Screenshot Apple Keynote
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Das ist Apples neue Siri

Siri bekommt eine eigene App und ein neues Hirn, das auf einem Sprachmodell von Google basiert. Ansonsten feilt Apple an der Performance und am Design seiner Betriebssysteme.

Apple nimmt an der World Wide Developers Conference (WWDC) einen neuen Anlauf in Sachen Künstliche Intelligenz (KI). Herzstück ist ein neues Foundation Model, das wohl auf Google Gemini basiert. Es ermöglicht eine überarbeitete Siri, die an andere Chatbots wie Claude und ChatGPT erinnert. Sie hat Zugriff aufs Internet, persönlichen Kontext sowie den Bildschirminhalt. So soll die Assistentin selbständig Aufgaben erledigen können.

Das klingt bekannt, weil Apple die gleiche Vision schon vor zwei Jahren präsentiert hatte. Nun soll die neue «Apple Intelligence» im Herbst mit den neuen Betriebssystemen erscheinen. «Siri AI» kommt hingegen erst später im Jahr als Betaversion – und vorerst unter iOS und iPadOS nicht in der EU. Neben den neuen KI-Funktionen kündigte Cupertino diverse Leistungsverbesserungen seiner Betriebssysteme sowie ein optimiertes Design an.

Apple Intelligence: Hatten wir das nicht schon einmal?

Kern der Keynote war eine neue Version von Apples KI «Apple Intelligence», die über alle Systeme hinweg funktionieren soll. Die neuen multimodalen Modelle seien «in Zusammenarbeit mit Google» entstanden. Sprich: Sie dürften auf Gemini basieren.

Die KI kann mit Text, Sprache und Bildern umgehen. Sie hat Zugriff auf aktuelle Informationen aus dem Netz – und auch auf persönlichen Kontext wie Nachrichten, E-Mails oder Kalendereinträge. Weil Apple sie tief in seine Betriebssysteme integriert, kann sie auch als Agent selbständig Aufgaben erledigen und den Bildschirminhalt als Kontext in Anfragen einbeziehen.

Die Architektur der neuen Apple Intelligence
Die Architektur der neuen Apple Intelligence
Quelle: Screenshot Apple Keynote

Apple versuchte an der Keynote, sich von der Konkurrenz abzugrenzen: In vielen Fällen würden KI-Funktionen ohne Sinn und ohne Rücksicht auf Datenschutz auf den Markt gebracht. Apple Intelligence verfolge einen anderen Ansatz. So geschehe die Verarbeitung von Anfragen immer entweder direkt auf dem Gerät oder auf unternehmenseigenen «Private Cloud Compute»-Servern. Wann eine Aufgabe in die Cloud geschickt wird, hängt von der Rechenleistung des spezifischen Geräts ab. Bezüglich Datenschutz macht Apple drei Versprechen:

  • Userdaten werden verschlüsselt, nie gespeichert und sind weder für Apple noch für Drittparteien einsehbar.
  • Die KI nutzt die Daten, die sie erhält, nur für die spezifische Anfrage.
  • Der Datenschutz ist jederzeit durch unabhängige Experten verifizierbar.

Apple verlor kein Wort darüber, dass sie grosse Teile ihrer KI-Vision bereits vor zwei Jahren vorgestellt hatten. An der Architektur, den Datenschutz-Prinzipien und den versprochenen Fähigkeiten hat sich seit 2024 wenig geändert. Neu ist lediglich das darunterliegende KI-Modell. Es dürfte dafür sorgen, dass die Funktionen dieses Mal auch wirklich in absehbarer Zeit erscheinen.

Siri AI: der Apple-Chatbot

Die Google-LLMs sind auch die Basis für eine neue Version von Siri. Apples Sprachassistentin versteckt sich nun nicht nur hinter dem Befehl «Hey Siri», sondern auch in der Spotlight-Suche, hinter einer Taste und in einer eigenen App. Auf dem iPhone erscheinen Antworten in Kurzform erst rund um die Dynamic Island. Wischt man sie nach unten, wechselt man nahtlos in die dedizierte App und kann die Anfrage dort weiterführen.

So sieht die neue Siri-App auf dem iPhone aus.
So sieht die neue Siri-App auf dem iPhone aus.
Quelle: Apple

Die Stimme der Sprachassistentin klingt gemäss Apple natürlicher als bisher. Sie hat Intonationen und lässt sich sogar in Geschwindigkeit und Ausdrucksstärke anpassen. Siri soll künftig natürliche Sprache besser verstehen und zu längeren Konversationen fähig sein. Sie kann sich auch an vergangene Anfragen erinnern. Diese werden in der App als Kacheln dargestellt. Siris Antworten umfassen Text, Bilder oder auch direkte Hyperlinks zu anderen Apple-Apps wie Nachrichten oder E-Mails. Für externe Informationen gibt sie ebenfalls Quellen an.

