Review

Das vorprogrammierte Drohnen-Desaster – oder doch nicht?

Stephanie Tresch
Zürich, am 04.10.2017
Als Video Producer habe ich schon viele Kameras in der Hand gehalten, aber noch nie sind die Kameras geflogen. Mein Kollege Manuel Wenk findet das nicht so toll und verdonnert mich dazu, mich mit der DJI Sparks zu befassen und die Drohne zu fliegen.

Ich bin gerade an der Planung eines grösseren Videodrehs, als mein Videokollege Manuel Wenk mich in meiner Recherche unterbricht.

«Stephie du musst Drohnen fliegen lernen», sagt er.

Okay. Das wissen wir schon lange. Ist also nichts Spezielles. Und ich habe gerade Besseres zu tun.

«Ja, und jetzt?» gebe ich zurück.

Manuel erklärt mir etwas von einer neuen Drohne, die er testen soll. Da er aber schon Drohnen fliegen kann und für digitec auch schon Videos dazu gemacht hat, meint er, dass es an der Zeit wäre, mich ins Spiel zu bringen. OMG. Was? Also mit vor der Kamera und so?

Ich bin nervös und gereizt. Warum jetzt?! Das kann doch warten. Grösserer Dreh und so! Hat doch keine Eile. Drohnen fliegen ist eh mega gefährlich und so etwas kann ich ja machen, wenn ich mehr Zeit habe als jetzt. Aber all meine Gegenargumente nützen nichts. Manuel bleibt hart. Meine innere Katze sträubt sich zwar gewaltig, aber dann soll er mir das halt beibringen.

«Gut, dann halt… Wann soll ich denn das machen?» frage ich.

«Jetzt», sagt er in seiner typisch ruhigen Art.

Nein, also ehrlich… Dieser Mann hat sie nicht mehr alle! Nicht mal anständig angezogen bin ich. Aber gut. Seine eigene Schuld: schliesslich muss er mich dann im Schnitt anschauen und nicht ich. Hehe. ;)

Los gehts!

Es kommt noch schlimmer als gedacht. Manuel hat nämlich überhaupt nicht die Absicht, mir zu helfen. Ich soll mich selber informieren. Ich verdrehe die Augen und meine Drehplanung rückt in unerreichbare Ferne. Heute wird das wohl nichts. Und überhaupt: Er ist ja nicht der, der sich vor der Kamera lächerlich macht. Aber da ich durch meine tollpatschige Persönlichkeit eine hohe Peinlichkeitstoleranz besitze, stürzte ich mich ins Abenteuer.

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Youtube, hilf mir!

Youtube hat mir schon in vielen ausweglosen Situationen geholfen. Youtube ist mein Freund, nicht wie Manuel. Youtube hilft mir, wenn ich es brauche.

Ich habe die DJI Spark zum Testen bekommen.

Drohne
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Spark Fly More Bundle Alpine White (Full HD)
Dji Spark Fly More Bundle Alpine White (Full HD)

Eine Drohne in Spielzeugrösse mit kinderleichter Bedienung und qualitativ hochwertiger Videoqualität. Fly-More-Bundles mit erweitertem Lieferumfang.

Mein erster Eindruck: Jöh! Winzig: genauer gesagt 143×143×55 mm. Ich habe mir da etwas Mächtiges, Cooles vorgestellt. Die Drohne ist weder mächtig, noch sonderlich beeindruckend auf den ersten Blick. Was sagt denn Youtube, wie man das fliegt? Ich habe höchstens mal Spielzeugdrohnen geflogen und das äusserst erfolgreich in eine Wand und ein Fenster und eine Topfpflanze.... Du siehst also: Dieses Experiment kann nur schief gehen. Denn eine anständige Drohne habe ich nie selbst geflogen. Da ich das Flugobjekt lieber nicht kaputt machen möchte, google ich was das Zeug hält. Weil ich natürlich sehen möchte, was ich filme oder wo ich fliege, lade ich als erstes die App DJI Go 4 runter.

Ich schaue zwei Videos mit zu viel Blabla. Hier mal eines. Das andere ist in meiner Youtube History verschollen.

Laaangweilig. Zu viel Geschwafel, zu wenig Drohne. Nächstes Video.

