Gamescom: 13 Spiele, die mich schwer beeindruckt haben
Gamescom: 13 Spiele, die mich schwer beeindruckt haben
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Gamescom: 13 Spiele, die mich schwer beeindruckt haben

Philipp Rüegg
Zürich, am 22.08.2019
In einem einzigen Tag hab ich über 20 Spiele angespielt und noch mehr gesehen. Hier sind meine 13 Favoriten, die den grössten Eindruck hinterlassen haben.

Bevor du dich fragst, wo Call of Mutti, Watch Dogs Legion oder Borderlands 3 sind, muss ich dich enttäuschen. In der knappen Zeit, die mir zur Verfügung stand, habe ich mich tendenziell auf Spiele konzentriert, die nicht schon in den nächsten ein bis zwei Monaten erscheinen oder in Form von Betas bereits spielbar sind. In diesem Sinne: Hier meine persönlichen Highlights der diesjährigen Gamescom.

«Bleeding Edge»

Die Parallelen zu «Overwatch» sind nicht von der Hand zu weisen. Einer der anwesenden Entwickler gab auch offen zu, dass Blizzards Multiplayer-Shooter eine Inspirationsquelle war. Davon abgesehen hat «Bleeding Edge» definitiv genug Alleinstellungsmerkmale um sich vom Genre-Primus abzuheben. Allen voran das ausgefallene Charakterdesign. Da gibt es beispielsweise die verrückte Oma Maeve, die mit einem Ballon herumschwebt oder die gut gebaute Kampfbraut Buttercup, die statt Beine ein motorisiertes Einrad besitzt. Aktuell sind es zwar erst zehn, drei Tanks, drei Damage Dealer und vier Support. Mehr sollen aber folgen.

Wir haben den Modus Domination gespielt, wo sich zwei Vierer-Teams gegenüberstehen und um drei Punkte auf der Karte kämpfen. «Bleeding Edge» ist deutlich nahkampflastiger als «Overwatch». Das Zusammenspiel im Team ist enorm wichtig und auch das Einsetzen der individuellen Supermoves. Die Mischung aus ausgefallenen Design, chaotischer Action und schnellem Gameplay hat einen guten Eindruck hinterlassen.

Das Spiel soll Anfang 2020 für die Xbox One erscheinen.

«Planet Zoo»

Wer hätte gedacht, dass so ein Zoo so verdammt kompliziert sein kann? Im Hintergrund von «Planet Zoo» werkelt eine äusserst komplex wirkende Simulation, die Launen und Bedürfnisse von Wärtern, Besuchern und Tieren regelt. Bei der Konstruktion deines Zoos musst du darum einiges beachten, wenn du ein erfolgreicher Zoodirektor sein willst. Nebst all den Konstruktionsmöglichkeiten mit denen du deinen Zoo ausbauen kannst, sind ganz klar die Tiere das Herzstück des Spiels. Sie sehen erstaunlich realistisch und knuffig aus. Du kannst bis auf wenige Zentimeter ranzoomen und den Löwen dabei zusehen, wie sie sich ihr Fell ablecken. It’s so fluffyyyyyy.

Erscheint im November für PC

«Minecraft Dungeons»

Wem «Diablo» und «Minecraft» gefällt, der muss «Minecraft Dungeons» im Auge behalten. Das Spiel verbindet den ikonischen Klötzchenlook mit Blizzards Loot-Action. Das Design ist erstaunlich stimmig, mit hübschen Lichteffekten und ausgefallenen Monstern – viele davon stammen natürlich direkt aus «Minecraft». Es ist an Kinder gerichtet, hat mir aber dennoch beim Anspielen viel Freude bereitet. Es gibt kleinere Schalter-Rätsel oder mal musst du einen Schlüssel finden, der ein Eigenleben führt und einfach davon hopst, wenn du angegriffen wirst.

Erscheint 2020 für PC und Xbox One.

«Maneater»

«Maneater» ist ein abgedrehtes Openworld-Hai-RPG. Du bist Teil der Reality TV Show «Shark Hunters vs. Maneaters», in der sich Menschen mit Haien duellieren. Du wurdest als Babyhai vom Oberjäger Scaly Pete verunstaltet und frisst dich nun durch die Nahrungskette, damit du zum riesigen Menschenfresser heranwächst. Du schaltest dabei neue Fähigkeiten wie ein härteres Gebiss oder stärkere Panzerung frei. Die Entwickler zeigten uns drei Upgrades: Den Schleich-Hai, den Elektrotentakel-Hai sowie den Knochenpanzer-Hai. Die Designs sind absolut abgefahren.

