Flecken auf dem Kamera-Sensor – was nun?

David Lee
Zürich, am 29.01.2018
Den Sensor der Kamera kannst du selbst reinigen. Das ist aber nicht so einfach und auch nicht ganz ungefährlich. Ich habe es ausprobiert.

Auf dem Sensor der Kamera sammelt sich mit der Zeit Staub und Schmutz an. Das kann bei jeder Kamera passieren. Besonders anfällig sind jedoch Kameras mit Wechselobjektiven, vor allem solche ohne Spiegel, weil dort der Sensor direkt hinter dem Objektiv sitzt.

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Im Teil des Himmels deutlich zu erkennen: Der Sensor ist verschmutzt.

Doch bevor du zu Schrubber, Putzessig und grünem Schwamm greifst: Vorsicht, der Sensor ist relativ heikel. Er ist nicht so hart wie zum Beispiel das Objektivglas. Wenn du da einfach mit einem Brillenputztuch herumschmirgelst, können Staubkörner die Oberfläche zerkratzen. Dann ist die Kamera bereit zur Entsorgung. Ausserdem bringt diese Art Reinigung auch gar nicht so viel.

Was also tun? Du solltest schrittweise vorgehen. Zuerst kommen die einfachen und ungefährlichen Massnahmen, dann wird stufenweise eskaliert.

Diagnose: Ist es wirklich der Sensor?

Sensorflecken siehst du – ausser in ganz krassen Fällen – nur, wenn die Blende geschlossen ist. Mach ein Testfoto im A-Modus (Blendenvorwahl) von einer weissen Fläche und mit kleinster Blende (z.B. f/22). Das Foto darf verwackelt und unfokussiert sein – das ist sogar gut. Wenn Flecken auf dem Foto zu sehen sind, wiederhole die Aufnahme mit einem anderen Objektiv. Sind die Flecken immer noch genau gleich, liegen sie auf dem Sensor.

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Gleiche Aufnahmesituation wie oben, aber mit Blende F5 statt F22. Die Flecken sind kaum zu sehen.

Bei Spiegelreflexkameras kann Schmutz auch auf dem Spiegel oder dem Prisma (der zweite Spiegel oben) liegen. Das siehst du dann nur im Sucher, nicht aber auf den Fotos.

Am kleinen Kamerabildschirm siehst du die Flecken nur, wenn sie sehr auffällig (gross und dunkel) sind. Oder wenn du auf genau die richtige Stelle reinzoomst. Schau dir das Testbild deshalb am Computer an. Am deutlichsten werden Verunreinigungen sichtbar, wenn du im Lightroom das Bereichsreparatur-Werkzeug und dann die Option «Bereiche anzeigen» aktivierst.

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Mit dieser Lightroom-Einstellung werden Verunreinigungen sofort sichtbar.

Bei einer Systemkamera ohne Spiegel schraubst du einfach mal das Objektiv ab, dann siehst du direkt auf den Sensor. Auch hier kannst du Objektivverschmutzung ausschliessen, indem du mit zwei Objektiven und mit kleiner Blende eine weisse Fläche ablichtest.

Massnahme 1: Selbstreinigung

Die meisten Kameras können den Sensor durch schnelles Schütteln selbst reinigen. Das funktioniert einigermassen gut, solange die Verunreinigungen nicht auf dem Sensor festkleben, sondern nur als lose Staubteile herumfliegen. Die Sensorreinigung rufst du im Kameramenü auf.

Massnahme 2: Ausblasen

Die nächste Eskalationsstufe: Ausblasen mit einem Blasebalg. Da nimmst du nicht den fürs Cheminée, sondern ein spezielles Ding für Kameras. Kostet nicht die Welt, man kann damit nichts kaputt machen und natürlich ist er wiederverwendbar.

Nimm das Objektiv weg, halte die Kamera mit der Öffnung nach unten und blase von unten auf den Sensor.

Unterschied bei Kameras mit und ohne Spiegel: Bei Spiegelreflexkameras (SLR) musst du vorher im Kameramenü angeben, dass du die Kamera manuell reinigen willst. Dafür muss der Akku voll oder fast voll sein. Die Kamera klappt darauf den Spiegel hoch und öffnet den Verschluss. Erst dadurch gelangst du überhaupt an den Sensor, der relativ weit hinten liegt. Bei spiegellosen Kameras ist das alles nicht nötig. Einfach Objektiv abschrauben und da liegt er schon.

