Das taugt das Fractal Design Meshify S2 fürs Custom-Watercooling

Das taugt das Fractal Design Meshify S2 fürs Custom-Watercooling

Kevin Hofer
Zürich, am 11.09.2019
Mit dem Meshify S2 liefert Fractal Design ein solides Midi-Gehäuse mit Front- und Top-Mesh ab, das auf dem Define S2 basiert. Was taugt das Teil zum Custom-Wasserkühlen?

Das schwedische Case-Unternehmen Fractal Design ist nicht für extravagante Gehäuse bekannt. Sie sind schlicht und ohne Schnörkel. Böse Zungen behaupten gar langweilig.

Das ist nicht ganz falsch.

Das Meshify S2 ist im Grunde genommen ein Fractal Define S2 mit Front- und Top-Mesh. Das Define S2 wiederum basiert auf dem Define R6. Fractal bringt also dasselbe Gehäuse in leicht abgeänderter Form zum dritten Mal raus. Wie dem auch sei: Mir gefällt das schlichte Design. Weshalb ich nach dem Define R6 auf den Mesh-Zug aufspringe und meine Komponenten inklusive kompletter Wasserkühlung von Corsairs Hydro X Series im Meshify S2 verbaue.

154.–
Fractal Meshify S2 White - TG (Midi Tower)

Modulares Case-Design

Im Meshify S2 lassen sich oben, unten und vorne Radiatoren anbringen. Oben bis zu 420 mm, vorne bis zu 360 mm, unten bis zu 280 mm und hinten bis zu 120mm. Für die, die lieber auf Luftkühlung setzen, stehen neun Lüfterslots bereit. Damit kein Staub ins Gehäuse dringt, sind unten, vorne und oben entfernbare Staubfilter montiert.

Beim Formfaktor stehen ATX, mATX, Mini ITX und E-ATX zur Verfügung. Wobei E-ATX-Mainboards maximal 285 Millimeter breit sein dürfen. Für optische Laufwerke hat das Meshify S2 kein Herz. Dafür stehen hinten drei 3.5-Zoll- und zwei 2.5-Zoll-Halterungen bereit. Vorne oberhalb des PSUs lassen sich optional zwei weitere 2.5-Zoll-Halterungen anbringen. Die Halterungen kann ich entfernen, damit ich mehr Platz für Wasserkühlung, Kabelmanagement oder sonst was habe.

Das 538×233×465 Millimeter grosse Gehäuse wiegt Netto rund 10 Kilogramm. Es ist mit Seitenfenster in schwarz und weiss/schwarz sowie ohne Seitenfenster in schwarz verfügbar. Ein komplett weisses Gehäuse fehlt.

Das Gehäuse macht einen soliden Eindruck und das Material wirkt mehrheitlich qualitativ hochwertig. Einzig die Front mit I/O ist aus Kunststoff. Das wirkt etwas billig. Ein unschöner Nebeneffekt davon ist, dass das Weiss der Front nicht mit dem Weiss des restlichen Gehäuses übereinstimmt.

Wie baut es sich darin?

Immer, wenn ich einen neuen PC baue, denke ich mir: Dieses Gehäuse sollte genug Platz haben, um meinen Vorstellungen gerecht zu werden. Und jedes Mal werde ich eines Besseren belehrt. Mal schauen, ob es mir beim Meshify S2 gleich geht.

Zuerst nehme ich alles weg, was sich mit Schrauben wegnehmen lässt. Dazu gehören Laufwerk-Halterungen, Filter sowie die ganze Front. Letztere kann ich nur ganz wegnehmen, wenn ich das Frontanschluss-Panel wegschraube. Das ist umständlich, zumal das Panel mit Schraubenzieher kaum zugänglich ist.

Der vordere Teil der PSU-Blende lässt sich ebenfalls entfernen. So habe ich Zugang zum unteren Radiator. In der Front kann ich Lüfter und Radiator auf der ganzen Fläche montieren. Die Rückwand rechts vom Mainboard, an deren Rückseite sich die 3.5-Zoll-Halterungen befinden, lässt sich ebenfalls mit Schrauben entfernen. Der Rest des Gehäuses ist vernietet. Möchte ich diese Teile modden, müsste ich die Nieten ausbohren.

Für den Test belasse ich das Gehäuse im jetzigen Zustand. Die herausnehmbare Rückwand sprühe ich für den Build mattweiss. Auch, um zu testen, ob sich das Material gut sprühen lässt. Zur Info: Tut es. Die Farbe hält gut, auch ohne anschleifen.

