DAB+: Das Radio tönt jetzt nicht mehr als ob Ausserirdische anrufen würden

DAB+: Das Radio tönt jetzt nicht mehr als ob Ausserirdische anrufen würden

Livia Gamper
Zürich, am 24.05.2018
In meiner WG-Küche steht ein altes Radio, das nervt. Wenn die Mikrowelle an ist, geht sowieso gar nichts mehr und es tönt, als würde E.T. erfolglos nach Hause telefonieren. Ein neues Radio muss her. Weil DAB+ der neue Radiostandard wird, mache ich den Wellenwechsel.

In der Küche in meiner WG steht ein altes Analogradio. Das empfängt die Radiosignale über UKW, also Ultrakurzwellen. Das UKW-Radio geht allen Mitbewohnern auf die Nerven: Der Sound, der aus dem Radio rauskommt, ist richtig mies. Und es rauscht ständig, egal was wir mit der Antenne anstellen. Noch schlimmer wird’s, wenn jemand auf die Idee kommt, den Sender zu wechseln: Der Suchlauf dauert ewig und das Rauschen übertönt jeden Musikfetzen, den das blöde Radio überhaupt noch ausspuckt. Wir können deshalb nur noch mit einem Sender Radiohören.

Die Frage, wie alt das Radio ist und woher es kommt, kann mir keiner meiner Mitbewohner beantworten. Anscheinend war das Radio schon da, als meine Mitbewohnerin die Wohnung vor sechs Jahren von den Vormietern übernommen hat.

Die Antenne ist fünf mal so lang wie das Radio, aber es rauscht dennoch.
Die Antenne ist fünf mal so lang wie das Radio, aber es rauscht dennoch.

Die UKW-Signale werden ab dem Jahr 2020 abgestellt und spätestens im Jahr 2024 soll laut Plan des Bundesrats der letzte UKW-Sender verstummt sein. Spätestens dann müssen wir die Analogradios also sowieso entsorgen.

Die UKW-Sender werden durch DAB+ ersetzt. DAB steht für Digital Audio Broadcasting, das + für den besseren Audiocodec.

DAB+, was soll das eigentlich?
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Wieso tut meine WG sich das Radio überhaupt an?

Im Regal neben unserem nervigen Radio-Göppel steht eine Sonos-Box. Die benutzt aber nur deren Eigentümer, und das auch nur, wenn nicht schon das Radio läuft. Der Rest, also meine anderen beiden Mitbewohnerinnen und ich, koppeln unsere Handys nur mit der Sonos-Box, wenn wir eine Party feiern oder für längere Zeit Musik hören wollen.

Aber wieso?

Die Soundqualität unseres Radios ist mies. Das Rauschen könnte einen wahnsinnig machen. Versuche, mit der überlangen Antenne den Empfang zu verbessern, enden immer wieder erfolglos. Mit der Antenne könnten Augen ausgestochen werden, so unhandlich ist das Teil. Trotz all dieser Nachteile brauchen wir das Radio immer.

Meine empirisch und hoch seriös angelegte Feldforschung in der WG-Küche hat ergeben, dass wir einfach faul sind. Und darum brauchen wir das Radio. Denn das Radio ist schnell eingeschaltet und weil wir eh nur noch einen Sender hören können, gibt’s keinen Streit. Kaum ist dagegen die Sonos-Box an, gibts Streit wegen den unterschiedlichen Musikgeschmäckern.

Mit dem Radio und dem einen Sender müssen wir nichts suchen, nichts konfigurieren, nichts einstellen, wir können uns einfach nur berieseln lassen. Die Soundqualität ist irgendwie auch egal, Hauptsache, wir kriegen schnell Sound.

Immerhin: Wir sind nicht mal die einzigen sackfaulen Leute. Gemäss einer Studie von Mediapulse hören über 86% der Schweizer Bevölkerung Radio. Und das rund zwei Stunden am Tag. Schono viel.

*Laut Statistik hörst du täglich Radio**. Stimmt das?
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Ein neues Radio muss her

Wir wollen weiterhin faul sein, aber ohne Rauschen. Wir brauchen also ein neues Radio. Es soll das Denver DAB-35 Radio werden.

Radio
DAB-35 (FM, DAB+)
63.30
Denver DAB-35 (FM, DAB+)

Das Denver Radio empfängt neben DAB+ wie die meisten Radios auch noch den alten FM-Standard. FM ist die englische Bezeichnung für UKW.

Die Installation des neuen Radios war so einfach wie langweilig. Stecker einstecken, dann forderte mich das Radio auf, die Uhrzeit einzustellen und schon beginnt das Radio automatisch, die DAB+ Sender zu suchen. Will ich den Sender wechseln, geht das schnell und per Knopfdruck. So etwa sechs Sekunden geht’s, bis ich den neuen Sender hören kann. Aber das beste: Der lästige Suchlauf mit dem Rädli am Radio ist endlich vorbei. Und das Rauschen auch.

Im kleinen digitalen Anzeigefeld zeigt mir das Radio den Songnamen oder aktuelle News an. Und das Radio braucht keine grosse, externe Antenne. Das bescheuerte Antennenrichten ist vorbei.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Der Mikrowellentest

Wie es wohl in so manchen Küchen der Fall ist, steht auch bei uns eine Mikrowelle. Beim alten Radio war das so: Kaum hat jemand gemikrowellelet während das Radio lief, gab das Gerät Laute von sich, die tönten als ob Ausserirdische anrufen würden.

Das neue Radio muss also gleich zum Mikrowellentest. Und siehe da, das Denver Radio hat bestanden. Die Musik läuft weiter, wir sind die Ausserirdischen los. Die Störungswellen der Mikrowelle können DAB+ nichts anhaben. Cool!

Funktioniert auch neben der Mikrowelle.
Funktioniert auch neben der Mikrowelle.

Wir sind jetzt DAB+

Mit dem Radioneukauf ist meine WG zufrieden. Es rauscht nicht mehr und wir können den Sender wieder wechseln. Mein Mitbewohner findet: Das Radiohören ohne Rauschen sei ja fast berauschend.

Der Wechsel auf DAB+ ist bei uns geglückt und war einfacher als gedacht.

Es fällt mir zwar auf, dass bei unserem Radio der Sound eher flach tönt. Das liegt aber wohl daran, dass unser Radio nur ein (!) Watt Leistung hat. Dafür war das Denver Radio halt günstig. Und auf die Soundqualität kommt's beim Radiohören in der WG-Küche ja nicht an. Hauptsache, es tönt wieder nach Radio.

Fazit: Gut haben wir uns den Schupf gegeben und das neue Radio geholt, damit wir weiterhin faul Radiohören können. Ohne Rauschen.

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Livia Gamper
Livia Gamper
Junior Editor, Zürich
Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

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