iPhone X: Wir haben das neue iPhone angetestet

Dominik Bärlocher
Zürich, am 03.11.2017
Kein Home Button, kein Fingerprint Scanner. Das iPhone X macht vieles neu. Seit heute haben wir das Gerät und natürlich haben wir das X für dich kurz angetestet.

Das iPhone X fühlt sich merkwürdig an. Obwohl es mit seinen 174 Gramm weniger wiegt als viele Konkurrenz-Phones der selben Grösse, liegt es schwer in der Hand. Nicht zu schwer. Aber so schwer, dass du weisst, dass du was in der Hand hältst. Es wird schnell klar, dass die Engineers im Hause Apple ganze Arbeit geleistet haben und keinen Kubikmillimeter dem Zufall überlassen haben. Es fühlt sich schwerer an, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass es zu schwer ist. Merkwürdig eben.

Doch gleich nach dem ersten Einschalten wird das Gefühl verdrängt von einem Grinsen. Der Bildschirm. Ich weiss wie Amoled-Bildschirme aussehen. Ich hatte schon Test-Phones mit Amoled Screens. Aber Apples iOS in diesen Farben, mit dieser Intensität. Das macht extrem was her. Alleine schon dafür lohnt sich die Existenz des X.

iPhone X (64GB, Space Gray, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
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Apple iPhone X (64GB, Space Gray, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
iPhone X (64GB, Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
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Apple iPhone X (64GB, Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
iPhone X (256GB, Space Gray, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
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Apple iPhone X (256GB, Space Gray, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
iPhone X (256GB, Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx)
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Apple iPhone X (256GB, Silver, 5.80", Single SIM, 12Mpx)

Apropos X, Apple hat nichts aus der Versionierung ihrer Produkte mit Apple OSX gelernt. Denn schon bevor macOS macOS hiess, und noch OSX war, war das X kein X sondern die römische Zahl 10. Darum heisst auch das iPhone X eigentlich «iPhone zehn», oder «iPhone ten». Dürfte vielen total egal sein, und «iPhone X» mit dem Buchstaben klingt einfach cool.

Der Home Button ist Geschichte und das ist gut so

Apple hat seit Anbeginn der Ära iPhone auf den Home Button gesetzt. Der kleine Knopf unten am Gerät zieht sich quer durch das mobile Line-Up des Herstellers. iPods, iPads, iPhones… alle haben sie den Home Button. Ein Druck darauf und der Home Screen erscheint. Simpel. Funktioniert. Apple halt.

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Der Home Button ist weg

Das iPhone X hat keinen Home Button mehr.

Das war einer der Punkte, die mir bei der Vorstellung des Geräts am meisten Sorgen gemacht haben. Nicht das Display, von dem böse und meist unqualifizierte Zungen im Internet behaupten, dass es beim Schief-Anschauen in tausend Scherben zersplittert. Sondern der Knopf. Im Umgang mit Apples iOS, der mobilen Software des Herstellers, ist der Home Button zentral. Aus ein App rausgehen? Home Button. Phone entsperren? Home Button.

Apple hätte den Knopf locker früher abschaffen können. Denn iOS beweist hier, dass es doch ein wesentlich flexibleres System zu sein scheint, als gedacht. FaceID übernimmt die Aufgabe des Fingerprint-Sensors auf der Front. Und, ganz simpel, ein Wisch nach oben übernimmt das Drücken auf den Home Button um aus einer App zu gehen. Dies ist übrigens in dieser Form der Implementation nur möglich dank rigiden Vorschriften für Developer. Wenn eine App im iTunes Store nicht genaue Richtlinien einhält, dann wird sie dort nicht veröffentlicht. Ennet em Teich, bei Android, ist so etwas nicht denkbar. Oder wenn, dann sicher nicht mit einer effortlosen Leichtigkeit, wie Apple das so wirken lässt. Ob sich das aber in dieser Form bewahrheitet, wird der längere Test zeigen. Nach dem ersten Eindruck deutet aber alles darauf hin.

Die Zukunft heisst Amoled

Waren Amoled-Bildschirme bisher nur Randerscheinungen und einigen wenigen Phones vorbehalten, weil teuer und rar, macht das iPhone X die Technologie endgültig salonfähig. Klar, die Achterserie Samsungs hat vorgelegt, aber auch das sieht die Technologie wirklich spitze aus. Beim iPhone X ist das nicht anders und ich gönne jedem Apple-Fan den Bildschirm von Herzen. Sieht schlicht einfach besser aus, oder?

