Kritik

Das Beste an «Death Stranding 2» ist der Multiplayer-Modus – auch am PC

«Death Stranding 2» ist ein Singleplayer-Game mit asynchronem Multiplayer-Modus. Du begegnest keinen anderen Personen und doch ist ihre Präsenz konstant spürbar. Dieser Umstand macht das Postboten-Game zu einem einzigartigen Erlebnis – endlich auch am PC.

Hinweis: Dieser Text erschien ursprünglich am 2. Juli 2025 anhand der PS5-Version. Am 19. März erscheint «Death Stranding 2» auch für PC. Dafür wurde der Text überarbeitet und mit einer Wertung ergänzt.

«Timefall» heisst der Regen in «Death Stranding 2», der alles zerstört, was er berührt. In diesem Moment berührt er meine Ladung und mich, die wie das Empire State Building auf meinem Rücken thront. Der Reparaturspray ist bereits aufgebraucht und der Akku meines Tri-Cruisers leuchtet auch schon bedrohlich rot. Ich bin zu weit von der Basis, aber auch noch zu weit vom Zielort entfernt – ich stecke fest. Moment, was ist das für ein blaues Leuchten hinter dem Hügel? Ein Timefall-Unterschlupf und sogar eine Ladestation daneben? Genial! Danke User «Deeznuts_WYBM», du bist mein Held.

Alleine und doch vernetzt

«Death Stranding 2» ist eigentlich ein klassisches Singplayer-Abenteuer. Ich übernehme die Rolle von Sam Porter Bridges, der in den postapokalyptischen USA Pakete liefert und gleichzeitig die Welt wieder vernetzt. Wie schon im ersten Teil verfügt das Game über einen asynchronen Multiplayer-Modus, der Elemente von anderen Personen in mein Spiel importiert und umgekehrt. Das macht «Death Stranding 2» zu etwas ganz Besonderem. Ich sehe zwar nie andere Spielerinnen und Spieler, aber es fühlt sich an, als würden wir gemeinsam zocken.

Ich kann mich fast immer darauf verlassen, dass ein anderer Porter genau am richtigen Ort eine Brücke gebaut hat.
Ich kann mich fast immer darauf verlassen, dass ein anderer Porter genau am richtigen Ort eine Brücke gebaut hat.

Die Ladesäulendichte ist so hoch, davon kann selbst das E-Auto-Vorzeigeland Norwegen nur träumen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal selbst eine gebaut habe. Ich stecke meine Ressourcen lieber in den Strassenbau. An verschiedenen Orten stehen Autobau-Stationen. Die müssen mit einer bestimmten Menge Ressourcen gefüttert werden. Anschliessend wird wie von Zauberhand ein kleines Stück Strasse gebaut.

Dafür werden allerdings sehr viele Ressourcen benötigt, die ich selbst mit dem Lastwagen nie auf einen Schlag transportieren könnte. Darum können andere Porter ihren Teil beisteuern. Das Gleiche gilt für die Monorail, Brücken oder die Seilrutsche, mit der ich im Nu ganze Bergketten überwinde. Ich kann mich auch immer darauf verlassen, dass in der Nähe einer feindlichen Basis bereits jemand einen Wachturm aufgestellt hat. Damit spioniere ich Patrouillen aus, bevor ich mich anschleiche. Sollte mal keiner dastehen, kann ich sogar einen Bauauftrag erstellen und in den meisten Fällen wird dieser prompt ausgeführt. Keine Bürokratie oder Handwerker, die mich übers Ohr hauen. Davon kann ich im echten Leben nur träumen.

Baue ich eine Strasse, taucht diese auch in den Spielen anderer Personen auf und umgekehrt.
Baue ich eine Strasse, taucht diese auch in den Spielen anderer Personen auf und umgekehrt.

Auch Lieferaufträge kann ich an andere Porter delegieren. Oder ich bringe verlorene Pakete, die ich unterwegs finde, an ihren Zielort und kassiere dafür Likes – eine der Währungen im Spiel. Je mehr Likes ich sammle, desto höher mein Status und desto mehr Bauten anderer Personen sehe ich. Ich glaube zumindest, dass es so funktioniert. Wie immer sind die Spiele von Hideo Kojima – dem kreativen Kopf hinter «Death Stranding 2» – nicht die verständlichsten.

Wie ein Koop-Spiel mit Freunden, die nie gleichzeitig online sind

Das Spiel wird durch das kollaborative Bauen zwar fast etwas zu einfach, wenn ich an die Strapazen im ersten Teil denke. Dafür entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Das wird verstärkt durch die digitalen Emotes-Schilder, die etwas exzessiv jede halbwegs populäre Route vollpflastern.

Es gibt eine riesige Palette davon. Ich kann damit vor gefährlichen Stellen warnen, Tipps zum Traversieren geben und sogar Boosts für Ausdauer oder Geschwindigkeit verteilen, respektive erhalten. Das ist tausendmal besser als die nervigen Screenshots anderer Spieler in Ubisoft-Games. Die interessieren mich ähnlich fest wie Kinderfotos von Kindern, die nicht meine sind.

