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AudioNews & Trends 520

High End: Die Messe des guten Tons

Die High End in München hat sich zur weltweit grössten und wichtigsten Messe für die High Fidelity entwickelt. Auch viele Schweizer Hersteller, Importeure und Konsumenten nutzen sie als Branchen- und Informationstreff. Digitec Galaxus war vor Ort.

Sie wächst und wächst: Vor 37 Jahren als kleine Enthusiasten-Veranstaltung gestartet, findet die High End seit 2001 jährlich im MOC in München statt und ist inzwischen die grösste und wichtigste Messe im Bereich der gehobenen Unterhaltungselektronik. Und das weltweit. Die Consumer Electronics Show in Las Vegas oder die Internationale Funkausstellung in Berlin sind natürlich insgesamt grösser, aber nicht, was den guten Ton angeht. Hersteller und Importeure nutzen die High End längst als wichtigsten Business-Treff – und die Konsumenten freuen sich an zahlreichen Neuheiten und spektakulären Präsentationen von HiFi-Preziosen, die gerne auch mal preislich in den sechsstelligen Frankenbereich wachsen.

Vom 10. bis 13. Mai zeigten dieses Jahr 530 Aussteller aus 41 Ländern auf 29000 Quadratmetern Fläche ihre Schaustücke. Die Schweiz stellte mit 21 Firmen davon das sechstgrösste Kontingent nach Deutschland (180), den USA (45), Grossbritannien (35), Frankreich (27) und Italien (25). War der erste Messetag an Auffahrt (Donnerstag) noch dem Fachpublikum vorbehalten, konnten ab Freitag die Konsumenten die vier grossen Hallen und Atrien besuchen.

Schon fast massentauglich

Laut dem Veranstalter High End Society zählte die Messe dieses Jahr 19899 Besucher und damit etwas weniger als 2017, als mit 21412 Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Tatsächlich schienen mir heuer vor allem am Sonntag etwas weniger Menschen gekommen zu sein. Dennoch war vor allem am Freitag und Samstag nicht zu übersehen: Das Publikumsinteresse ist gewaltig und ungebrochen. In vielen Gängen standen sich die Menschen auf den Füssen, in einige Vorführungen kam man wegen des Andrangs gar nicht rein.

Weil die Messeleitung das Trendthema Kopfhörer zum Teil auch in den High-End-Messehallen abhandeln liess, schien der Zustrom zur erstmals parallel veranstalteten CanJam eher übersichtlich. Die bisher räumlich (in Essen) und zeitlich getrennte Spezialmesse für Kopfhörer wurde nur wenige Fussmeter von der Hauptveranstaltung abgehalten, doch schien mir der Pilgerweg dorthin und zurück weitgehend verwaist.

Wie auch immer: Im MOC war trotz des Ausflugwetters und des letzten Heimspiels der Fussball-Bundeligasaison (wo Meister FC Bayern München reichlich unmotiviert 1:4 gegen Stuttgart verlor) richtig viel los.

Sowohl Mobile Streaming als auch Analog-Altar

Superlautsprecher und Anlagen für weit über 100000 Franken bilden nach wie vor die Hauptattraktionen, doch vor allem bei den Trendthemen Vinyl, Kopfhörer und Streaming gab es auch etliche «value for money»-Produkte zu sehen. Dies sollte meiner Meinung nach noch viel stärker nach vorne gestellt werden, gilt die Messe doch noch immer bei einem Grossteil der Bevölkerung als leicht esoterisches Forum für Millionäre.

So gab es auch bei den Plattenspielern, seit Jahren in einer kleinen, aber feinen Nische der Unterhaltungselektronik stetig wachsend, sehr preiswerte Modelle neben regelrechten Altären zu sehen und zu bestaunen. Bei der Elektronik hat ein «Entweder- Oder» längst einem «Sowohl-als-auch» Platz gemacht hinsichtlich analog und digital. Kaum eine Vorführung kam ohne Plattenspieler aus, aber erst recht nicht ohne iPad oder ähnlichem. Von dem wurde fleissig in die diversen Anlagen gestreamt. Die Möglichkeiten hochauflösender Digital-Medien haben sich längst auch im High-End-Bereich der Audio-Industrie, also an ihrer obersten Spitze, breit gemacht.

Probehören bei verbesserter Akustik

Bezüglich der früher oft kritisierten Akustik der Vorführräume muss man den Ausstellern und der Messeleitung echte Fortschritte zugestehen. Möglicherweise vom Optimum noch entfernt, klang es in vielen Räumen dank aufwendiger Raumakustik-Optimierung – auch das ein Trendthema – deutlich besser als in früheren Jahren.

Freilich war es unmöglich, sich einen vollständigen Überblick über alle Neuheiten und Vorführungen an den drei beziehungsweise vier Tagen zu verschaffen. Fachvorträge, Spezial-Teile wie «High End on Wheels» für höchstwertige Auto-Anlagen oder enger zugeschnittene Vorführungen von exquisiten Surround-Technologien konnten unmöglich alle gleichwertig gewürdigt werden. Bildauswahl und Berichterstattung bleibt dementsprechend subjektiv.

