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Haier ASU Watch: Die Smartwatch mit dem Laser-Projektor

Der weltgrösste Hersteller für grosse Haushaltsgeräte macht einen auf kleiner. Die ASU Smartwatch soll die Welt der Smartwatches aufmischen und kommt mit einem Laser-Projektor, der dir Daten auf den Handrücken strahlt.

Smartwatches haben per Design ein Problem: Sie müssen klein sein, müssen aber eine Fülle von Informationen grafisch attraktiv darstellen können. Sonst wären sie ja nur Watches mit zu Wenig Smart. Egal, wie hoch die Smartwatches gebaut werden und wie klobig sie dadurch werden, das Problem mit dem kleinen Bildschirm für viel Information bleibt.

Der chinesische Hersteller Haier scheint das nun gelöst zu haben. Oder: Der Hersteller hat zumindest einen Vorschlag, wie das Problem angegangen werden könnte.

Die Antwort heisst Laser.

Da grundsätzlich alles durch Laser aufgewertet werden kann, macht die Haier ASU Watch hier auch keine Aufnahme. Mit gebündeltem Licht projiziert die Smartwatch Informationen auf deinen Handrücken. Oder die nächste Wand. Oder auf jedes beliebige Objekt, auf das du den Strahl der Uhr richtest.

Laser auf der Hand macht alles besser

Da wie bereits faktisch richtig im obigen Absatz etabliert alles besser ist, wenn du Laser hinzufügst aber wir alle noch keine lasergetriebene Uhr am Handgelenk haben, muss da wohl noch irgendwo ein Haken sein, der definitiv nicht «Laser» ist.

Der Haken ist ein anderer

Zuerst das Coole: Du schnallst dir die ASU-Watch um, wischst auf dem Bildschirm nach links und das Menü erscheint, das ich jetzt mal das Laser-Menü nenne. Denn von hier aus steuerst du die ganzen Laser-Projektionen. Du suchst dir etwas aus, dann lädt die Uhr kurz und dann feuert ein Laser ein Bild auf deinen Handrücken. Dort kannst du dann Informationen ablesen. Sogar animiert sind die Projektionen. Und ich kann etwas auf das 240 x 240 Pixel Display zeigen und der Laser skaliert das auf 480 x 854 hoch und projiziert die Zeichnung.

Das ist verdammt cool.

Gross und klobig ist das Teil ja, aber irgendwie cool

Jetzt aber der Haken: Die ASU Watch ist weit entfernt von einem massentauglichen Produkt. Die Probleme des Geräts liegen nicht nur in der Software, sondern vor allem in der Hardware. Denn das Teil ist gigantisch und wiegt extrem viel. Klar, denn so ein Projektor braucht nicht nur Platz sondern auch Energie, was heisst, dass da mehr Batterie verbaut werden muss. Zudem müssen natürlich diverse Biomonitore wie Pulsmesser und Pedometer verbaut sein, weil sonst darf sich eine Smartwatch ja nicht Smartwatch nennen, wie es scheint.

Zugegeben, die Idee hinter der ASU Watch ist gut, sehr gut sogar. Denn die meisten Menschen haben nahe ihrem Handgelenk einen Handrücken, der rein technologisch noch brach liegt. Das heisst jetzt nicht, dass der Handrücken zwangsläufig als Display oder als irgendwas im Internet of Things genutzt werden muss, aber wenn du einen Lösungsansatz zum Platzproblem am Handgelenk präsentieren willst, dann ist der Ansatz mit der Projektion definitiv nicht schlecht.

Die Frage ist nur: Warum?

Warum um alles in der Welt brauchen wir das? Löst das Display auf dem Handrücken irgendein Problem, das wir aktuell so dermassen nicht im Griff haben, dass es Lösung bedarf? Was genau gewinnt die Menschheit, wenn ich ein Smiley per Laser auf den Mond projizieren kann?

Ich weiss es nicht.

Softwareseitig sind die Probleme die, dass der Prozessor wohl ein Mü zu langsam ist, um solide Performance zu bringen. Das ist eine etwas heikle Aussage, da der Haier'sche Klumpen mit Laser für's Handgelenk keine Konkurrenz auf dem Markt hat. Daher ist es schwer zu sagen, ob das Laser-Menü zu langsam reagiert oder nicht. Vielleicht ist das ja die Geschwindigkeit, in der ein Laser-Interface reagiert und schneller geht nicht. Ich bezweifle das mal, aber ich weiss es beim besten Willen nicht, denn die Welt der Wearables setzt sich derzeit gerade zum ersten Mal mit Laserprojektionen auseinander.

Die Übersetzungen auf Englisch sind nicht wirklich gut und die Grammatik holpert da und dort. Da der Produktlaunch in China entweder bereits stattgefunden hat oder kurz bevorsteht – so einig sind sich die Damen am Haier-Stand nicht – scheint das Gerät noch nicht wirklich für den internationalen Markt bestimmt.

Dann ist da noch die Sache mit dem Use Case. Das Laser-Menü kann derzeit nur wenig mehr als Fitnessdaten anzeigen und Augenverletzungen verursachen.

Okay, zugegeben, dann ist da noch die Sache mit dem Laser

Haier ist eine Marke, die schon 34 Jahre auf dem Buckel hat und zur Weltspitze gehört. Anno 2014 hatte Haier den weltweit grössten Marktanteil bei grossen Haushaltsgeräten. Das war das sechste Jahr in Serie, in dem Haier diese Position innehatte. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Haier keinen Gugus macht, wenn es um die Entwicklung von Geräten geht.

Das Haier-Hauptquartier in Qingdao, China

Ausser halt, dass da Laser verbaut werden.

Jedes Kind lernt irgendwann mal, dass es besser ist, nicht in einen Laserstrahl zu schauen. Ich konfrontiere die nette Dame am Stand Haiers mit dieser Aussage. Sie beginnt den Satz mit einem langen «Ääääh...» und wiegelt dann ab.

«Der Laser in der ASU Watch ist gänzlich ungefährlich. Aber reinschauen würde ich trotzdem nicht.»

Aha.

User
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

1 Kommentar

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User frankostei

Ja, Haier ist der grösste Hersteller von "Haushalts-grossgeräten". D.h. Haier verkauft in Asien massig Waschmaschinen und Kühlschränke. Samsung jedoch macht mit Unterhaltungselektronik 8 Mal mehr Umsatz. Wer zB einen TV von Haier möchte, kauft im Prinzip ein Gerät der vorletzten Generation.

09.03.2018