Das Wichtigstem wie schalte ich sie an und wie kriege ich sie zum Fliegen, habe ich gefunden. Der ganze Rest interessiert mich nicht. Ich mag weder lange Anleitungen lesen noch anschauen. Ich habe es versucht, aber Geduld ist nicht meine Stärke. Da werde ich ganz zappelig. Ich will Action! Manu auch! Also los! Raus geht’s! Solange ich weiss, wie einschalten und den Notfallknopf kenne, der meine Drohne selbstständig dahin fliegt, wo der Controller ist, kommt das schon irgendwie ok, oder?! We will see!

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Ungern mache ich mich zum Affen, aber meine Ungeduld hat gesiegt. Frau kann ja nicht den ganzen Nachmittag auf einem Bildschirm zusehen, wie andere fliegen! Ich will das selber machen!

Ich bin nervös. Einmal Drohne ins Gras gesetzt, halte ich den Steuerknüppel so, wie ich es auf Youtube gesehen habe und ziehe beide Joysticks zu mir, in die rechte, respektive linke Ecke. Juhuu! Die Propeller drehen! Aber auf dem Gras will die Spark nicht so recht. Ich klaue Manuels Pullover und mache daraus kurzerhand eine Start- und Landeplattform. Los geht’s.

Wow! Es ist viel einfacher als gedacht. Mit dem linken Joystick lasse ich Sparky – Ja, ich habe der Drohne kurzerhand einen Spitznamen verpasst – an Höhe gewinnen. Schnell verstehe ich, was die Joysticks machen. Sobald du das verstehst, ist es wirklich simpel. Drohnen fliegen kann wirklich jeder. Auch ungeduldige Menschen, wie ich, die lieber ausprobieren und auf die Nase fliegen, als sich ausführlich vorzubereiten.

Diese Drohne hat wohl so fancy Sachen wie Gesten, die ein Selfie von mir machen. Sie kann auch auf meiner Handfläche landen, aber an all die Sachen habe ich mich erst mal nicht rangetraut. Hauptsache ich kriege sie vom Boden! All den extravaganten Shit kann ich dann machen, wenn ich mich sicherer fühle – und vielleicht ohne, dass mir Manuel die Kamera ins Gesicht hält. ;)

Womit ich so meine Probleme habe, sind die Kameraeinstellungen. Ich finde den Shutter, die ISO, aber grundsätzlich fehlen mir einige wichtige Einstellungen auf den ersten Blick. Wo kann ich einstellen mit wie viel Frames pro Sekunde ich filmen möchte? Wieder am Platz hat mir Google dann erzählt, dass die Framerate nicht variieren kann. Die Spark filmt also in Full HD, auf 1920×1080 mit 30fps. Das ist kein Problem, aber gut zu wissen.

Nach ein bisschen fliegen und Zürich von oben bewundern, meckert und piepst die Fernbedienung plötzlich. Oho! Der Akku! Ich werde etwas hektisch. Die 16 Minuten Flugzeit sind viel zu schnell vorbei. Manuel provoziert mich im richtigen Moment und meine Nervosität ist auf einen Schlag wie weggeblasen: er gibt mir die Aufgabe, die Drohne wieder da zu landen, wo sie gestartet ist: auf seinem Pulli. Da er es mit genug Provokation in der Stimme sagt, bläst sich meine innere Katze auf und landet die Sparks sauber, wo sie soll. Bämm! So wird’s gemacht! Panik vorbei und Drohne heil auf dem Boden. Yay!

Mache ich das je wieder?

Wieder im Office checken wir die Aufnahmen. Wow. Die Drohne ist zwar klein, aber sie hat’s in sich. Die Aufnahmen sind gestochen scharf. Für so ein kleines Ding hat sie ganz schön viel auf dem Kasten. Not bad.

Ich konnte bisher nie verstehen, was am Drohnen fliegen so toll sein soll. Jetzt weiss ich es. Du kannst für 16 Minuten etwas Vogel sein, fliegen und die Welt von oben sehen. Danke Manuel! Lustig, dass ich mich so lange davor gedrückt habe! Jetzt will ich selber eine. Es macht wirklich Spass. Probier es aus. Unbedingt.

Ich setze mich wieder an meine grosse Drehplanung. Doch statt Logistik und Equipment habe ich eine neue Frage im Kopf: Kann ich irgendwo Luftaufnahmen einbauen? Darf ich Manuels Drohne haben? Er will sie bestimmt nicht so sehr, wie ich sie will.

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Stephanie Tresch
Stephanie Tresch
Video Producer, Zürich
Die Welt in 25 Bildern pro Sekunde. Als Journalistin erzähle ich, weil die Welt ist voller Geschichten, die erzählt werden wollen. Ob national oder international, alles was ich dafür brauche, ist Mikrofon und Kamera.

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