Einige Beispiele, was mit Siri AI möglich sein soll:

  • Nachrichten und E-Mails versenden: Siri kann Nachrichten und E-Mails nicht nur verfassen, sondern auch direkt versenden. Die KI greift dabei auf Informationen aus dem persönlichen Kontext zu und versteht Inhalte aus früheren Unterhaltungen. Dadurch würden die Anfragen präziser umgesetzt – auch über mehrere Apps hinweg.
  • PDFs und Fotos analysieren: Apple stattet Siri AI mit einer erweiterten Analysefunktion für Inhalte auf dem Bildschirm aus. Sie kann Informationen aus Bildern, Nachrichten oder PDFs auslesen, analysieren und Fragen dazu beantworten.
  • Safari: Tabs organisieren, schwache Passwörter eigenständig ändern: Auch Safari erhält neue KI-Funktionen. Der Browser kann offene Tabs automatisch in Gruppen sortieren. Wer viele Browserfenster geöffnet hat, soll dadurch besser den Überblick behalten. Darüber hinaus kann Siri AI künftig schwache Passwörter erkennen und eigenständig durch sichere Varianten ersetzen. Sie trägt die neuen Passwörter auch an allen notwendigen Stellen ein.
  • Shortcuts erstellen: Die Assistentin erstellt künftig komplette Automationen anhand «natürlicher Spracheingaben». Statt einzelne Aktionen manuell zusammenzustellen, reicht eine kurze Beschreibung dessen, was passieren soll. Apple zeigte als Beispiel einen Shortcut, der automatisch eine Nachricht verschickt, sobald jemand die Arbeit verlässt.
Die Slopgefahr ist real: Der neue Image Playground ist deutlich mächtiger als der alte.
Die Slopgefahr ist real: Der neue Image Playground ist deutlich mächtiger als der alte.
  • Bildbearbeitung in der Fotos-App: Die neue Apple Intelligence erweitert die Bildbearbeitung um drei Funktionen. Mit «Clean Up» lassen sich Bilder aufräumen und störende Objekte entfernen. Ist ein Foto zu klein geraten, lässt es sich mit «Extend» generativ erweitern. Die grösste Neuheit ist «Reframe». Damit lässt sich der Aufnahmewinkel bzw. die Perspektive anpassen. In Apples Beispielen war der Bewegungsradius gering. Fehlende Bildinformationen werden von der KI generativ gefüllt.
  • Image Playground: Apples App für die generative Erstellung von Bildern kann künftig nicht mehr nur Cartoons, sondern auch fotorealistische Bilder erschaffen – auch auf Basis von echten Bildern auf dem Gerät. Die Wünsche und Vorstellungen lassen sich dabei in natürlicher Sprache äussern.

Siri nur auf Englisch, nicht in der EU

Da Apple das alles eigentlich schon einmal angekündigt hatte, stellt sich die Frage: Wann kommen die Features wirklich? Erstaunlicherweise ist die Antwort erneut ein Flickenteppich:

  • Die neue Apple Intelligence kommt mit den neuen Betriebssystemen im Herbst in den meisten Sprachen, darunter auch Deutsch, Französisch und Italienisch.
  • Siri AI wird «später in diesem Jahr» als Betaversion verfügbar sein, wenn die Sprache auf Englisch eingestellt ist. Unterstützung für weitere Sprachen soll «schnell» folgen.
  • Siri AI wird unter iOS und iPadOS bis auf Weiteres nicht in der EU verfügbar sein. Apple macht dafür den Digital Markets Act (DMA) verantwortlich. Die Schweiz ist davon nicht betroffen.

  • Unter macOS, visionOS und watchOS können auch EU-User auf Siri AI zugreifen, wenn sie die Sprache auf Englisch einstellen.
  • In China werden Siri AI und auch die anderen neuen Apple-Intelligence-Funktionen nicht verfügbar sein, solange Apple an der Erfüllung der regulatorischen Anforderungen arbeitet.

Ebenfalls spannend wird, wie stark Apple seine KI-Funktionen in Zukunft kostenpflichtig macht. Ein Vorgeschmack darauf könnten Einschränkungen beim Bildgenerator «Image Playground» sein. Da dieser viel Rechenleistungen benötigt, begrenzt Apple die tägliche Nutzung. Ein kostenpflichtiges Abo von iCloud+ erhöht sie.

Alles wird schneller

Abseits von KI verspricht Apple für die neuen Systeme spürbare Leistungssteigerungen. Konkret wurden Cook und Co. bei den mobilen Systemen. Dort starten Apps angeblich bis zu 30 Prozent schneller als bisher. Auch das Multitasking reagiert flotter, während Datenübertragungen zwischen iPad und externen USB-C-Laufwerken bis zu 70 Prozent schneller ablaufen. Datenübertragungen per Airdrop funktionieren gemäss Apple 80 Prozent schneller als bisher.

