Meinung

Keine neuen Grafikkarten bis 2028? Das ist gut so

Kevin Hofer
8.6.2026
Bilder: Kevin Hofer

AMD plant laut Herstellerpartnern, RDNA-5-Karten frühestens Ende 2027 auf den Markt zu bringen, realistischer ist 2028. Nvidia verfolgt mit der Rubin-Architektur einen ähnlichen Zeitplan. Klingt nach Hiobsbotschaft, dabei bringt es fast nur Vorteile mit sich.

Gerade erst hat Tom's Hardware berichtet, was AIB-Partner an der Computex 2026 hinter vorgehaltener Hand erzählen: Neue AMD-Grafikkarten sind frühestens in der zweiten Hälfte 2027 zu erwarten – manche Hersteller tippen sogar auf Anfang 2028. Bei Nvidia sieht es mit der Rubin-Architektur für Consumer-Karten nicht anders aus. Der Super-Refresh der aktuellen Generation fällt vielleicht ganz weg – auch wenn das noch nicht in Stein gemeisselt ist. Was mich früher aufgeregt hätte, sorgt heute nur noch für ein Schulterzucken.

Software ersetzt Hardware-Upgrades

Wann habe ich zuletzt gespürt, dass meine Grafikkarte schneller wurde? Nicht nach einem Neukauf, sondern nach einem Treiber-Update. Technologien wie KI-gestützte Frame Generation, Ray Reconstruction und neuronales Upscaling liefern echte Leistungsgewinne – auf bestehender Hardware.

Ein Beispiel: DLSS 4.0, das Anfang 2025 erschien, hat Upscaling auf ein Niveau gehoben, das kaum noch von nativem Rendering zu unterscheiden ist. Mit DLSS 4.5 ist selbst der Performance-Modus so gut, dass native 4K-Auflösung praktisch überflüssig wird. AMDs FSR 4.1 zieht nach: weniger Schlieren, bessere Details. Upscaling ist keine Notlösung mehr, sondern eine echte Alternative.

Dank Frame-Generation laufen Spiele flüssiger.
Dank Frame-Generation laufen Spiele flüssiger.

Noch beeindruckender ist die Entwicklung bei Frame Generation. Was früher als Krücke für schwache Hardware galt, liefert heute Framerates, die reine Hardware nicht erreichen könnte. Die RTX-50-Serie brachte 4x Multi Frame Generation, DLSS 4.5 steigerte das auf bis zu 6x. Für kompetitives Gaming mag das ungeeignet sein, aber in Single-Player-Titeln ist es ein Gamechanger.

Der grösste Leistungssprung der letzten Jahre kam nicht aus der Fabrik, sondern aus dem Software-Labor. AMD und Nvidia rollen diese Technologien sogar für ältere GPUs aus. Das zeigt: Die Zukunft liegt in der Software.

Aktuelle Hardware ist mehr als ausreichend

Was kann deine aktuelle Karte nicht, was du wirklich brauchst? Mit einer RTX 5070 oder RX 9070 XT laufen alle neuen Spiele problemlos. Selbst ältere Karten liefern genug Leistung – vielleicht mit etwas geringerer Framerate. Seit der RTX-40- und RDNA-3-Generation bewegen sich GPUs auf einem Niveau, das neue Modelle kaum spürbar übertreffen. Im Spiel siehst du dieselben Texturen.

Meine RX 7900 XTX von 2022 reicht auch heute noch problemlos.
Meine RX 7900 XTX von 2022 reicht auch heute noch problemlos.

Und: Die Release-Zyklen bei den Konsolen drohen aufgrund des KI-Booms und der damit einhergehenden Speicher-Krise länger zu werden. Was auf den ersten Blick nichts mit Grafikkarten zu tun hat, wirkt sich auch darauf aus. Denn Spiele erscheinen sowohl für PC als auch Konsole. Letztere bremsen den Fortschritt bei der Grafikpracht. Wenn länger für dieselbe Hardware programmiert wird, verlangsamen sich optische Fortschritte. Auch werden ältere Konsolen-Generationen länger mit Spielen versorgt, weil Playstation und Co. teurer werden und nicht alle sofort umsteigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass deine aktuelle GPU einer PS5 überlegen ist, ist gross. Die Leistung deiner Grafikkarte dürfte also noch länger ausreichen.

Früher bedeutete eine neue GPU-Generation doppelte Performance. Diese Zeiten sind vorbei. Physikalische Grenzen bei Wärme, Stromverbrauch und Wafer-Kosten bremsen die Entwicklung. Nvidia und AMD holen das Maximum aus ihren Chips heraus, doch die Leistungssprünge werden kleiner. RDNA 5 und Rubin werden performante Karten liefern, aber keine Revolution – zumindest nicht bei der Hardware.

Ein Jahr ohne GPU-Release spart Geld

AMD, Nvidia und TSMC kämpfen um Fertigungskapazitäten. Der Gaming-Markt verliert diesen Kampf gegen das lukrativere Geschäft mit Rechenzentren. Ein H100 oder MI300X bringt tausendfach mehr ein als eine RTX 5080. Eine Pause hier ist deshalb keine Katastrophe, sondern eine logische Konsequenz. Ein längerer Produktzyklus kann auch der Entwicklung der nächsten GPU-Generation dienlich sein. Mir ist ein alltagstaugliches Produkt zum Launch lieber als ein halbgares.

Die anderen Prioritäten der Branche haben auch einen Einfluss auf den Preis. Und der ist bei GPUs bekanntlich hoch. Deshalb jetzt der pragmatische Punkt: Kein neues Flaggschiff bedeutet, dass du dein Geld behalten kannst. Kein Hype, der dich zu einem überteuerten Kauf verleitet. Keine Erstauflage mit Kinderkrankheiten. Kein Gefühl, dass deine Hardware veraltet ist. Ein ruhiges Jahr schont das Konto.

Die Preise für GPUs werden auch bei der kommenden Generation nicht tiefer liegen.
Die Preise für GPUs werden auch bei der kommenden Generation nicht tiefer liegen.

FOMO ist unbegründet

Die Angst, etwas zu verpassen, ist das stärkste Marketingwerkzeug der GPU-Industrie. Jede Generation wird als Quantensprung verkauft, oft ist es nur ein kleiner Schritt. Zuvor exklusive Features, kommen nach und nach auch älteren GPU-Generationen zugute. Wer heute eine solide Karte besitzt, verpasst bis 2028 nichts, was das Spielerlebnis grundlegend verändert. Kein Spiel wird deine GPU überfordern, kein Feature bleibt dir verwehrt – Software sei Dank.

Also: keine Panik. Geniess die Spiele, die du hast, und lass die Industrie in Ruhe an RDNA 5 und Rubin tüfteln.

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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