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Heute in der Videoküche: Russischer HD-Rip garniert mit deutscher SD-Quelle

Wer denkt, dass hier eine neue Anleitung zum Herunterladen oder Streamen von Filmen aus illegalen Quellen kommt, hat sich geschnitten. In diesem Tutorial geht es darum, wie aus verschiedenen Audio- und Videoquellen eine neue Film-Datei erstellt werden kann.

Dennoch steckt in diesen Zeilen ein Quäntchen Illegalität, wenn auch nur aus EU-Sicht. Was bin ich froh, dass in der Schweiz (noch) legal heruntergeladen werden darf. 😜

Ausgangslage – defekter Player

Eine Arbeitskollegin besitzt die Blu-ray-Disc von «Avengers: Age of Ultron». Auch wenn «Age of Ultron» nicht die Krönung der Marvel-Filme darstellt, hat sie Lust ihn mal wieder zu schauen. Allerdings hat ihr Blu-ray-Player den Geist aufgegeben. Ausweichen aufs Notebook kann sie wegen fehlendem Laufwerk nicht. Abgesehen davon macht das Schauen auf einem grossen TV mehr Spass. Was kann man da bloss tun?

Lösungsansätze: Aufwand vs. Ertrag

Als grosser Film-Freak besitze ich ein NAS, welches mir das direkte Streamen der Filme auf jegliche Endgeräte ermöglicht. Meine DVDs und Blu-rays nehme ich nach Kauf in der Regel nur einmal zur Hand. Und zwar dann, wenn ich den Film von der Disc kopiere (rippe), um ihn meiner Datenbank auf dem NAS hinzuzufügen. Da das Rippen und insbesondere Konvertieren von Filmen relativ zeitaufwändig ist (zumindest für den PC), habe ich nicht immer Lust darauf. Ganz nach dem Motto «warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht» ziehe ich mir die Filme des Öfteren auch direkt von einer Quelle aus dem Internet.

Im Übrigen bin auch ich Besitzer der Avengers-Blu-ray. Allerdings habe ich bemerkt, dass ich es bisher versäumte, diese zu rippen. Will ich nun meiner Kollegin eine Freude machen, muss ich dies nachholen. Oder eben auf alternative Quellen zurückgreifen.

Legaler Download aus illegaler Quelle

Bevor ich mir den Film besorge, mache ich mir Gedanken zur Auslieferung. Zwar hätte ich irgendwo eine externe Festplatte, allerdings ist mir diese im Jahr 2018 zu unhandlich. Ich habe keine Lust, das Teil mit mir rumzuschleppen. Ein USB-Stick soll hier genügen. Bei mir zuhause liegt glücklicherweise gerade einer rum – leider aber nur mit 8 GB Speicherplatz. Daher werde ich einen Kompromiss machen und den Film anstelle von1080p (Full-HD), mit 720p (HD) herunterladen und aufbereiten.

Nach kurzem Angeln in den Weiten des Netzes werde ich fündig. Allerdings sind die deutschsprachigen Versionen des Films zu gross (15.5 GB) für den 8 GB Stick oder nur in SD-Qualität (DVD-Auflösung) vorhanden. Daher entscheide ich mich, eine russische Version des Filmes zu ziehen, die rund 7 GB gross ist. Dazu lade ich noch einen deutschen SD-Rip, um mich später bei dessen Tonspur zu bedienen. Der Download dauert rund 20 Minuten.

Container und Codecs: Eine kurze Erläuterung

Container

Container erlauben es, verschiedene Inhalte (rund um das Video) in einer Datei zu integrieren.

Wie in der Schifffahrt, werden auch in der digitalen Welt Container benötigt. Und diese funktionieren ganz ähnlich – sie sind Behälter für Video- und Audio-Material, für Untertitel oder auch Kapitel-Einträge. Sie gewährleisten, dass du im Medienplayer beispielsweise eine alternative Sprache wählen kannst. Da viele Filme im Original-Ton einiges authentischer wirken, integriere ich bei Videos für die persönliche Datenbank stets auch den Originalton und Untertitel*. Bekannte Dateiendungen von Container-Formaten sind im übrigen AVI (Audio Video Interleave), MOV (QuickTime) oder MKV (Matroska). Wobei sich bei MKV am meisten alternativer Content einbinden lässt. Daher und aus weiteren guten Gründen (Unterstützung vieler Codecs) setzt beinahe die gesamte (Raub-)Kopierer-Szene seit Jahren auf Matroska.

*Anmerkung zu den Untertitel: Wenn ein Film Stellen enthält, welche in fremder Sprache gesprochen werden, sollte man daran denken «Forced Subtitles» hinzuzufügen. Damit kann gewährleistet werden, dass du den Klingonen im Film verstehst. Diese Untertitel enthalten also nur Texte von Szenen, welche in alternativ gesprochener Sprachen daherkommen.

Codecs

Codecs komprimieren Video-, Audio- oder Bilddaten.

