Implantat im Insekten-Gehirn: Heuschrecken-Cyborg erschnüffelt Sprengstoffe
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Implantat im Insekten-Gehirn: Heuschrecken-Cyborg erschnüffelt Sprengstoffe

Martin Jud
Zürich, am 24.08.2020
An der Washington University of St. Louis haben Wissenschaftler ein neues Sensorsystem zur Erkennung von Sprengstoffen entwickelt. Sie schufen einen insektenbasierten Bioroboter. Genauer einen «Cybug» – halb Heuschrecke, halb Maschine.

Hat der Sprengstoffspürhund bald ausgedient – wird das Trüffelschwein nun verwurstet?

Anstelle des treuen Hundes könnten am Flughafen künftig kleine Roboter mit aufgeschnallter Heuschrecke die Runde machen. Zumindest wenn es nach Wissenschaftlern der Washington University of St. Louis geht. Ihnen ist es gelungen, über ein in ein Heuschreckengehirn implantiertes Elektrodenarray den Geruchssinn des Tieres anzuzapfen. Dabei können nicht nur Sprengstoffe mit dem Cyborg Bug erkannt werden. Der ausgezeichnete Geruchssinn des Tieres beziehungsweise die gemessene Neuronenaktivität des olfaktorischen Systems lässt die Forscher einzelne Stoffe deutlich voneinander unterscheiden.

Wie in einer Vorabversion des Magazins Biosensors and Bioelectronics: X vorgestellt, wurden in ersten Tests Sprengstoffdämpfe von Hexogen, Ammoniumnitrat, TNT (Trinitrotoluol) und DNT (Dinitrotoluole) erfolgreich erkannt. Beachtlich, denn DNT und TNT unterscheiden sich nur um eine Nitrogruppe, sie sind nicht einfach auseinanderzuhalten. Doch die Cyborg-Heuschrecke erkennt explosive, chemische Dämpfe innerhalb weniger Zehntelsekunden.

Clever, künftig könnten Insekten den Job von Hunden übernehmen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die Vierbeiner keiner Gefahr ausgesetzt werden müssen, auch muss keine Zeit für die Ausbildung der Tiere aufgewendet werden. Durch einen kleinen operativen Eingriff wird eine neue elektronische Spürnase geschaffen, die per Funk in Kontakt mit dem in sicherem Abstand agierenden Sprengstoffkommando der Polizei steht.

Damit künftige Sicherheitskräfte keine Mühe haben, die Cyborg-Insekten ans Ziel zu bringen, haben die Forscher den Cybug auf ein kleines Roboterauto geschnallt. Die Heuschrecke wird dabei in einem Glaskasten herumgefahren – sie erkennt an verschiedenen Orten die unterschiedliche Konzentration der Dämpfe. Ein Transmitter sorgt dafür, dass die Heuschrecke mit telepathischen Kräften auftrumpfen darf. Das entsprechende Video dazu gibt es hier zu sehen.

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Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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