Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Corporate logo
SmartphoneHintergrund 129

Google Tasks: Der Anfang des Chaos in den Ordnungs-Apps?

Google hat eine neue App veröffentlicht. Tasks ist schlank, klein und vor allem weiss. Was die App kann und warum sie mehr verwirrt als Sinn ergibt.

Wenn der Grosskonzern und Android-Betrieb Google etwas veröffentlicht, horcht die Welt auf. Selbst wenn es nur eine kleine App ist, die nur wenig kann. Selbst wenn Google selbst keine Ankündigung und keine Werbung macht und die App einfach mal im App Store auftaucht. Voilà: Google Tasks, die mysteriöserweise auch für Apples iOS erhältlich ist.

Die App ist recht einfach erklärt, wirft aber Fragen auf. So viele Fragen.

Das minimalistische und schnelle User Interface

Google Tasks macht genau etwas: Checklisten erstellen. Wenn du die App öffnest, dann begrüsst dich ein weisser Bildschirm.

Der Hauptbildschirm in Google Tasks

Alle Interaktionsmöglichkeiten sind am unteren Bildschirmrand untergebracht. Schnell wird klar: Tasks ist dazu da, mit einer Hand bedient zu werden.

Das sind alle Bedienelemente

Nicht alle wollen immer das Phone mit beiden Händen halten, egal wie gross der Bildschirm ist. Ich gehöre dazu. Basic Navigation ist bei mir so gemacht, dass ich sie einhändig ausführen kann.

<strong>Nova Launcher</strong>: Die besten fünf Stutz, die du je für dein Handy ausgeben wirst
SmartphoneHintergrund

Nova Launcher: Die besten fünf Stutz, die du je für dein Handy ausgeben wirst

Daraus kann ich in etwa folgenden Schluss ziehen, die sich jeder UI/UX-Mensch zu Herzen nehmen sollte.

  • Alle Interaktionsmöglichkeiten sollten im Portrait Mode unten am Bildschirm sein
  • Oben sollte möglichst nur Information angezeigt werden, aber keine Interaktionsmöglichkeiten zu finden sein

In der Praxis sieht das dann in etwa so aus wie bei Google Tasks.

Interaktionsmöglichkeiten im Kontext der App sind in Grün gehalten, im roten Bereich sollte tunlichst nichts sein

Einige Verbesserungsmöglichkeiten, wenn wir diese Philosophie der einhändigen Bedienung weiter durchdenken:

  • Die Tasks sollten nicht von oben nach unten aufgelistet werden, sondern von unten nach oben
  • Die Checkboxes sollten konfigurierbar links oder rechts des Tasks erscheinen, damit sie für Rechts- und Linkshänder funktionieren
  • Die Tasks sollten bis in den Whitespace scrollen. Damit jeder Task im unteren Drittel des Bildschirms angezeigt werden kann

So sollten die Tasks angeordnet sein, für Rechtshänder

Und für Linkshänder

Die Funktionen: Wenige und stellenweise wenig durchdacht

In der Benutzung zieht Google die Einfachheit und den Minimalismus hart durch. Du kannst nur sehr wenig tun, denn Google Tasks macht nichts, ausser dir Listen zum Abkreuzeln zu generieren. Also Einkaufslisten und Listen mit Aufgaben.

Wenn du auf den grossen blauen Knopf unten tippst, dann kannst du dir einen Einzeiler als Erinnerung eintragen.

Dazu kannst du, wenn du willst, eine kleine Beschreibung machen.

Wenn du schon weisst, wann du fertig sein musst, dann kannst du noch ein Datum hinzufügen

Die Sortierung der Tasks ist standardmässig so, dass neu eingegebene Tasks oben erscheinen. Das heisst, den ältesten Task hast du am nächsten bei den Bedienelementen. Bei etwa zehn Tasks oder so ist dann die Liste voll und ein Scrollbar erscheint.

In den Einstellungen kannst du dir eine «neue Liste» generieren, damit du den Einkaufszettel nicht mit den Notizen für die Arbeit mischen musst. Die Sortierung kannst du ändern von «Meine Sortierung» zu «Nach Datum».

Und das war's eigentlich schon. Du kannst dir Tasks eintragen, die dann abarbeiten und gut ist. Einfach, fix und verwirrend.

Das grosse Fragezeichen

Google Tasks verwirrt nicht, weil die App so kompliziert ist, sondern weil ich nicht ganz verstehe, warum die App in dieser Form existiert. Eine Effizienz-App, wie Apps wie Google Tasks einsortiert werden, hat Google schon veröffentlicht: Google Keep für Apple iOS und für den PC via Browser.