Manuell reinigen

Nach dem Ausblasen immer noch Flecken auf dem Sensor? Dann muss er von Hand gereinigt werden. Das kannst du machen lassen oder selbst versuchen.

In unserem Shop findest du Nassreinigungs-Kits mit zwölf sogenannten Swabs. Das sind so Griffe, die am unteren Ende eine Art Putztuch dran haben und genau so breit sind wie der Sensor. Dadurch kannst du den Sensor in einem Wisch reinigen. Das soll verhindern, dass es Schlieren gibt. Zuvor werden 2–4 Tropfen einer Putzflüssigkeit auf das Ende des Swabs geträufelt.

Natürlich musst du bei den Swabs die passende Grösse für deinen Sensor wählen. Die Zahl gibt den Crop-Faktor an: 1.0 ist für Vollformatsensoren, 1.5 für APS-C-Sensoren.

Ich reinige im Video die Sony A7S II. Das ist eine Vollformatkamera, daher brauche ich das Set mit dem Crop-Faktor 1.0.

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Ich habe das vor laufender Kamera ausprobiert, ohne jemals zuvor einen Sensor selbst gereinigt zu haben. Der eine Sensor war sehr stark verschmutzt, und der grösste Teil der Flecken ging weg, aber ganz sauber wurde die Oberfläche nicht. Ausserdem verbrauchte ich etwa die Hälfte der Swabs. Es ist also nicht so, dass ein Set mit 12 Swabs für 12 Reinigungen reicht. Wenn du Pech hast, schaffst du damit nur eine oder zwei. Die Reinigungsflüssigkeit reicht hingegen für wesentlich mehr als zwölf Durchgänge. Deshalb kannst du die Swabs auch ohne Putzmittel kaufen.

Vor dem Reinigen wiederholst du am besten nochmal das Ausblasen. Den Boden saugst du ja auch, bevor du feucht durchwischst. Und natürlich solltest du nach jedem Durchgang mit einem Testfoto prüfen, ob der Sensor nun sauber ist. Um das auch auf dem kleinen Kamerabildschirm zu sehen, merkst du dir am besten, in welchem Bildbereich sich die auffälligsten Flecken befinden und zoomst dann dort rein.

Wenn die Flecken nicht weggehen, versuch nicht, durch mehr Flüssigkeit oder mehrfachem Durchziehen «nachzuhelfen». Das schadet mehr als es nützt, es können sich so Schlieren bilden. Gemäss Anleitung muss man für jeden Durchgang einen neuen Griff verwenden. Das leuchtet irgendwie ein – ich will ja nicht den bereits beseitigten Dreck wieder neu auftragen. Andererseits kann das bei häufigen und hartnäckigen Flecken schnell teuer werden.

Alternative: reinigen lassen

Nach dieser nicht ganz optimalen Putzaktion scheint mir die Alternative «lass eine Fachperson ran und bezahle dafür» nach wie vor besser. Es kommt natürlich immer ein wenig auf den Preis an und wie oft du das machen musst.

Als Anlaufstellen bieten sich die wenigen Fotofachgeschäfte an, die es noch gibt. Die sind in der Regel gut ausgerüstet und machen das auch nicht zum ersten Mal.

Deine Nikon-Kamera kannst du direkt bei Nikon Schweiz einschicken oder vorbeibringen. Das kostet ungefähr 70 Franken (ohne Porto).

Wir werden noch in einem Fachgeschäft vorbeigehen und schauen, wie die das machen. Vielleicht gibt es ja einen entscheidenden Trick, den ich nicht kenne. Wir halten dich auf dem Laufenden.

Update

Ich habe nun schon von mehreren Leuten gehört, dass man vor der Nassreinigung eine Trockenreinigung vornehmen sollte. Mit einem Sensorpinsel.

Der Vorteil gegenüber der Nassreinigung ist offenbar, dass man damit nichts zerkratzt. Der Leser Josef Hertli empfiehlt (per Mail) den Sensorpinsel zusammen mit der Sensorlupe. Denn:

Hat es ölige oder fettige Ablagerungen auf dem Sensor, sollte die Kamera zum Fachhändler oder Hersteller – als Laie schafft man da meist nur eine Verschlimmbesserung.

Und diese Ablagerungen sieht man mit der Lupe. Angeblich. Ich habe das bis jetzt nicht ausgecheckt.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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