Zudem soll ein CPU Scheduler die Aufgaben noch effizienter organisieren, um die Systemleistungen zu optimieren. Dieser funktioniert sogar auf dem iPhone 11 (und allen neueren Modellen).MacOS 27 läuft ausschliesslich auf Macs mit Apple-Silicon-Prozessoren. Intel-Macs erhalten zwar weiterhin Sicherheitsupdates, das neue Betriebssystem unterstützen sie jedoch nicht mehr.

Auf dem Mac kannst du Siri AI in Spotlight auch direkt Fragen an Siri AI stellen.
Auf dem Mac kannst du Siri AI in Spotlight auch direkt Fragen an Siri AI stellen.
Quelle: Apple

Ebenfalls im Fokus stand die Suchfunktion. Apple hat die technische Grundlage komplett neu aufgebaut. Die neue Sucharchitektur indexiert Inhalte auf dem Gerät schneller und nimmt neue Daten nahezu ohne Verzögerung in den Suchindex auf. In Spotlight, Fotos, Mail etc. lassen sich Inhalte aus verschiedenen Apps so schneller finden und miteinander verknüpfen. Apple verspricht eine deutlich schnellere und umfassendere Durchsuchung lokaler Daten.

Liquid Glass wird flexibler

Mit Version 26 seiner Betriebssysteme hat Apple vor einem Jahr das neue Design «Liquid Glass» eingeführt. Die transparente Optik sorgte jedoch nicht überall für Begeisterung. Viele Nutzer kritisierten die Lesbarkeit von Texten und die teils sehr starken Transparenzeffekte.

Apple reagierte darauf bereits, legt aber mit iOS 27 und Co. noch einige Anpassungen nach. Mit einem systemweiten Regler kannst du selbst festlegen, wie stark der Liquid-Glass-Effekt sichtbar sein soll – von nahezu undurchsichtig bis vollständig transparent.

Den Transparenz-Slider haben sich viele von Anfang an gewünscht.
Den Transparenz-Slider haben sich viele von Anfang an gewünscht.
Quelle: Apple

Darüber hinaus hat Apple die Darstellung überarbeitet. Schatteneffekte fallen dezenter aus, Texte sollen sich besser vom Hintergrund abheben und die gesamte Oberfläche wirkt einheitlicher. In macOS 27 kehren ausserdem farbige Symbole in den Seitenleisten zurück. Auch die Fensterecken wurden leicht angepasst, um das Erscheinungsbild konsistenter zu gestalten.

Apple baut Elternkontrolle aus

Apple überarbeitet die Elternkontrollen und ergänzt neue Funktionen. So lassen sich zum Beispiel bereits bestehende Nutzerkonten in Kinder-Accounts umwandeln. Bei der Einrichtung neuer Konten steht Apple den Eltern mit noch mehr Vorschlägen zur Seite, etwa welche Apps freigegeben werden können. Die eingeschränkten Konten sind zudem bis zu einem Alter von 18 Jahren verfügbar. Bisher erhielten die Kinder ab 16 Jahren die vollständige Kontrolle über ihre Geräte. Bis zum Alter von 13 Jahren ist ein Kinder-Account Pflicht.

Mit «Ask to Browse» können Kinder in Zukunft die Freigabe von Webseiten in Safari auf iPhone, iPad und Mac beantragen, so wie es bisher schon bei Apps der Fall ist. Die Freigabe von Apps nach deren Alterseinstufung und die Kaufanfrage bleiben erhalten.

Mit den neuen Funktionen haben Eltern mehr Kontrolle über das Surfverhalten ihrer Kinder.
Mit den neuen Funktionen haben Eltern mehr Kontrolle über das Surfverhalten ihrer Kinder.
Quelle: Apple

Ausserdem müssen oder können die Erziehungsberechtigten neue Kontakte für Telefonate, Chats oder Facetime für den Nachwuchs freigeben. In Chats sperrt die Bilderkennung nicht mehr nur nackte Haut, sondern auch Bilder und Videos mit «drastischen oder gewalttätigen Inhalten».

Die Zeitlimits gestaltet Apple optisch neu und gibt basierend auf Empfehlungen von Kinderärzten Vorschläge für zum Alter passende Nutzungszeiten. Apps lassen sich in Kategorien wie Unterhaltung, Spiele und Soziale Netzwerke unterteilen. Zudem ist es möglich, die erlaubte Nutzung je nach Tag oder Tageszeit anzupassen und so zum Beispiel zwischen der Gerätenutzung in der Schule oder am Wochenende zu unterscheiden. Mit einem Klick lässt sich zudem der Zugriff auf Apps oder das Internet sperren.

Titelbild: Screenshot Apple Keynote

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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