Google Keep ist mächtig und ebenfalls recht intuitiv. Einzig in Punkto User Interface hat Keep das Nachsehen. Denn Tasks ist definitiv hübscher und adaptiert Googles upgedatetes Material Design, das im Netz derzeit «Material Design 2» genannt wird. Es hat mehr Rundungen, etwas weniger Tiefeneffekt und mehr Weissraum.

In allem anderen steht Tasks Keep nach. Videoproduzentin Stephanie Tresch und ich verwenden Google Keep an Messen, wenn wir einen Drehplan während dem Morgenessen kurz thematisch umreissen. Wir machen einen «Keep-Zettel» pro Tag.

Der Grund, weshalb wir das so handhaben, ist, dass wir die Listen teilen können. Stephanie kann die Zettel bearbeiten, ich auch. Sie kann sie einsehen, ich auch. Auf Tasks ist das derzeit in der Version 1.0.193513435.release noch nicht möglich. Vielleicht kommt das noch, vielleicht nicht. Tasks arbeitet nur lokal auf deinem Phone, in der App. Deadlines tauchen nicht in deinem Google-Kalender auf, du kannst keine Kontakte verknüpfen und in Googles Google-App, die mit dem Newsfeed, tauchen die Tasks auch nicht auf. Google Home weiss auch nichts von Tasks. Google Tasks ist genau die eine App, die mit nichts anderem redet, keine Daten von anderen Orten integriert und keinerlei soziales Planen erlaubt.

Für Isolationisten ist das sicher ein Feature, ich vermisse die Interkonnektivität mit dem Rest des Ökosystems Googles. Daher frage ich mich auch nach dem Sinn, die App auf iOS zu portieren? Muss die App zwingend da sein? Welchen Mehrwert – wenn auch nur auf Papier – bringt das den Nutzern Apples? Denn auf Apples Plattformen sind Google Apps bestenfalls zu Kollaborations- und Synchronisationszwecken wirklich vernünftig. Da Tasks aber weder kollaboriert noch synchronisiert, ist die App auf iPhones sinnlos.

Droht ein Chaos wie das mit den Messengern?

Ferner erinnert Tasks, das im Wesentlichen Keep mit einem Facelift und ohne Interkonnektivität ist, an das Chaos, das Google im Laufe der Jahre mit seinen Messengern angerichtet hat. Kritiker des Grosskonzerns bemängeln schon seit Ewigkeiten, dass Google es nicht hingekriegt hat, einen valablen Konkurrenten zu WhatsApp, Facebook Messenger oder iMessage hinzukriegen. Kritiker aus den USA, wo das Datenvolumen noch limitierter vergeben wird als hierzulande, bemängeln das Fehlen eines SMS Fallback. Das heisst, dass Messages, die über das Datenvolumen verschickt werden, beim Ausgehen des Datenvolumens als normale SMS verschickt werden. Hierzulande ist das kaum ein Problem, da die meisten Abos mit unlimitiertem Datenvolumen kommen.

Viel gravierender aber ist die Sache mit den Apps. Denn da hat Google sich selbst ins Knie geschossen. Mehrfach. Mit Gusto.

Hier eine kleine Zeitlinie der Messenger Apps aus dem Hause Google.

  • August 2005: Google Talk (hiess damals Google Chat)
  • Oktober 2008: Google Talk und SMS auf den ersten Android-Geräten
  • Juni 2011: Google+ bringt Google Huddle und Google Hangouts
  • Mai 2013: Google+ integriert Hangouts und verschlingt Google Talk und Huddle
  • September 2014: Google Voice wird in Hangouts integriert
  • April 2015: Project Fi. Integriert Hangouts
  • Januar 2016: Google Messenger wird veröffentlicht. Ersetzt Hangouts als SMS-App
  • Mai 2016: Google Allo erscheint, ein Text Messenger
  • Mai 2016: Google Duo erscheint, eine Video Chat App
  • Juni 2016: Google Talk wird eingestellt unter Android und unter GMail
  • Februar 2017: Google Messenger wird zu Android Messenger umbenannt
  • März 2017: Google kündigt an, dass Hangouts zu Hangout Chats wird und der Fokus der Hangouts wird auf Firmen gelegt
  • April 2018: Google kündigt an, dass das «Investment in Allo pausiert wird». Der Fokus liegt auf Chat, einem neuen Standard, der SMS ersetzen soll

Aktuell funktionieren Allo, Duo und Hangouts alle noch parallel.