Ein Codec komprimiert. Er sorgt dafür, dass deine Video- und Audio-Files kleiner werden: Die Audio-CD kam ursprünglich mit 74 Minuten (650 MB) Speicherkapazität auf den Markt. Dabei liegen die Daten unkomprimiert als Puls-Code-Modulation (PCM) vor. Hättest du einen Audioplayer mit 128 GB zur Hand, könntest du darauf rund 201 CDs speichern.
Wenn du jetzt die CDs mit einem MP3-Codec komprimierst, kannst du je nach verwendeter Bitrate ein vielfaches an Alben auf dem Audioplayer speichern. Bei der höchst möglichen Bitrate von 320 kBit/s könntest du ganze 755 CDs auf 128 GB speichern.

Wir können also mittels Codec und Bitrate bestimmen, wie gross eine Datei werden soll. Natürlich wirken sich unterschiedliche Codecs und verwendete Bitraten auch direkt auf die Qualität der Video- und Audio-Files aus. Allerdings verzichte ich hier, vertieft darauf einzugehen.

Jetzt geht’s los – wir mixen uns einen neuen Film

1. Software besorgen

Zum «Mixen» benötigen wir «MKVToolNix». Hierbei handelt es sich um eine Programmsammlung zum Erstellen neuer MKV-Dateien. Kern dieser Sammlung ist die «mkvmerge GUI». Herunterladen kannst du das Tool für unzählige Betriebssysteme. Für Windows wird es als Installer oder portable Version zur Verfügung gestellt:
Zur offiziellen Download-Seite…

2. Wir starten die Software – ein erster Überblick

Nach erfolgreicher Installation starten wir die MKVToolNix GUI.

Das Tool ist keine Augenweide. Richtig verwendet hilft es aber Augenweiden zu erstellen.

MKVToolNix unterstützt eine riesige Anzahl an Video- und Audio-Containern, Codecs und Untertitelformaten. Man erstellt damit entweder eine neue MKV-Datei oder benutzt es, um vorhandene Dateien zu editieren. Beim Editieren sind die Möglichkeiten vielfältig; man kann Tags bearbeiten, Verzögerungen für die Audiospur hinzufügen, Kapitel erstellen und vieles mehr.

3. Import der russischen Quelldatei

Nach Start der Software befinden wir uns in der «Multiplexer-Ansicht». Und da bleiben wir auch. Im oberen linken Viertel des Tools können wir durch Rechtsklick oder «Drag and Drop» Quelldateien hinzufügen. Oder wir klicken ganz unten im Tool auf den «Quelldateien hinzufügen» Button.

Die Quelldateien werden hinzugefügt.
Auch mittels «Drag and Drop» kann importiert werden.

Nach Import des Filmes werden im unteren linken Bereich der Software die in der Datei enthaltenen Spuren und Kapitel angezeigt. Man sieht jeweils, um was für einen Content es sich handelt (Audio- und Video-Codec, Kapitel, Untertitel), ob das Element für die Ausgabe kopiert werden soll, welche Sprache dem Element zugeordnet ist, ob die Spur standardmässig geladen werden soll, ob sie zwingend angezeigt werden soll und weitere Eigenschaften (Auflösung, Anzahl Audiokanäle).

Nach Import werden die Inhalte der geladenen Datei aufgelistet.

4. Entfernen nicht gewünschter Elemente

Wie du vielleicht anhand des oberen Screenshots bemerkt hast, befindet sich ganz links vor jedem Element ein Häkchen. Damit bestimmst du, ob das Element in die Zieldatei ausgespielt werden soll. Wir entfernen die russische Tonspur, indem wir das Häkchen davor wegklicken. Alles andere darf bleiben. Selektiert sind nun das Video in HD-Auflösung, eine englische DTS-Tonspur und die Kapiteleinträge des Films.

Die nicht benötigte Tonspur wird durch Deaktivierung des Häkchens entfernt.

5. Import der deutschen Quelldatei

Nach Hinzufügen der deutschen AVI-Datei erscheinen zwei neue Elemente. Das Video mit DVD-Auflösung deaktivieren wir. Somit sind nun sämtliche Elemente der künftigen Zieldatei zum Kopieren markiert.

Wir entfernen die Videospur der deutschen Quelle.

6. Anpassung der Eigenschaften (Sprache, Spurnamen, Standart-Schalter)

Um den Überblick zu wahren, können die Elemente mit der Maus herumgeschoben und in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Die HD-Filmspur belasse ich zuoberst, danach kommt die deutsche AC-3-Spur (Dolby Digital 5.1), die englische DTS-Spur sowie die Kapiteleinträge.

Ordnung muss sein. Zur besseren Übersicht können die Elemente verschoben werden.

In der vierten und fünften Spalte des obigen Screenshots sieht man, welche Sprachen und Spurnamen bereits einen Wert/eine Bezeichnung hinterlegt haben. Es empfiehlt sich, zumindest bei den Tonspuren korrekte Werte zu hinterlegen. Macht man das nicht, wird man allenfalls beim Sprachwechsel im Video-Player rätseln müssen, um welche Sprache es sich bei den Tonspuren handelt.

Markierst du eine Spur, kannst du in der rechten Hälfte des Tools die Eigenschaften anpassen. Zuerst klicken wir auf die Videospur.

