Ein Stecker ist genug: EU will USB-C zum Standard machen
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Ein Stecker ist genug: EU will USB-C zum Standard machen

Jan Johannsen
Jan Johannsen
Hamburg, am 24.09.2021
Die EU-Kommission will USB-C zum Standardanschluss für Smartphones und andere Geräte machen. Das betrifft vor allem Apple und könnte den Weg für ein komplett drahtlosen iPhone ebnen. Bis es so weit ist, werden aber noch mehrere Jahre vergehen.

Die geplante EU-Vorgabe ist keine reine «Lex Apple». Sie soll nicht nur für Smartphones gelten, sondern auch für Handheld-Spielkonsolen, Digitalkameras, Kopfhörer und tragbare Lautsprecher. Bei diesen Geräten ist der Umstieg auf USB-C noch nicht so fortgeschritten wie bei Smartphones. Aber trotzdem dürfte der Lightning-Anschluss vom iPhone das prominenteste Opfer der Vorschrift sein.

Seit 12 Jahren auf der Suche nach dem richtigen Stecker

Bereits 2009 einigten sich 14 Mobiltelefon-Hersteller unter Androhung einer EU-Vorschrift auf Micro-USB als Standardanschluss. Apple erfüllte die damaligen Vorschriften durch einen Lightning-auf-Micro-USB-Adapter im Lieferumfang des iPhone. 2014 folgte ein einheitlicher Standard, der seit 2017 gilt. Aus etwa 30 Steckertypen von 2009 wurden drei: USB-C, Micro-USB und Lightning.

Apple nutzt bereits heute USB-C. Bisher aber nur bei MacBooks und fast allen aktuellen iPads. Ausnahme ist das vor kurzem vorgestellte iPad der 9. Generation. Bleibt im wesentlichen nur das iPhone, das noch einen Lightning-Anschluss hat. Gerüchte, dass Apple auch hier zu USB-C wechseln könnte, gibt es seitdem das iPad Pro zum ersten Mal diesen Anschluss bekommen hat. Bisher blieb es bei Gerüchten.

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In Hektik muss jetzt aber weder Apple noch ein anderer Hersteller verfallen. Dem von der EU-Kommission vorgelegten Vorschlag müssen noch das Europäische Parlament und der Europäische Rat zustimmen. Das kann mehrere Monate dauern. Nach der Verabschiedung soll den Herstellern zudem eine Übergangsfrist von zwei Jahren gewährt werden. In dieser Zeit können sie ihre Produkte an die neuen Standards anpassen.

Sprich: Apple dürfte bis zum iPhone 16 Zeit haben, USB-C in das Smartphone zu integrieren. Ein Schlupfloch, USB-C nicht verwenden, gibt es aber. Geräte, die sich drahtlos aufladen lassen, dürfen gar keinen Stecker haben. Das heizt natürlich die Gerüchteküche an: Das iPhone könnte komplett drahtlos werden – ohne Anschlüsse für Stecker.

Ein Standard für schnelles Laden

In der Berichterstattung geht ein wenig unter, dass die EU-Kommission ebenfalls plant Schnellladetechnologie zu vereinheitlichen. Hier nutzen viele momentan ihre eigenen Standards. Das führt dazu, dass du ein Smartphone nur mit einem Netzteil des Herstellers schnell laden kannst. Das Galaxy S21 ist zum Beispiel am 65-Watt-Netzteil von OnePlus eine lahme Gurke.

Die EU-Kommission will sicherstellen, dass es die höchste Ladegeschwindigkeit auch für Geräte anderer Hersteller gibt. Angedacht ist der offene Standard «Power Delivery». Er sorgt dafür, dass das aufzuladende Gerät und das Netzteil Daten austauschen, um den Akku möglichst schnell zu laden. Mit ihm wäre es dann auch möglich, mit einem leistungsfähigen Smartphone-Ladegerät andere Geräte wie ein Notebook aufzuladen.

Kleinere Kartons, weniger Müll

Die EU-Kommission verspricht sich von den Standards weniger Elektroschrott. Ihren Berechnungen zufolge landen alleine in der Europäischen Union 11.000 Tonnen Ladegeräte ungenutzt im Müll. Zudem erwartet sie kleinere Verpackungen, die wiederum weniger Rohstoffe benötigen. Bei einigen Herstellern sind die Verpackungen bereits kleiner geworden, da sie nicht mehr jedem Smartphone ein Netzteil beilegen. Diese Praxis will die EU weiter fördern. Der Verkauf von Ladegeräten und elektronischen Geräten soll entbündelt werden.

Kritik

Die Pläne der EU lösen nicht nur Begeisterung aus. Der deutsche Branchenverband Bitkom fürchtet zum Beispiel, dass die Umstellung auf USB-C dazu führen könnte, dass eigentlich noch nutzbare Geräte mit anderen Steckern weggeworfen werden. Andere Maßnahmen seien Bitkom-Präsident Bernhard Rohleder zufolge besser geeignet, Elektroschrott zu verhindern. Als Beispiel nennt er die Nutzungsdauer eines Smartphones durch Stromspareinstellungen und Schutzfolien und -hüllen zu verlängern.

Ein zweiter großer Kritikpunkt ist die Gefährdung der Technologieoffenheit. Durch definierte Standards sei es Herstellern nicht mehr mögliche neue und im Idealfall bessere Technologien zu entwickeln.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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