Die Frage nun: Droht uns Ähnliches mit den Effizienz-Apps?

User
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

12 Kommentare

Bitte melde dich an.

Du musst angemeldet sein, um einen neuen Kommentar zu erfassen.


User autohunziker

Tasks benutze ich schon seit einigen Jahren. Hauptsächlich auf dem PC und unterwegs im Browser. Als Notizblock der immer synchronisiert ist. Das ist nichts Neues.

11.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User Figumari

Nicht die neue Task-App verwirrt, sondern dieser Beitrag. Google Task gibt es tatsächlich schon seit Jahren und ist (Gmail, Kalender) oder war (Wave) in diversen Google Diensten integriert. Schon unter Android 1.5 gab es Apps, die auf diese Tasks zugegriffen haben. Das Neue ist lediglich, dass Google selbst jetzt eine solche App für Android und iOS anbietet. Ausserdem ist mir schleierhaft, wie man Google Task (Aufgabenlisten) mit Google Keep (Notizen) vergleichen kann. Das sind zwei paar Schuhe.

14.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

Antworten
User fluxxis

Bin vor einiger Zeit auf Microsoft To-Do umgestiegen und kann es nur empfehlen. Clients für alle Plattformen und eine beständige Weiterentwicklung mit neuen, sinnvollen Features. Das einzige was mir fehlt ist eine Integration in IFTTT wie es Todoist geboten hat.

11.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User Anonymous

Nun Microsoft machte es sich einfach und kaufte Wunderlist als Basis seiner App. Wunderlist war ja auch gut, aber noch weit von perfekt. Da kommt ToDoist Premium schon näher.
PS: Hier geht es um Google. Und ich finde es lamentabel, dass dieser Riese an SW-Entwickler noch nichts Gutes fertigstellte. Unglaublich.

12.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

Antworten
User 999pat999

Für mich gibt es nur wunderlist.com - seit einem grossen Debakel bei einem Update (Jahre her) funktioniert das Ding tadellos, Sync auf iPhone, iPad und Desktop (+ Web) tadellos, leistet alles, was Tasks leistet, aber noch viel mehr - ohne komplizierter zu sein!

11.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User Anonymous

Na ja, Wunderlist ist ja auch nicht mehr so wie es mal war. Microsoft hat die Wunderboys vor einiger Zeit mal gekauft. Die MS App wurde seither besser, Wunderlist selber dümpelt eher vor sich hin. Dafür sind die Gründer ganz schön reich.

12.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User 999pat999

Was soll denn nicht mehr so sein "wie es mal war"? Von Hintergrund und Philosophie her vielleicht, ja. Aber die Funktionalität ist tipptopp und ich werde nicht - wie sonst sehr üblich - ständig dazu gedrängt, die kostenpflichtige Version zu benutzen.

13.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

Antworten
User rivendare

Ici le propos est de dire que Tasks est redondant avec Keep, mais c'est très subjectif. Utiliser un post-it pour se rappeler de quelque chose n'est qu'un sous-ensemble des possibilités d'un post-it. Mais à l'inverse intégrer Keep dans Google Agenda ou dans Gmail est bien plus compliqué.

30.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User rivendare

Des considérations techniques vis-à-vis du machine learning sont aussi sûrement derrière. Il est facile de formaliser une liste de tâches: Ajoute "faire le ménage" à mes tâches. Par contre, un post-it peut contenir autant une recette de cuisine, qu'un contact, qu'une tâche. Formaliser une recette de cuisine pour l'IA sera différent. On se voit mal dire à un assistant : ajoute à mes notes "Préchauffer le four à 180°C. Ensuite commencer par battre les oeufs...". Possible mais moins naturel.

30.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

Antworten
User triumphs

Tasks, en tant qu'outils intégré à GMail, n'est pas récent du tout. Cela fait des années que je l'utilise dans et d'une façon bien différente de Keep; c'est plus un aide-mémoire direct (très utiles pour extraire des éléments dans les files d'e-mails) que Keep.

31.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

User triumphs

Tasks bénéficie d'un accès simple (bien plus que keep) lorsque l'on travaille avec l'interface GMail. Le fait est que cet outil n'était pas disponible sur la version mobile de GMail. Malheureusement, Google en a fait une app séparée, ce qui oblige à naviguer entre deux apps, comme on le ferait avec Keep. Dommage.

31.05.2018
Missbrauch melden

Du musst dich anmelden um einen Missbrauch zu melden.

Antworten