Eigenschaften der Videospur
Folgende Eigenschaften unter «Allgemeine Optionen» sollten überprüft/angepasst werden: Spurname (bei Bedarf kann hier eine Bezeichnung vergeben werden), Sprache (hier wähle ich die Sprache des Originaltons), Standardspur-Schalter (bestimmt, ob das Element standardmässig abgespielt werden soll).

Die Optionen der Videospur werden angepasst.

Eigenschaften der deutschen Audiospur
Bei der deutschen Audiospur passe ich wieder den Spurnamen an und wähle die korrekte Sprache. Beim Standardspur-Schalter wähle ich «Ja».

Der Standardspur-Schalter bestimmt, ob das Element nach dem Öffnen im Player direkt abgespielt werden soll.

Eigenschaften der englischen Audiospur
Im Unterschied zur deutschen Tonspur schalte ich den Standardspur-Schalter auf «Nein». Die Tonspur ist somit vorhanden, wird aber nicht automatisch abgespielt.

Da bereits eine Tonspur als Standardspur markiert wurde, wähle ich bei der englischen Tonspur «Nein» oder «Automatisch festlegen».

7. Ausspielen (Multiplexen) der neuen Filmdatei

Nun ist alles bereit für das Ausspielen der neuen Datei. Natürlich sind auch weitere Optionen sinnvoll. Beispielsweise kannst du im Reiter «Ausgabe» den Dateititel setzen (nicht zu verwechseln mit dem Dateinamen). Oder falls du bemerkst, dass eine Tonspur zeitversetzt zum Video läuft, kann dies in den Spur-Eigenschaften unter «Zeitstempel und Standarddauer» korrigiert werden. Im Weiteren könntest du dir deutsche Untertitel besorgen und hinzufügen... Für das in diesem Artikel verwendete Szenario muss allerdings nichts weiter eingestellt werden.

Es bleiben lediglich zwei kleine Schritte:

  1. Wähle unten im Tool einen Speicherort und den Namen der Ausgabedatei.
  2. Klicke auf «Multiplexen starten» und warte, bis die neue Datei geschrieben wurde.
Da wir nichts neu konvertieren, dauert das Ausspielen der neuen MKV-Datei bei 7 GB unter einer Minute (mit einer SSD).

Et voilà: Das Resultat kann sich sehen lassen

Öffnen wir die neu erstellte Datei in einem Player (hier der VLC Media Player), wird das Video aus russischer Quelle mit deutschem Ton abgespielt. Wenn wir die Sprache wechseln, sehen wir die zuvor festgelegten Spurnamen.

Die zuvor definierten Spurnamen sind im Player ersichtlich.

Meine Arbeitskollegin hat sich im Übrigen gefreut. Ganz schön praktisch, dass heute beinahe jedes Endgerät den MKV-Container unterstützt. Den Stick einfach in den Smart-TV einstecken und zurücklehnen.

Abschliessend möchte ich noch darauf hinweisen, dass man bei Dateien über 4 GB Grösse den USB-Stick mit dem Dateisystem «NTFS» (oder «exFAT») formatieren sollte. Viele Sticks werden ab Werk FAT32 formatiert ausgeliefert. Doch dieses Dateisystem unterstützt leider nur Dateien bis 4 GB Grösse.

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Martin Jud, Zürich

  • Editor
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

10 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User JiSiN

Danke Digitec!
Jetzt muss ich es nicht mehr meinen Kumpels erklären, sondern sende Ihnen einfach die URL hierzu :)

05.03.2018
User Anonymous

Do you even Plex?

Warnung. Wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören.

09.03.2018
User Anonymous

PLEX FTW! :-)

05.07.2018
Antworten
User Mr.Shin-Chan

Sry zu grosser Aufwand, da hätte ich eher eine Werbung für eine WD Passport oder so erwartet... :'D

27.02.2018
User Anonymous

Mopsi lässt grüssen :D

28.02.2018
User JiSiN

Sieht nach grossem Aufwand aus, ist es aber nicht.
Wenn du dies schon paar mal getan hast, geht das im Handumdrehen.
Es wird nichts neu Transkodiert/Enkodiert... geht alles ruckzuck :)

05.03.2018
Antworten
User Stefg1963

Merci pour l'article ...et la traduction!

12.03.2018
User Dani889

Super Sach :)

27.02.2018
User Anonymous

Ich frage mich, wie ein russischer HD-Rip mit 24fps auf eine deutsche DVD Tonspur in der PAL Geschwindigkeit 25fps passt? Ich hatte auch schon Rips in DE und EN, wobei der DE Rip dummerweise in 25fps war. Also keine Chance DE und EN in einer einzigen MKV zu kombinieren. Ton müsste geändert werden.

05.07.2018
User Anonymous

Die frames können beim Muxen geändert werden, der Speed der Tonspur müsste mit einem Audio Tool verlangsamt werden. Zumindest kenne ich im MKVtoolnix keine Option dafür. Oder gibt's so etwas heute?

05.07.2018
Antworten