigen Mehrwert» für die Nutzenden.

Das Unternehmen bezieht sich darauf, dass ChatGPT oft für Recherchezwecke genutzt werde. Werbeanzeigen von dazu passenden Produkten und Dienstleistungen, «die sie lieben werden», stellt OpenAI als hilfreich dar. Die gesprächsbasierte Oberfläche – also das Gespräch mit dem Chatbot inklusive Verfeinerung der Anfragen – könne zudem Anzeigen ermöglichen, die «natürlich zu dem passen, was die Nutzenden gerade erreichen möchten.»

Passend dazu platzierte Anthropic, das KI-Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, im Rahmen des extrem populären Super Bowls in den USA als Seitenhieb vier kurze ironische Videos. Anthropic möchte damit unterstreichen, dass Claude werbefrei bleibt – und zeigen, wie «natürlich» sich Werbung in Chatbot-Gesprächen anfühlen könnte. Nämlich gar nicht.

Anthropic wurde übrigens von ehemaligen OpenAI-Angestellten gegründet. Diese hatten OpenAI 2019 verlassen, als das Unternehmen seinen glaubhaften Non-Profit-Ansprüchen den Rücken kehrte und einen Kooperationsvertrag mit Microsoft einging.

Titelbild: Shutterstock/Daniel Chetroni

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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