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Genial, verflucht, haha, aaaaarggg. Mein Emotionsverlauf in «Into the Breach»

Frust und Freude lagen selten so nahe beieinander wie in «Into the Breach». Das Taktik-Game der «FTL»-Macher fordert viel von dir, belohnt dich aber auch entsprechend.

«Faster Than Light» oder kurz «FTL» ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Das rundenbasierte Sci-Fi-Game mit pixeligen Raumschiffen und sensationellem Soundtrack hat mich stundenlang gefesselt. Klar, dass ich mir den Nachfolger des Zweimann-Studios Subset Games nicht entgehen lassen würde. Seit Dienstag ist «Into The Breach» auf Steam verfügbar. Mich hat es wieder voll gepackt – auch wenn ein paar Dinge zur Vollendung fehlen.

Etwas Altes und etwas Neues

Wer «FTL» gespielt hat, dem wird vieles bekannt vorkommen. Das fängt an bei der wunderschönen 8-Bit-Optik und der stimmungsvollen Musik, die erneut Ben Prunty komponiert hat. «Into the Breach» spielt ebenfalls in der Zukunft, allerdings nicht mehr im Weltraum, sondern auf festem Boden. Auf einem schachbrettartigen Spielfeld versuchst du in rundenbasierten Kämpfen mit drei mechanischen Einheiten fünf Runden zu überleben. Deine Gegner sind riesige Alienmonster namens Vek mit fiesen Fähigkeiten.

Das Spielfeld wirkt klein, bietet aber jede Menge Manövrierfähigkeit.

Ein Spielzug besteht aus einer Bewegung und einer Aktion wie Angriff oder Reparieren. Du bewegst dich auf dem 8x8 Felder grossen Spielbrett und versuchst, Gegner zu vernichten oder davon abzuhalten, zivile Gebäude zu zerstören. Die sind nämlich das Äquivalent zum Reaktor in «FTL». Mit jedem Gebäude, das zerstört wird, verlierst du Energie. Fällt sie auf Null, ist das Spiel zu Ende und du beginnst von vorne (Rogue-like halt). Daneben gibt es optionale Aufgaben wie ein Kraftwerk zu beschützen, eine bestimmte Anzahl Gegner zu töten oder eine Rettungskapsel zu bergen. Die Bonusziele sind extrem wichtig, da du für sie mit neuer Energie oder Upgradepunkten belohnt wirst. Letztere steckst du in neue Fähigkeiten oder Waffen für deine Piloten und ihre Mechs.

Taktisches Pöbeln

Ein Grossteil der Taktik basiert auf Herumschubsen von Einheiten. Alle Einheiten und Gegner haben verschiedene Fähigkeiten. Einer der ersten Mechs (später schaltest du neue frei) boxt seine Feinde. Dabei fallen sie ein Feld zurück. Steht dort ein Hindernis wie ein Gegner (oder ein Freund) nimmt dieser auch Schaden. Das kann sich mehrere Felder weiter stapeln. Eine andere Fernkampfeinheit schiesst Raketen, die alle umliegenden Einheiten, ausser die getroffene, wegschiebt. Deine Feinde haben genauso Tricks auf Lager. Mal schiessen sie zwei Felder weit, mal kleben sie dich am Boden fest, mal verschiessen sie Bomben. Da das Spiel rundenbasiert ist, bleibt dir (theoretisch) genug Zeit, um zu reagieren und Angriffen auszuweichen. Denn die Gegner künden ihre Züge immer an.

Gegner, die nicht schwimmen können, sterben, wenn sie ins Wasser fallen.

Du musst nicht alle Gegner besiegen, um einen Level zu gewinnen. Im Prinzip reicht es, fünf Runden mit mindestens einem Mech zu überleben. Zwei von drei Piloten sind dann halt tot. Wenn diese bereits viel Erfahrung gesammelt haben, schmerzt das. Bei einem Game Over kannst du dank Zeitmaschine immerhin einen Piloten retten.

So weit so gut. Das Grundprinzip von «Into the Breach» ist schnell verstanden. Mit jedem neuen Zug und jeder neuen Karte und jedem neuen Gegner kommen jedoch auch neue Mechaniken hinzu. Gerade am Anfang wirst du dich sehr oft aufregen, weil du wieder irgendwas vergessen hast. So jubelst du über die Vernichtung eines Krabbelviechs, nur um Sekunden später an der Explosion des Kadavers zu sterben. Oder du weichst einer Attacke aus, nur um anschliessend mitanzusehen, wie das Gebäude hinter dir zerstört wird. Umgebungseffekte wie Stürme, Fluten und Luftangriffe gilt es auch noch einzukalkulieren.

Es gibt viele verschiedene Welten.

Je weiter du im Spiel voranschreitest, desto komplexer wird es. Du musst oft sehr gründlich überlegen, wie du eine Situation entschärfst. Glücklicherweise kannst du Bewegungen rückgängig machen, solange du noch nicht angegriffen hast. Einmal pro Partie darfst du sogar einen ganzen Zug neu starten. Obwohl ein Kampf aus nur fünf Runden besteht, ist jede Begegnung ein kleines Rätsel. Das richtige Positionieren ist das A und O von «Into the Breach». Es ist ungemein befriedigend, wenn du eine aussichtslose Situation doch noch zu deinen Gunsten gedreht hast. Mindestens so nervig ist es, wenn du schon wieder eine Kleinigkeit übersehen hast und dadurch alles den Bach runter geht.

Das Team kann selber zusammengestellt werden.

«Hammergeil, ahh Fuck, haha grossartig, neeeeiiiin»

«Into the Breach» ist ein Wechselbad der Gefühle. Das Spiel bietet extrem viele taktische Möglichkeiten; die vielen verschiedenen, frei kombinierbaren Einheiten erlauben unzählige Spielweisen. Da es sich am Rogue-like-Spielprinzip orientiert, wirst du allerdings auch oft das Gleiche machen. Es gibt zwar erstaunlich viele optionale Ziele, aber irgendwann kennst du trotzdem alle.

Was mir im Vergleich zu «FTL» am meisten gefehlt hat, ist das Entdecken. In «FTL» ist jeder Raumsprung spannend, da du nie weisst, was dich erwartet. Jedes besiegte Raumschiff birgt interessante Beute und regelmässig triffst du auf gestrandete Astronauten oder gehst Hilferufen nach. Das gibt es bei «Into the Breach» fast gar nicht. Du wählst eine Insel aus, die aus verschiedenen Missionen besteht. Ab und zu gibt es Rettungskapseln mit Piloten, Waffen oder Upgrade-Elementen. Und damit hat sichs. Es gibt somit weniger Überraschungen und Belohnungen.

Dennoch hat mich «Into the Breach» von Anfang an gefesselt. Der Taktik-Rollenspiel-Mix ist schlichtweg genial, bringt viel Spieltiefe und macht absolut süchtig. Tipp: Stell alle werfbaren Gegenstände ausser Reichweite.

Das Spiel ist erhältlich für PC und soll demnächst für Linux und Mac portiert werden.

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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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