
Entwickler speichert Musikstück auf Papier
Ein Software Engineer wollte wissen, ob er einen Song auf einen QR-Tag speichern kann. Ein einziger Tag reicht nicht, aber mit mehreren auf einem Blatt klappt es.
Am Ende liegt da tatsächlich ein Stück Papier, auf dem ein Song gespeichert ist. Der Song selbst, nicht ein Link dazu. Das Papier lässt sich mit dem Smartphone fotografieren und ohne Internetverbindung abspielen. Das ist beeindruckend – Arpan Mondal, der den Youtube-Kanal Makestreme unterhält, hat einen Song auf acht QR-Codes gespeichert. Allerdings waren an allen Ecken und Enden Kompromisse nötig.
QR-Tags haben sehr wenig Speicherplatz
Der Beispielsong ist nur etwas über eine Minute lang und in Mono. Im MP3-Format benötigt er 2,9 MB Speicherplatz. MP3 ist gegenüber unkomprimierten Formaten wie WAV bereits sehr sparsam – aber die Datenmenge ist viel zu gross, als dass sie auf einem QR-Code Platz hätte. Der QR-Code auf Schweizer Rechnungen speichert maximal 997 Zeichen, also 1 KB. Das bereits komprimierte MP3-File müsste noch 3000 Mal kleiner werden.
Grössere QR-Codes können mehr Daten speichern. Der derzeit grösste fasst ungefähr 3,3 KB – damit müsste der Song «nur» noch um Faktor 1000 zusammengestaucht werden. Klingt immer noch absolut unmöglich.
Extrem kleine Datenmengen dank KI-Code
Meta AI hat den Audio-Codec EnCodec entwickelt, der extrem wenig Platz braucht. In Mono benötigen die Dateien je nach Qualität zwischen 1,5 und 12 kbit/s. Zum Vergleich: MP3 bewegt sich für nur eine Spur (mono) zwischen 64 und 160 kbit/s.
Die Komprimierung ist beträchtlich. Die Datenmenge ist aber immer noch zu gross für einen QR-Code. Die geringste Qualität klingt zudem so schrecklich, dass Arpan trotz des ehrgeizigen Ziels auf die zweitgeringste ausgewichen ist. Auch die hört sich immer noch ziemlich mies an. Ab Minute 5:39 im Video kannst du die Tonqualität selbst beurteilen.
EnCodec funktioniert grundsätzlich anders als herkömmliche Codecs. Er kann daher nicht von einem gewöhnlichen Audio-Player abgespielt werden. Es braucht dafür – Trommelwirbel – eine KI. Diese rekonstruiert den Song aus den gespeicherten Daten in Echtzeit. Er benötigt zwar wenig Speicher, dafür umso mehr Rechenleistung.
Acht QR-Tags auf einem Stück Papier
Mit EnCodec und einer miesen Soundqualität schafft es Arpan, die Datenmenge extrem zu verkleinern. Aber selbst für einen grossen QR-Tag sind die Files noch zu gross. Er hat mit QR-Tags experimentiert, die Farbe statt des üblichen Schwarzweiss verwenden. Doch wegen der geringen Grösse der Pixel kann ein Smartphone den Tag nicht so scannen, dass alles zuverlässig erkannt wird.
Die Lösung am Ende: Ein Stück Papier, auf dem je vier QR-Tags auf der Vorder- und der Rückseite angebracht sind. Diese speichern zusammen 21 KB, was für den kurzen Song ausreicht. Für längere Songs in Stereo und akzeptabler Qualität bräuchte es einen noch viel effizienteren Codec.
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.
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