Erste Schritte

Als nächstes verbaue ich die Komponenten. Das ist tricky. Ich spreche nicht von den üblichen Verdächtigen wie Mainboard, RAM und CPU. Für die hat Fractal gesorgt und an allen wichtigen Stellen Löcher für die Kabel platziert. Es ist dasselbe System, wie bei den anderen Fractal-Gehäusen und funktioniert einwandfrei. Was ich meine sind ein 360-mm-Radiator, ein 280-mm-Radiator und das Reservoir mit Pumpe.

Den 280er Radiator kann ich nicht oben verbauen. Er ist zu breit und stösst sich an meinem High Rise RAM. Bei High Rise RAM taugt das Gehäuse nur für Radiatoren mit 120er-Lüftern. Ich entschliesse mich deshalb, den 360er oben zu verbauen und den 280er vorne.

Zunächst will ich die Ein- und Auslassports des 360er-Radiators hinten im Gehäuse platzieren. In einem Video von JayzTwoCents habe ich gesehen, dass er die Tube, die den oberen Radiator mit dem vorderen verbindet, vor dem oberen Radiator zum hinteren führt. Das will ich auch versuchen. Dann stelle fest, dass das nicht möglich ist.

Mist.

Zwei Gründe fürs Scheitern: Da ich High Rise RAM habe, muss ich den 360er Radiator am Rand des Gehäuses platzieren. Dort habe ich wegen dem Seitenfenster keinen Platz für die Tube. Auch sonst würde es nicht klappen, da ich den 280er Radiator vorn nicht auf der richtigen Höhe platzieren kann – aufgrund der Befestigungsmöglichkeiten vorne kann ich den Radiator nicht stufenfrei verschieben. Soll heissen, dass ich den Radiator genau auf der Höhe, auf der ich ihn gerne platzieren möchte, nicht anschrauben kann .

Ich entschliesse mich, den 280er Radiator umzudrehen und die Ein-/Auslassports unten zu platzieren. Wie ich schnell feststelle, kann ich ihn so ebenfalls nicht wie gewünscht befestigen. Für eine nächste Version des Gehäuses wäre eine stufenfreie Befestigungsmöglichkeit sinnvoll. Ebenfalls sinnvoll wäre es, das Gehäuse in der Höhe oberhalb des Mainboards zu strecken. So könnten oben auch mit High Rise RAM breitere Radiatoren verbaut werden.

Es muss ein neuer Plan für den 280er Radiator her.

Soll ich ihn unten befestigen? Das habe ich noch nie gemacht. Trotzdem probiere ich’s aus. Von der Länge her passt der Radiator, weil mein Netzteil nur 15 Zentimeter lang ist. Bei längeren Netzteilen wird’s aber eng. Ob die Lüfter genug Luft ansaugen können wird sich zeigen. Es hat nur etwas mehr als zwei Zentimeter Luft zwischen dem Gehäuse und dem Boden, auf dem das Gehäuse steht. Eventuell werde ich später etwas höhere Füsse für bessere Kühlleistung anschrauben müssen.

Die Halterung für den oberen Radiator lässt sich entfernen. So kann ich ihn und die Lüfter bequem ausserhalb des Gehäuses montieren. Die Halterung hat auch einen Füllport, der aber nicht kompatibel mit dem Adapter der Corsair Hydro X Series ist, die ich im Case verbaue.

Knebel- äh Kabelmanagement

Fractal hat bezüglich Kabelmanagement auf der Vorderseite des Gehäuses an fast alles gedacht. Für Frontanschlüsse-, Mainboard- und Grafikkarten-Kabel sind die Gehäusedurchführungen perfekt platziert und bieten ausreichend Platz. Einzig für das RGB-Kabel meines Reservoirs habe ich keine gangbare Lösung gefunden. Dieses befindet sich vor der herausnehmbaren Rückwand. Die Rückwand hat zwar Schlitze, durch welche ich das Kabel nach dem Herauslösen des Anschlusses stecken kann, aber das Kabel ist trotzdem sichtbar. Das gefällt mir nicht. Deshalb verzichte ich beim Reservoir auf RGB-Bling.

Die Kabel der Top-, Front und Lüfter unten ist ebenfalls kein Problem. Strategisch geschickt platzierte kleine Öffnungen erlauben es, die Kabel unsichtbar auf die Rückseite zu führen. So macht selbst mir als Kabelhasser das Kabelmanagement Spass.