Ein paar Highlights

Der gigantische Basslautsprecher der Firma Ascendo macht schon optisch mächtig etwas her.

Was wäre die High End ohne extrem aufwendige Lautsprecher-Giganten? Hier die Estelon Extreme mit motorisch verstellbarer Schallwand.

Der deutsche Analog-Spezialist Clearaudio (Vertrieb Schweiz: Sacom) hatte einen Plattenspieler in einen historischen VW-Bus eingebaut.....

... in dem hier Clearaudio-Co-Geschäftsführerin Veronika Suchy Platz genommen hat. Der Transporter zählte zu den grössten Messehits.

Der Schweizer Spezialist für fantastische Raumklangprozessoren, Illusonic aus Uster, demonstrierte die verblüffende Wirkung seiner Schaltkreise mit dezent verborgenen Lautsprechern.

Elektrostatische Lautsprecher sind die Spezialität des amerikanischen Herstellers Martin Logan (Vertrieb Schweiz: Digital Unterhaltungs AG). Sie zitieren (und vergessen ein «t» beim Namen) hier ein Test-Fazit von mir im deutschen HiFi-Magazin «Audio».

Die grosse Anlage des deutschen Renommier-Herstellers Burmester (Vertrieb Schweiz: Digital Unterhaltungs AG) zählte zu den grössten Attraktionen.

Der Schweizer Hersteller Thales zeigte einen superben Plattenspieler. Hinter der eher unscheinbaren Optik verbirgt sich exzellente Technologie, unter anderem in der hocheleganten Tonarm-Geometrie.

Trendthema Kopfhörer: Das Publikumsinteresse war gross am Stand von Beyerdynamic und an der «Hörbar» der Zeitschrift Stereo, wo Konsumenten verschiedene Modelle gegeneinander vergleichen konnten.

Hochwertige Tonträger sind auch im Streaming-Zeitalter für echte HighEnder noch en vogue. Importeur Sieveking Sound bot CDs, SACDs und LPs zum Kauf an, während der deutsche Händler DaCapo (Bild) vor allem exzellente Schallplatten feil bot.

Kari Bremnes war dieses Jahr die Klangbotschafterin der High End. Die norwegische Singer/Songwriterin veröffentlicht seit Jahrzehnte extrem gut klingende Tonträger.

Dieses Jahr in der Schweiz, nächstes Jahr wieder in München

Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch der High End sicher auch 2019 – dann vom 9. bis 12. Mai. Wieder im MOC, das zwar definitiv an seine Kapazitätsgrenze geraten ist, an dem als Veranstaltungsort die High End Society – entgegen anderslautenden Gerüchten – noch lange festhalten wird.

Früher und näher: Neben der High End in München wird es weiterhin auch die Schweizer Ausgabe High End Swiss geben. Die findet – im wesentlich kleineren Rahmen – alljährlich im zürcherischen Regensdorf statt, dieses Jahr am 27. und 28. Oktober.

User
Ich tummle mich seit über 30 Jahren als Journalist in der Audio-Branche. Dort bin ich berüchtigt als begeisterter Musikliebhaber, hoffnungsloser Analog-Fan und sehr kritischer Lautsprecher-Beurteiler. Was wohl mit kläglichen Versuchen zusammenhängt, Geige und Schlagzeug besser als nur amateurhaft zu spielen. Eine Zeitlang lebte und arbeitete ich der Schweiz, meinem erklärten Lieblingsland. Dorthin kehre ich immer wieder gerne zurück.

5 Kommentare

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User andrebiedermann

Vor 25 Jahren tummelte ich mich auch mal regelmässig an solchen Messen. Inzwischen reicht es mir, höchtens alle 5 Jahre mal. Meisten ist es überzahlter schlecht klingender Edelschrott, wo das Gehäusedesign offensichtlich zuoberst auf der Prioritätenliste stand. Das meiste würde ich nicht mal gratis nach hause schleppen.

24.05.2018
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User Aurel Stevens

Ich geh an die High End Swiss auch nicht jedes Jahr. Über die Teile, bei denen Design wichtiger ist als Klang fass ich mir auch an den Kopf. Auf der anderen Seite ist's eben schon cool, mal einen Hornlautsprecher oder die Dickschiffe von Piega in Aktion zu sehen.

24.05.2018
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Antworten
User Anonymous

War dieses Jahr auch an der High End im MOC in München.
Fazit: gut zum ANSEHEN von von - meist extrem teuren - High-End-Geräten, für's HÖREN jedoch weitgehend untauglich. Um sich ein Bild von der Klangqualität der Geräte zu machen ist es viel zu laut und auch die Akustik lässt oft zu wünschen übrig

24.05.2018
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User Anonymous

Wieso denn in die Ferne schweifen? In der Schweiz gibt es mindestens ein kleines feines Hifi Studio, in Kloten.
Was dieser Mann an Klang mit den richtigen Komponenten und wichtigem Zubehör in den Raum zaubert begeistert mich jedes Mal aufs neue. Nein ich mache keine Werbung, einfach mal reinhören!

25.05.2018
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