Schwarz ist schwärzer, rot ist roter und weiss strahlt weisser. Im Vergleich mit den alten iPhone Displays sind das Welten.

Nicht ganz alle Apps haben begriffen, dass sich das Bildschirmverhältnis des iPhones geändert hat. Aber genau wie bei anderen Phones, deren Bildschirmverhältnis nicht mehr den Traditionsformaten 16:9 oder 4:3 folgt, kannst du per Pinch and Zoom das Youtube-Video deiner Wahl auf den gesamten Bildschirm ausdehnen.

Denn der ist ganz klar das Hauptaugenmerk des Geräts. Der Rest des Geräts sieht wie gewohnt aus. Rechteck mit abgerundeten Ecken, Apple-Design und die Knöpfe dort, wo du sie erwartest. Einzig der Camera Bump, die Ausbuchtung der Kamera hinten, zieht Blicke auf sich. Der Bump wird gar nicht versteckt. Er steht eckig und hart aus der Rückseite des Phones heraus und macht ein Statement von wegen «Schau mich an».

Die Kamera selbst werde ich noch detaillierter testen. Erste Schnappschüsse aber versprechen tatsächlich die «Best Ever Camera», wie Apple-CEO Tim Cook das an der Vorstellung des Geräts genannt hat.

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Videoproducer Stephanie Tresch am Dreh des Unboxings

Einzig bei den Effekten der Kamera, vor allem dem Effekt «Stage Light», hinkt das Phone noch etwas. Stephanies Haare werden in der Regel einfach aus dem Bild rausgelöscht und so entsteht eine unnatürliche Haarlinie.

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Stephanie Tresch im Stage Light. Ihre Frisur wird künstlich etwas gestutzt. Der Hintergrund ist der selbe wie vorhin

Wir dachten, dass das bei Männern vielleicht besser funktioniert, da kürzere Haare. Deshalb ein Test mit Product Manager Ludo Penning de Vries mit Bürohintergrund und der Selfie-Cam.

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Ludo Penning de Vries hat keine so ausgefranste Wange

Andere Effekte, wie hier eine Aufnahme mit Kaltlicht-Effekt sind aber über jeden Zweifel erhaben.

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Stephanie Tresch und Videomaskottchen Horny

Der einzige Wermutstropfen: Der Preis

Apple hat noch nie wirklich günstige Geräte gemacht. Beim iPhone X sind sie nach wie vor in der oberen Preisklasse dabei, werden nur von wenigen Smartphones übertroffen. Aktuell kommt mir da nur gerade das Red Hydrogen One in den Sinn, das im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll. Oder Huaweis Mate-Serie im Porsche-Design wo auch das Design noch einige hundert Franken kostet.

Ja, Apple ist teuer. Aber wenn du den Stutz hast und dir den Kauf überlegst, dann greif zu. Klar, du zahlst für das Design und für die Marke wie auch das wohlige Gefühl, Mitglied der Apple-Familie zu sein – oder sowas in der Art –, aber technologisch kann ich dem Gerät in den wenigen Stunden dieses First Looks wenig vorwerfen. Es tut das, was es tut, sehr gut und sieht super dabei aus.

Das klingt jetzt alles nach Lobhudelei? Ja. Geb ich zu. Warum? Weil Apple mal wirklich eine grosse Portion Lob verdient hat. Das iPhone X macht einen sehr guten Eindruck. Lob, wem Lob gebührt. Daher: Good job, Apple.

Aber: Das alles ist nur ein erster Eindruck, basierend auf ein paar Stunden rumhantieren. Ein wirkliches Review mit abschliessendem Urteil ist aber nur dann möglich, wenn die Freude von wegen «Yay! Neues Gerät!» vollständig verflogen ist, also erst nach ein paar Wochen. Du kannst also drauf wetten, dass da noch ein detaillierteres Review kommt.

Wie wir ein iPhone aus echtem Gold gefunden haben

Wir wollten natürlich auch wissen, wer sich das neue iPhone kauft und vor allem: Warum? Daher haben Stephanie Tresch und ich uns aufgemacht und nachgefragt. Dabei haben wir eine seltene Gelegenheit am Schopf gepackt: Wir konnten ein iPhone aus echtem Gold sehen, filmen und halten. Wiegt ganz schön schwer.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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