Auf der Gehäuserückseite finde ich die Lösung von Fractal weniger geschickt. Der Hersteller liefert einen Lüfter-Controller mit. Das ist zwar toll, aber weil ich auf Corsair- und Thermaltake-Lüfter setze, ist der Controller mich aber nicht zu gebrauchen. Glücklicherweise lässt er sich mit zwei Schrauben entfernen. Leider gilt das nicht für die Abstandhalter, an denen der Controller befestigt ist: Sie sind verschweisst und nehmen mir Platz für meine Controller weg. Bei einer nächsten Version wäre es toll, wenn auch die Abstandhalter einfach entfernt werden könnten.

Auch sonst finde ich den Platz für die Kabel, vor allem in der Tiefe, etwas knapp bemessen. Ich setze auf gesleevte Kabel-Extensions. Mit denen und den originalen Netzteil-Kabeln wird es ziemlich eng im hinteren Teil des Gehäuses. Es fehlt auch der Platz für die Lüfter-Controller.

Die herausnehmbare Rückwand ist weiter ins Gehäuse hinein versetzt. Da ich die aber weiss gesprüht habe und auch das Seitenpanel weiss ist, sind Kabel und Controller durch die Schlitze in der Rückwand zu sehen. Für einen sauberen Look sind die Schlitze nicht optimal. Sie sind nicht einmal zur Befestigung des Reservoirs geeignet – sie haben nicht die korrekten Abstände. Das ist erstaunlich, denn die Halterungen der 120er und 140er Lüfter respektive die Radiatoren sind genormt.

Mir fehlen auch effektive Kabel-Führungen. Es sind zwar zwei Klettbänder vorhanden, aber nur in der Mitte der Gehäuserückseite – und genau hier fehlt der Platz in der Tiefe. Links und rechts muss ich Kabelbinder verwenden und unten liegen die Kabel irgendwie zwischen Rückwand und Gehäuserückseite. Mit all den Lüftern, den Controllern und sonstigen Kabeln ist das zu wenig Platz. Das Gehäuse dürfte gerne einen bis zwei Zentimeter breiter sein, damit genug Platz fürs Kabelmanagement bleibt. Die Kabel liessen sich dann auch geschickt unter einer selbst zugeschnittenen Acrylplatte verstecken.

Ein gutes Gehäuse, mit Verbesserungspotenzial

Mit dem Meshify S2 liefert Fractal Design ein Gehäuse ab, das vor allem für Design-Puristen interessant ist. So schlichte Gehäuse in dieser Qualität baut sonst nur NZXT. Die Bauqualität ist abgesehen von der Kunststoff-Front über jeden Zweifel erhaben.

Das Gehäuse hat in Bezug auf Kabelmanagement und Wasserkühlung noch Verbesserungspotenzial. Mit zwei Zentimetern in der Höhe und Breite mehr wäre es fürs Bauen perfekt. Dass Fractal das noch nicht erkannt hat, erstaunt. Denn die meisten Gehäuse der Schweden bauen aufeinander auf. Es liegt also nicht spezifisch am Meshify S2. Dieselben Probleme hatte ich bereits beim Define R6. Du kannst dieses Review auch stellvertretend fürs Define S2 und Define R6 sehen. Sonst gibt’s am Gehäuse nichts auszusetzen. Ausser vielleicht den Preis: Über 140 Franken sind nicht gerade günstig. Das Gehäuse richtet sich eher an Leute, die Komponenten im mittleren statt tiefen Preissegment verbauen.

Das war mein erstes Gehäuse-Review. Ich habe bewusst darauf verzichtet, etwas zum Airflow zu schreiben. Dazu müsste ich die Review-Methodik systematisieren. Für das erste Review habe ich deshalb den Fokus aufs Wasserkühlen, Bauqualität und Baubarkeit gelegt.

Deshalb meine Frage an dich: Sollen wir künftig häufiger Cases reviewen und die Tests systematisieren oder nur ein, zwei Gehäuse pro Jahr, dafür mit Augenmerk auf Wasserkühlung? Oder sollen wir gar keine Case Reviews machen?

digitec Gehäuse-Reviews

Sollen wir künftig mehr Gehäuse testen?

  • Ja, aber bitte systematisch
    65%
  • Ja, aber bitte spezifische Tests wie für Wasserkühlung
    19%
  • Nein, ihr habt ja sowieso keine Ahnung
    5%
  • Nein, aber danke für eure Bemühungen
    9%

Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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