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Das Smartphone ist die neue Geldbörse der Schweiz

Kim Muntinga
17.2.2026

Das Portemonnaie bleibt immer öfter zu Hause. Laut dem Visa Payment Monitor 2025 bezahlen Schweizerinnen und Schweizer erstmals lieber mit dem Smartphone als mit Karte oder Bargeld. Ein Wandel, der sich in Zahlen klar ablesen lässt.

Du hältst dein Smartphone an das Terminal, der Ton ertönt, die Zahlung ist durch. Was vor ein paar Jahren noch als umständliche Spielerei galt, ist heute die bevorzugte Art zu bezahlen in der Schweiz. Das zeigt der aktuelle Visa Payment Monitor 2025, den Visa gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Forsa im November 2025 unter 1022 Personen ab 18 Jahren in der Schweiz erhoben hat.

28 Prozent der Befragten nennen das Smartphone als ihr bevorzugtes Zahlungsmittel. Die Debitkarte folgt mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz, Bargeld kommt mit 25 Prozent auf den dritten Rang und fällt damit erstmals in der Schweiz auf einen Bronzeplatz. Die Präferenz sagt jedoch noch nicht alles über den Alltag aus: Viele Menschen nutzen mehrere Zahlungsarten parallel, je nach Situation, Ort und Betrag.

Junge Erwachsene zahlen, Ältere folgen

Der Wandel kommt nicht von allen gleichmäßig. Aber er breitet sich aus. Unter den 18- bis 35-Jährigen zahlen bereits zwei von drei Personen (66 Prozent) mobil an der Ladenkasse. In der Gesamtbevölkerung hält rund jeder Zweite (49 Prozent) sein Smartphone ans Zahlungsterminal.

Fast drei Viertel (72 Prozent) der jungen Erwachsenen finden, dass man heute überall mit Karte oder mobil bezahlen können sollte. Wer als Händler oder Restaurant noch kein kontaktloses Bezahlen akzeptiert, riskiert, diese Kundschaft zu verlieren: Knapp jeder Dritte (30 Prozent) in der Gesamtbevölkerung meidet aktiv Geschäfte, die keine digitalen Zahlungen akzeptieren.

Aufschlussreich ist auch der sogenannte «Geldbörsen-Test»: Wenn du vor die Wahl gestellt wirst, entweder dein Smartphone oder dein Portemonnaie daheimzulassen: Was nimmst du mit? Sechs von zehn Schweizerinnen und Schweizern entscheiden sich mittlerweile für das Smartphone. Das Portemonnaie hat in dieser Gleichung seinen selbstverständlichen Platz verloren.

Die Schweiz liegt im DACH-Raum vorne

Ein Blick auf das Nachbarland Deutschland zeigt, wie unterschiedlich die Entwicklung im deutschsprachigen Raum verläuft. Laut dem Visa Payment Monitor 2025 – der auch in Deutschland erhoben wurde – liegt dort die Debitkarte mit 38 Prozent erstmals vor dem Bargeld (27 Prozent). Das Smartphone belegt in Deutschland mit 23 Prozent noch den dritten Platz.

Mobiles Bezahlen holt aber auch hier spürbar auf: Zahlte 2020 noch jeder Achte (12 Prozent) gelegentlich mit dem Smartphone, ist es heute bereits knapp jeder Dritte (32 Prozent). Die Schweiz ist im Vergleich der klare Vorreiter und macht vor, wohin die Reise auch in Deutschland gehen könnte.

Twint: Vom belächelten Nischendienst zu einer der stärksten Marken der Schweiz

Wer das mobile Bezahlen in der Schweiz verstehen will, kommt an Twint nicht vorbei. Noch vor wenigen Jahren wurde der Bezahldienst der Schweizer Banken teils belächelt: zu umständlich, zu wenig verbreitet, zu regional. Diese Zeit ist vorbei. Im Jahr 2025 zählt Twint über sechs Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. Die Marke ist so tief im Alltag verankert, dass «twinten» als Verb in den Schweizer Sprachgebrauch eingegangen ist.

Twint gehört in der Schweiz längst zum Alltag.
Twint gehört in der Schweiz längst zum Alltag.
Quelle: Twint

2025 verzeichnete Twint 901 Millionen Transaktionen – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr (773 Millionen). Zum Vergleich: 2017, im ersten Jahr des landesweiten Betriebs, waren es nur vier Millionen Transaktionen. Rund 81 Prozent der stationären Geschäfte und 86 Prozent der Online-Shops in der Schweiz akzeptieren Twint heute als Zahlungsmittel. Von den gut 900 Millionen Transaktionen im vergangenen Jahr waren 77 Prozent kommerzieller Natur, etwa an der Ladenkasse oder im Online-Shop. Die übrigen 23 Prozent flossen zwischen Privatpersonen hin und her.

Twint will sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln: Die Plattform soll für digitale Währungen wie Stablecoins und für Lösungen mit der geplanten Schweizer E-ID geöffnet werden.

PayPal drängt in den deutschen Supermarkt

Während die Schweiz mit Twint eine eigene, etablierte Lösung hat, kämpfen in Deutschland verschiedene Anbieter um die Kassen der Supermärkte. PayPal – im deutschen Online-Handel mit einem Umsatzanteil von etwa 28,5 Prozent die unangefochtene Nummer eins – weitet seinen Einfluss seit dem Frühsommer 2025 auf den stationären Handel aus. Das Prinzip: In der bestehenden PayPal-App hinterlegst du eine virtuelle Debit-Mastercard, mit der du überall dort kontaktlos zahlen kannst, wo Mastercard akzeptiert wird.

PayPal im stationären Handel: Bezahlt wird per Smartphone über eine virtuelle Debitkarte in der App.
PayPal im stationären Handel: Bezahlt wird per Smartphone über eine virtuelle Debitkarte in der App.
Quelle: PayPal

Rund neun Monate nach dem Start haben sich laut PayPal-Produktchef Alexander Bellabarba 7,6 Millionen deutsche Nutzerinnen und Nutzer für diese Funktion registriert. Deutschland ist derzeit der einzige Markt weltweit, in dem PayPal dieses Angebot bereitstellt. Ob hinter den Registrierungen auch eine aktive Nutzung steckt, lässt das Unternehmen offen. Konkrete Transaktionszahlen nennt PayPal nicht.

Immerhin: Der US-Konzern hat in der deutschen Fläche Fakten geschaffen, bevor der europäische Gegenentwurf Wero – getragen von Sparkassen, Volksbanken, Commerzbank und weiteren Banken – überhaupt an der Ladenkasse präsent ist.

Sicherheit bleibt die entscheidende Frage

So dynamisch die Entwicklung verläuft, ein Vorbehalt bleibt in beiden Ländern bestehen: Echtzeitüberweisungen genießen noch kein vollständiges Vertrauen. In der Schweiz äußern 72 Prozent der Befragten Bedenken gegenüber Instant Payments. Hauptsächlich, weil überwiesenes Geld nicht zurückgebucht werden kann. Sicherheit bleibt laut dem Visa Payment Monitor der wichtigste Aspekt beim Bezahlen für die Schweizer Bevölkerung.

Die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer (51 Prozent) glaubt derweil, dass es in fünf Jahren normal sein wird, ohne Bargeld zu bezahlen. Ob das stimmt, werden die nächsten Ausgaben des Visa Payment Monitors zeigen. Den aktuellen Zahlen nach scheint die Richtung aber klar.

Titelbild: Voronaman / Shutterstock

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