Der von der Decke hängende Klebeband-Gamer erreicht Legendenstatus. Quelle: kotaku.com
Der von der Decke hängende Klebeband-Gamer erreicht Legendenstatus. Quelle: kotaku.com
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Der legendäre «Duct-Taped Gamer» kriegt eine eigene Doku

Raphael Knecht
Zürich, am 03.03.2020
Ein PC-Spieler hängt von der Decke, vor sich ein Stück Pizza und einen Bildschirm. Ob als Meme oder das Original, nicht nur Zocker kennen das Bild. Nun kommt die Geschichte des legendären «Duct-Taped Gamer» auf die grosse Leinwand.

Wir schreiben das Jahr 2003. Ein Bild einer LAN-Party macht die Runde. Weshalb? Es ist eine gewöhnliche Zockerrunde unter Freunden. Mit einer Ausnahme: An einem Balken an der Decke hängt einer der Counter-Strike-Spieler. Mit Klebeband umwickelt, spielt er vor sich hin. Neben der Tastatur liegt ein Stück Pizza. Kein Bild aus den guten alten Gamer-Foren-Zeiten ist berühmter als dieser Shot. 17 Jahre später wird die Legende um Drew Purvis, so der Name des an die Decke geklebten Gamers, mit einer Doku geehrt.

Es gibt nur einen «Duct-Taped Gamer»

Immer wieder werden Stimmen laut, die behaupten, Urheber des Fotos zu sein. Oder zumindest an der legendäre LAN-Party teilgenommen zu haben. Doch keine dieser Stimmen kann beweisen, was damals wirklich passiert ist. Plötzlich macht ein Thread eines Counter-Strike-Teams die Runde, der Licht ins Dunkel bringt. Eine kleine Gruppe US-Gamer aus Mason, Michigan, spielt verbissen Counter-Strike. Die Location wechselt dabei, der Host ist immer ein anderer aus der Gruppe. «Das war eine ganz normale LAN-Party, ein gewöhnlicher Abend», meint Brian Schaeffer, ein Zocker aus der Counter-Strike-Bande.

Eine ganz normale Gruppe Jugendlicher, kurz bevor sie zu Legenden werden. Quelle: kotaku.com
Eine ganz normale Gruppe Jugendlicher, kurz bevor sie zu Legenden werden. Quelle: kotaku.com

Im Jahre 2002 sind nebst Counter-Strike auch Command & Conquer Renegade und Red Alert 2 oder Battlefield 1942 – für all jene mit potentem Rechner – in. Die Mädels und Jungs aus Mason konzentrieren sich aber voll auf Counter-Strike. Nach drei, vier Stunden Spielzeit meint Tyler, ein anderer Gamer aus der Gruppe, dass jemand am Balken der Decke mit Klebeband befestigt werden und von dort aus spielen könnte. Um etwas mehr Platz für die anderen zu schaffen, denkst du?

Nein, die ganze Aktion geschah just for fun. «Wieso?», wird Tyler an dieser Stelle der Geschichte oft gefragt. Er antwortet mit derselben Gegenfrage, die er bereits damals an der LAN-Party stellte: «Wieso nicht?»

Der Anfang vom Ende oder die Entstehung der Klebebandhängematte. Quelle: kotaku.com
Der Anfang vom Ende oder die Entstehung der Klebebandhängematte. Quelle: kotaku.com

Aus dem Bild wird ein Film

Auf dem berühmt-berüchtigt gewordenen Bild ist der zweite Versuch abgebildet. Die erste Klebebandhängematte hat bei Drew Purvis, dem Mann der Stunde, an den Seiten so starke Druckstellen gebildet, dass ihn seine Freunde schon nach zehn Minuten wieder von der Decke schneiden mussten. Die Truppe gibt nicht auf, polstert Drew mit Kissen und klebt ihn wieder hoch. Ein Regal, ein Tisch und einen PC später spielt Drew Pizza essend mit seinen Freunden Counter-Strike – von der Decke hängend, wie Profis das halt so machen.

Dieselbe Crew, die damals an der LAN-Party dabei war, plant nun eine Doku – um «the true story behind one of the internet’s most famous photos» zu erzählen. Der Youtube-Teaser mit dem Namen «Internet Legends: Duct-Taped Gamer» verrät noch kein Release-Datum, verspricht aber viel Spannung, Witz und Hintergrundgeschichten. Ist das Ganze überzeichnet? Klar. Braucht das Foto und die Story dahinter tatsächlich eine Doku? Nein.

Und trotzdem werde ich mir den Streifen reinziehen.

«Wieso?», fragst du dich.

Wieso nicht?

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Raphael Knecht
Raphael Knecht
Senior Editor, Zürich
Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne bergige Rennrad-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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