Auf deinen Raubzügen frisst du allerhand Meeresgetier und natürlich auch Menschen. Das ruft allerdings die Jäger auf den Plan, die dir mit Gewehren auf den Leib rücken. «Maneater» ist in verschiedene Gebiete aufgeteilt, die je von einem Alpha-Tier beherrscht werden. In unserem Falle war es das dreibeinige Riesenkrokodil Rosie, die als Erkennungsmerkmal eine rosa Schleife trägt. Wenn du sie besiegst, gibt es Bonusattribute.

Das Spiel wird kommentiert von Chris Parnell (Rick and Morty, Archer) und ist durch und durch abgedreht und humorvoll. Das grosse Fressen beginnt im nächsten Jahr auf PC.

«Blacksad»

«Blacksad» hat seinen Ursprung in einem spanischen Comic, das sich durch seinen detailverliebten Stil, die aussergewöhnliche Bildkompositionen und eine düstere Geschichte auszeichnet. Ein Band widmet sich alleine dem Making of dieses beeindruckenden Werks. Die Story im Spiel dreht sich um den Privatdetektiv John Blacksad, der einen Mord aufklären muss. Er ist ein Kater und auch der Rest der Bevölkerung sind Tiere. Das Spiel erinnert etwas an ein Telltale-Adventure. Es gibt Quick-Time-Events, in denen du auch ins Gras beissen kannst. Die Story ist schwermütig und erwachsen. Es geht um Sex und Gewalt und das 1940er-Setting wird untermalt von einem subtilen Jazzsoundtrack. Die englischen Sprecher tun ihr übriges, um ein stimmiges Bild zu erzeugen. Ich bin gespannt, ob das Spiel das Niveau wird halten können.

«Blacksad Under the Skin» erscheint am 5. November auf Steam.

«Zelda Link’s Awakening»

Wer «Link’s Awakening» auf dem Gameboy gespielt hat, wird sich direkt Zuhause fühlen. Das Remake für die Switch ist eine Liebeserklärung an den Klassiker aus dem Jahre 1993. Die Levels sind fast 1:1 aus dem Original entnommen. Nur sehen sie mit der zum Verlieben knuffigen Diorama-Optik nun so richtig zum Anbeissen aus. Es liegen Welten zwischen der Monochromen-Gameboy-Version und der Switch-Neuauflage. Ansonsten erwartet dich das Zelda-typische Rätsel-Kampf-System nur dass du bei fast jeder Interaktion über das schicke Design staunen wirst.

Erscheint am 22. September für die Switch.

The Legend of Zelda: Link's Awakening
51.80
Nintendo The Legend of Zelda: Link's Awakening
The Legend of Zelda: Links Awakening - LE (Switch, DE)
Nintendo The Legend of Zelda: Links Awakening - LE (Switch, DE)

«Death Stranding»

Hideo Kojimas neustes Werk wird ein schräger Trip. So richtig den Durchblick hat noch niemand, aber die Welt scheint durch irgendein Ereignis verwüstet worden zu sein. Die USA gibt es nicht mehr, an ihre Stelle tritt die United Cities of America, UCA. Die Städte sind zersplittert und die neue Präsidentin, die eigentlich nur ein Hologramm ist, weil ihr Körper in einer feindlichen Stadt gefangen gehalten wird, will Amerika einen. Du (Norman Reedus) sollst dabei helfen. Dabei schleppst du ein Baby in einem Tank mit dir herum, weil nur Babys oder BBs die unheimlichen unsichtbaren Monster sehen können, die die Welt zu beherrschen scheinen. Alles an «Death Stranding» ist schräg, aber gleichzeitig faszinierend. Die vielen bekannten Schauspieler tragen einiges dazu bei, dass die Story fesselnd erzählt wird. Nebst der Sprachausgabe ist mir das Sounddesign positiv aufgefallen, das mir im Vorstellungskino nicht nur wegen der riesigen Lautsprecher meinen Körper zum vibrieren brachten.

«Death Stranding» erscheint am 8. November für PS4.