Die Schilder anderer Spieler sind teilweise etwas exzessiv vorhanden.
Die Schilder anderer Spieler sind teilweise etwas exzessiv vorhanden.

Ich verteile sogar regelmässig Likes, wenn wieder an der genau richtigen Stelle eine Brücke steht. Ich liebe dieses Teamgefühl. Es wirkt etwas wie ein kooperatives Survival-Game im Stil von «Valheim», bei dem meine Kumpels nie gleichzeitig online sind. Aber jedes Mal, wenn ich mich wieder einlogge, merke ich, dass sich etwas verändert hat. Apropos Freunde: Ich kann Strand-Verträge mit ihnen eingehen, damit ich primär ihre Bauten sehe. Dann merke ich auch sofort, dass Kollege Domagoj wieder zu faul war, um die Spezial-Legierungen heranzuschaffen, um das finale Stück für die Monorail fertig zu bauen. Alles muss man selbst machen. Moment, Quatsch: eben nicht. Darum geht es ja hier.

Auf der Karte sehe ich, ob ein Bauprojekt noch Ressourcen benötigt und wer bereits seinen Teil beigesteuert hat.
Auf der Karte sehe ich, ob ein Bauprojekt noch Ressourcen benötigt und wer bereits seinen Teil beigesteuert hat.

Bauprojekte, Emotes und sonstige Elemente anderer Spielerinnen und Spieler sehe ich allerdings erst, wenn ich das «chirale Netzwerk» in der entsprechenden Region ausgebaut habe. Es ist das Pendant zum Internet und Kojimas nicht sonderlich subtile Kritik, immer online zu sein. Somit muss ich zumindest einmal ohne grössere Schützenhilfe die ungastliche Welt durchqueren, bevor ich vom Gemeinschaftsbonus profitiere. Aber etwas herausfordernd darf ruhig sein. Sonst besteht die einzige Schwierigkeit darin, der Story zu folgen und selbst die ist weniger verworren als im letzten Teil.

PC-Besonderheiten und Performance

Mit dem PC-Launch folgen die üblichen Verbesserungen wie freigeschaltete Bildrate, benutzerdefinierte Grafikoptionen und zusätzliche Upscaling-Technologien. «Death Stranding 2» unterstützt ausserdem Ultra-Wide- (21:9) und Super-Ultra-Wide-Monitore (32:9). PC-exklusiv sind auch die zusätzlichen Raytracing-Optionen, welche für noch bessere Beleuchtung und Reflexionen sorgen. Alle Funktionen des Dual-Sense-Controllers sind am PC ebenfalls erhältlich.

Da «Death Stranding 2» auf der PS5 stabile 30 fps im Qualitäts-Modus und 60 fps im Performance-Modus schafft, verwundert es nicht, dass das Spiel auch am PC performt. Mit einer RTX 5090 und einem AMD Ryzen 7 9800X3D erreiche ich mit maximalen Details rund 70 fps. Aktiviere ich DLSS auf Stufe «Qualität», sind es über 90 fps. Das Steam Deck hingegen kommt selbst mit höchstem Upscaling und minimalen Details nur knapp über 20 fps.

«Death Stranding 2» ist verfügbar für PS5 und ab dem 19. März auch für PC. Die PC-Version wurde mir von Sony zur Verfügung gestellt.

Fazit

Besser und doch weniger faszinierend

Mit 36 Stunden bin ich fast im Speedrun durch «Death Stranding 2» gerast. Du kannst gut und gern doppelt so viel Zeit in das Spiel investieren. Zu tun gibt es genug. Dem asynchronen Multiplayer und dem wesentlich zugänglicheren Transportsystem ist es zu verdanken, dass ich so speditiv unterwegs war. Aber auch, weil «Death Stranding 2» nicht mehr die gleiche Faszination ausstrahlt wie der erste Teil. Zu sehr wiederholen sich viele Elemente der Geschichte und das Spielprinzip strahlt trotz neuer Transportmöglichkeiten nicht mehr die gleiche Originalität aus wie noch 2019.

Einzigartig war das Erlebnis dennoch, inklusive eines völlig überdrehten und kaum zu beschreibenden Endes. Ein weiteres Mal sticht der Multiplayer-Modus heraus. Dieser macht «Death Stranding 2» für mich zu einem der besten Koop-Spiele überhaupt. Und ich musste dafür nicht mal mit anderen Menschen reden.

Pro

  • beeindruckende Grafik
  • motivierendes Postbotensystem
  • asynchroner Multiplayer, der Teamarbeit fördert
  • zugänglicher als Vorgänger

Contra

  • mit der Zeit etwas repetitiv
  • nicht mehr der gleiche Wow-Effekt wie beim ersten Teil
Sony Death Stranding 2: On the Beach (PS5, DE, FR, IT)
Game
noch 632 von 639 Stück
CHF49.– statt CHF55.–

Sony Death Stranding 2: On the Beach

PS5, DE, FR, IT

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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