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ByteDance unterschreibt TikTok-Deal mit USA
von Florian Bodoky

Das US-Geschäft von TikTok wird von seiner chinesischen Mutterfirma abgespalten. Die Mehrheit geht an Investoren, die Präsident Trump nahestehen – mutmasslich zu einem Spottpreis. Eine Einordnung.
Der bereits angekündigte Deal zur Neuaufstellung von TikTok in den USA ist Realität. Damit endet ein jahrelanger politischer und juristischer Streit. Der chinesische Mutterkonzern ByteDance überträgt die US-Operationen in eine neue Gesellschaft, die mehrheitlich nicht-chinesischen Investoren gehört. Darunter Oracle, die Private-Equity-Firma Silver Lake und die in Abu Dhabi ansässige Investmentfirma MGX. Jede dieser Parteien hält 15 Prozent. Weitere Anteile gehen an kleinere Investoren wie den Milliardär Michael Dell. ByteDance bleibt mit knapp 20 Prozent Minderheitsaktionär.
Das Konstrukt wendet ein Verbot der App in den USA ab, das 2024 angedroht wurde. Die neue US-Tochter erhält einen mehrheitlich amerikanischen Aufsichtsrat und einen eigenen CEO – den bisherigen TikTok-Manager Adam Presser. Oracle stellt die Cloud-Infrastruktur bereit, überwacht den Schutz der US-Nutzerdaten und soll Änderungen an der Software prüfen. Dazu gehören auch die Mechanismen zur Ausspielung von Content. Die US-Regierung sieht damit die formalen Vorgaben einer «qualifizierten Entflechtung» erfüllt.
Ob das wirklich stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Denn ByteDance behält die Kontrolle über TikToks Algorithmus, das eigentliche Herzstück der Plattform. Die US-Gesellschaft lizenziert diesen bloss und soll ihn mit US-Daten trainieren dürfen. Das wirft Fragen auf, ob damit die «operative Beziehung» wirklich im Sinne des Gesetzes beendet ist. Denn eine Lizenz lässt weiterhin Handlungsspielräume für die Rechteinhaberin offen.
Auf der operativen Ebene bedeutet die Trennung, dass es künftig de facto zwei TikTok-Varianten mit technisch und organisatorisch getrennten Datenströmen geben dürfte: eine US-Version mit lokaler Datenspeicherung bei Oracle und eine globale Plattform unter der Kontrolle von ByteDance. Ob und wie stark sich der Empfehlungsfeed für US-Nutzende durch das Retraining verändert, bleibt abzuwarten.
Politisch könnte der Deal alte Probleme mit neuen ersetzen. Bisher war die Befürchtung, dass China über TikTok in den USA Propaganda betreiben kann. Ähnliche Interessen werden aber auch den neuen Investoren nachgesagt. Die meisten von ihnen pflegen ein enges Verhältnis zu Donald Trump und seinem Umfeld. Allen voran Oracles Inhaber Larry Ellison. Der US-Präsident selbst feiert die Vereinbarung als «Rettung» von TikTok und spricht von einer «wichtigen Stimme», die nun «patriotischen Investoren» gehöre.

Die neuen Eigentümer kündigen zwar an, TikTok nicht direkt redaktionell zu steuern. Aber über Datenzugriff und die inhaltlichen Moderationsrichtlinien legen sie indirekt die Bedingungen fest, was in den Feeds prominent erscheint oder verschwindet. Es bleibt auch unklar, wie viele Informationen zwischen der US-Tochterfirma, Oracle und staatlichen Stellen fliessen werden. Das Weisse Haus betont, die neue Struktur diene «nationalen Sicherheitsinteressen». Dieses Argument könnte missbraucht werden, um den Feed an politische Prioritäten der aktuellen Regierung anzupassen.
Finanziell kommt der Verdacht auf, dass der Deal ein Lehrstück in Kleptokratie ist: Alleine die US-Regierung hat entschieden, wer in die US-Tochterfirma einsteigen darf. Begünstigt wurden vor allem Investoren mit guten Beziehungen zum Präsidenten. Für sie dürfte die Investition extrem lukrativ sein. Der Kaufpreis ist zwar nicht offiziell bekannt, Vizepräsident JD Vance sprach im September aber von 14 Milliarden US-Dollar.
Das würde bedeuten, dass Larry Ellison und Co. das US-Geschäft von TikTok zu einem absurd tiefen Schnäppchenpreis erhalten. 14 Milliarden entsprechen gerade einmal drei Prozent des geschätzten Werts von ByteDance. Das Unternehmen wird an privaten Märkten mit 480 Milliarden bewertet. Und selbst das scheint noch tief angesichts der über dreimal so hohen Marktkapitalisierung von Konkurrent Meta. Der mutmassliche Spottpreis lässt sich nur dank politischem Druck durchsetzen. Würden die neuen Besitzer ihre Anteile morgen wieder verkaufen, erhielten sie dafür auf dem freien Markt ein Vielfaches.
Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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