Death Stranding - Special Edition (PS4, DE)
79.90
Sony Death Stranding - Special Edition (PS4, DE)

«Concrete Genie»

Ein Spiel, von dem ich noch nie was gehört hatte. Du spielst einen Teenager, der mit seinem magischen Pinsel (nein, das ist kein schlechtes Wortspiel) die Welt wieder zum leuchten bringen will. Dazu musst du in den kleinen Arealen die Wände mit bunten Mustern bemalen. Dabei kannst du dich kreativ austoben. Du findest in den Levels regelmässig neue Zeichnungsvorlagen. Daneben gibt es Genies, die du selber gestalten kannst. Sie erwachen anschliessend zum Leben, können sich aber nur an den Wänden entlang bewegen. Sie helfen dir gelegentlich, wenn du ein Tor nicht aufkriegst oder ähnlichen Hindernissen. Das Design von «Concrete Genie» mit seinen vielen Farben und Lichtern hat mir enorm gut gefallen. Es dürfte sich an ein eher jüngeres Publikum richten, besitzt aber so viel Charme, dass sich auch Leute wie ich davon angesprochen fühlen. Das Gameplay ist allerdings nicht besonders tiefgreifend und es bleibt abzuwarten, wie schnell sich das Malprinzip abnutzt.

Erscheint am 8. Oktober für die PS4.

«Cyberpunk 2077»

Der Hype um «Cyberpunk 2077» ist gigantisch. Und die knappe Stunde, in der mir das Spiel vorgespielt wurde, hat ihn nicht schmälern können. Die Welt wirkt nach wie vor unfassbar detailliert und lebendig. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Besonders aufgefallen ist mir das Zusammenspiel aus der Neon-Farbpalette und dem Licht- und Schatten-System. Die optische Präsentation ist ein Traum. Aber auch das Gameplay hat einmal mehr beeindruckt.

Söldner V hat den Auftrag gekriegt, ein Einkaufszentrum für eine Gang zurückzuerobern. Dabei haben die Entwickler regelmässig zwischen zwei Charakter-Typen hin- und her gewechselt. Einmal war V ein männlicher Hacker und im anderen Fall eine Dame fürs Grobe. Während sich Hacker-V mehr aufs Schleichen verliess und mit einer orange leuchtenden Klaviersaite Gegner hackte oder ihnen damit Gliedmassen abtrennte, nahm Prügel-V den direkten Weg und riss Türen mit blossen Händen auf. Geschütztürme konnte sie als Waffe umfunktionieren und damit selber Gegner ins Visier nehmen. Noch mehr als die Action hat mich das Dialogsystem beeindruckt. Wie schon bei «The Witcher 3» laufen die Dialoge sehr dynamisch ab. Die Charaktere bleiben selten einfach nur stehen und die Kamera wechselt regelmässig die Perspektive. So wirst du viel mehr von den Dialogen eingenommen und weniger zum überspringen verleitet.

«Cyberpunk 2077» ist wow, einfach nur wow.

Das Spiel erscheint für PS4, Xbox One und PC am 16. April.

Cyberpunk 2077 - Day One Edition (PS4, ML)
67.–
Cyberpunk 2077 - Day One Edition (PS4, ML)
Cyberpunk 2077 - Day One Edition (Xbox One, Xbox Series X, ML)
67.–
Cyberpunk 2077 - Day One Edition (Xbox One, Xbox Series X, ML)

«Everspace 2»

Der erste Teil ist ein Weltraum-Action-Game mit Rogue-Like-Elementen. Du ballerst dich von Sternensystem zu Sternensystem, sammelst Ressourcen, schiesst Piraten ab und erledigst Aufträge. Stirbst du, fängst du wieder von vorne an. Deine Raumschiff-Upgrades bleiben aber erhalten. Dennoch erklärte mir einer der Entwickler, dass diese System der grösste Kritikpunkt am ersten Teil gewesen sei. Darum wird «Everspace 2» ein Open-World-Space-RPG. Wenn du stirbst, musst du nicht mehr von vorne beginnen. Du kannst den Weltraum relativ frei erkunden, du findest laufend neue Missionen und Abenteuer. Neue Weltraumhafen dienen als Hubs für Upgrades, Einkäufe etc. Auch optisch hat sich einiges getan. «Everspace 1» gehört heute noch zu den bestaussehendsten Space-Games und Teil 2 legt nochmal eine Schippe drauf. Es gibt zersplitterte Asteroidenfelder, bunte Gasnebel und riesige leuchtende Planeten. Zum Anbeissen.

