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Ein Verzeichnis aller Doppel- und Mehrfachsterne

Mithilfe von Daten der Astrometriemission Gaia entstand ein vollständiger Katalog sämtlicher bekannter Doppel- und Mehrfachsterne in der näheren Sonnenumgebung bis zu einer Entfernung von 33 Lichtjahren. Daraus lassen sich interessante Informationen über die Häufigkeit solcher Systeme ableiten.

Unsere Sonne ist nach allem, was wir wissen, ein Einzelstern. Damit gehört sie aber eher zu einer Minderheit, denn eine Vielzahl anderer Sterne sind Mitglieder eines Doppel- oder sogar Mehrfachsternsystems. Ein Forschungsteam um Javier González-Payo an der spanischen Universität Complutense Madrid hat sich nun anhand von Daten des Astrometriesatelliten Gaia die nähere Umgebung unserer Sonne bis in eine Entfernung von 33 Lichtjahren oder 10 Parsec angesehen. Die Gruppe erstellte dabei ein vollständiges Verzeichnis aller Sterne und Braunen Zwerge in diesem Raumgebiet, die um die Sonne zentriert sind, und veröffentlichte es in der Fachzeitschrift «Monthly Notices of the Royal Astronomical Society» (MNRAS).

Insgesamt listet der Katalog 424 bekannte Objekte auf. Davon gehören 215 Sterne und Braune Zwerge zu insgesamt 92 Systemen mit einem oder mehreren weiteren Objekten. 68 dieser 92 Systeme sind Doppelsterne, 19 sind Dreifach-Sternsysteme. Des Weiteren fanden sich drei Vierfach-Sternsysteme und sogar zwei Systeme, die insgesamt fünf Sterne enthalten – eine echte Rarität.

Die Umlaufperioden der Sterne umeinander reichen von einem Tag bis zu mehreren Millionen Jahren. Rund 41 Prozent aller bekannten Sterne in der betrachteten Raumregion mit mehr als einer halben Sonnenmasse sind Teil eines Doppel- oder Mehrfachsternsystems. Dagegen haben Sterne und Braune Zwerge mit weniger als einem Zehntel der Sonnenmasse nur mit einer Wahrscheinlichkeit von neun Prozent einen oder mehrere Begleiter. Damit konnte das Team um González-Payo erstmals eine quantitative Aussage über die Sterne in unserer näheren kosmischen Umgebung treffen, aus der sich Schlüsse über die Entstehungsgeschichte von manchen dieser Systeme ziehen lassen.

Besonders rar sind die Fünffachsternsysteme. Eines davon ist Alula Australis im Sternbild Grosser Bär, von dem uns 27 Lichtjahre trennen und das sich in mehrere Komponenten aufteilt. Zwei sonnenähnliche Sterne, die in rund 1,8 Jahren ihren gemeinsamen Schwerpunkt umrunden, bilden die Komponente A. Die Komponente B besteht ebenfalls aus einem engen Doppelstern mit einer Periode von lediglich vier Tagen. Gemeinsam mit der Komponente A bewegen sie sich in rund 60 Jahren um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. In grossem Abstand umrundet die Komponente C das System, einen einzelnen Braunen Zwerg. Noch komplexer aufgebaut ist das System WDS J16555–0820: Dessen Hauptkomponente ist ein Doppelstern mit einer Periode von 2,96 Tagen, die in nur 627 Tagen den gemeinsamen Schwerpunkt mit der Sternkomponente B umrundet. Wesentlich weiter draussen befinden sich dann noch die Komponenten C und D, die als Wolf 629 und VB 8 bekannt sind und extrem lange Umlaufperioden aufweisen.

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Titelbild: NASA's Goddard Space Flight Center/Chris Smith (USRA)

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