«Everspace 2» erscheint voraussichtlich 2021 für PC. Anfang 2020 soll eine Kickstarterkampagne starten mit Early Access-Möglichkeiten.

«Wasteland 3»

«Wasteland 3» macht konsequent da weiter, wo Teil 2 aufgehört hat. Jede Menge Inhalt, Schwarzer Humor, blutige Action, skurrile Charaktere und eine spannende Story. Chefentwickler Brian Fargo erklärte mir zudem, dass sie durch die Studio-Übernahme durch Microsoft einen Haufen Geld bekommen haben und damit «Wasteland 3» nun richtig sexy aussehen lassen können. Da muss ich ihm zustimmen. Im Vergleich zu «Wasteland 2», das wirklich nicht besonders ansehnlich war, kannst du im neusten Teil richtig nah ranzommen und die detailliert designten Rüstungen und Waffen deiner Charakter bestaunen. Und die Effekte der Laserwaffen, Schnee, der sich auf den Dächern festsetzt oder gleissende Explosionen lassen die Mundwinkel nach oben schnellen.

Gespielt wird nach wie vor mit einer Party aus bis zu vier Personen. Neu ist, dass du zusätzlich ein gepanzertes Fahrzeug besitzt, das du nicht nur aufrüsten kannst, es kann im Kampf gesteuert werden. Und das Teil hat es in sich. Du kannst damit über jegliche Hindernisse fahren und Gegner unter den riesigen Rädern zermatschen.

«Wasteland 3» wird erneut ein langes Spiel (rund 50 Stunden) und zwei Spieler können zwei völlig unterschiedliche Wege gehen. Das war schon im ersten Teil so. Da aber die wenigsten Zeit haben, das Spiel mehrmals durchzuspielen, wollte Fargo dafür sorgen, dass die Inhalte besser ersichtlich sind. Konntest du früher an grossen Teilen des Spiels ahnungslos vorbeigehen, soll dir das Spiel nun besser zeigen, was es alles zu entdecken gibt.

«Wasteland 3» erscheint 2021 für PC, Xbox One und PS4.

«Conan Chop Chop»

Wenn du «Castle Crashers» noch kennst, dann hab ich hier was ganz besonderes für dich. Das kultige Xbox-360-Game haben ich und meine Freunde bis zum Umfallen gespielt. «Conan Chop Chop» füllt nun diese viel zu sehr vernachlässigte Nische. Bis zu vier Spieler können sich gemeinsam durch Horden von Gegnern schnetzeln und Gold sammeln, das in neue Ausrüstung gesteckt werden kann. Da Gold nicht geteilt wird, hamstert jeder, was er kann. Das Kampfsystem ist sehr zugänglich. Du kannst schlagen, blocken und ausweichen. Letzteres brauchst du, um dich aus brenzligen Situationen zu befreien. Viele Monstern hinterlassen giftige Schleimspuren oder But, worauf du ausrutschen kannst.

Wenn einer vom Team stirbt, können ihn die anderen wiederbeleben. Sterben jedoch alle, fangt ihr wieder von vorne an. Der ganze Fortschritt und alle Ausrüstung ist dann dahin. Finde ich persönlich schade, aber je nachdem wie schnell du Gold sammelst für Upgrades, ist es vielleicht nur halb so wild.

«Conan Chop Chop» erscheint am 3. September für PC, PS4, Xbox One und Switch.

«Atomicrops»

In «Atomicrops» spielst du eine schiesswütige Bäuerin. Wie in «Stardew Valley» bestellst du deine Felder und pflanzt merkwürdiges Alien-Gemüse an und bewässerst es fleissig. Daneben ballerst du mit deiner Laserpistole gefrässige Alienviecher in den Allerwertesten. Besonders wenn es Nacht wird, wollen alle an deinen Rüben knabbern. In der Stadt kannst du neue Samen und Ausrüstung kaufen, um deine Farm auszubauen. Wenn du mal nicht Felder bestellst, kannst du die Umgebung erkunden, die voll gefrässiger Monster ist. Das bunte Pixeldesign und der Sound haben mir sehr gut gefallen. Schade ist aber auch hier, dass es auf Rogue Like setzt und du nach deinem Ableben wieder von vorne anfangen musst. Ob es irgendwelche persistente Elementen geben soll, verrät sich der Entwickler noch nicht.

Soll noch 2019 im Early Access für PC starten und 2020 auf Konsolen landen.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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