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CEC, ich hasse dich

CEC sorgt dafür, dass ich mit HDMI verbundene Geräte wie Fernseher und Settop-Box mit einer Fernbedienung steuern kann – theoretisch. Praktisch raubt mir dieser Standard seit Jahren den letzten Nerv.

Mein Couchtisch sieht aus wie das Kontrollzentrum der NASA: vollgepackt mit Game-Controllern und Fernbedienungen. Eine für den Fernseher, die zweite für die Soundbar, die dritte für die Settop-Box. Das sind mindestens zwei Fernbedienungen zu viel. Die Bedienung wird zur olympischen Disziplin im Jonglieren, und die Kästchen sind entweder in der Sofaritze verschollen oder ich sitze drauf. Darum führte bereits HDMI 1.0 vor über 20 Jahren das Kommunikationsprotokoll CEC ein. Es steht für «Consumer Electronics Control» und ermöglicht es Geräten, die per HDMI miteinander verbunden sind, Informationen zu senden und zu empfangen. Im Idealfall kannst du alle Geräte mit einer einzigen Fernbedienung ein- und ausschalten, die Lautstärke regeln und zwischen den Inputs wechseln.

Vielleicht gehörst du zur seltenen Spezies, bei der das tatsächlich einwandfrei funktioniert. Wenn ich mir die unzähligen Reddit-Threads anschaue mit Titeln wie «HDMI‑CEC ist komplett kaputt», bin ich mit meinen Problemen definitiv kein Einzelfall. Immerhin ist die digitale Plage der Menschheit markenblind und sät plattformübergreifend Wut und Jähzorn. Je nach System versteckt sie sich hinter so mystischen Namen wie Simplink (LG), Bravia Sync (Sony) oder Anynet+ (Samsung), die so wenig über die Funktion verraten wie ein Wetterbericht über die Mondlandung. Es scheint fast, als wollten die Hersteller mit diesen Pseudonymen aktiv verhindern, dass du dein Heimkino mit fremden, konkurrierenden Produkten vernetzt. Aber das würden sie bestimmt nie tun.

CEC trägt viele Namen.
CEC trägt viele Namen.

Logik bei Technik? Schön wär’s

Grundsätzlich funktioniert CEC ganz einfach. Du aktivierst die Option bei den gewünschten Geräten und schon steuern alle Fernbedienungen alle Geräte. Wenn das bei dir der Fall ist: Gratuliere! Du hast nicht nur Moby Dick gefangen, sondern auch den Heiligen Gral der Heimkino-Harmonie gefunden. Ich hingegen bin wie Kapitän Ahab längst dem Wahnsinn verfallen und kämpfe einen aussichtslosen Krieg gegen widerspenstige Peripherie.

Mit der CEC-Kommunikation ist es wie mit meinen Kindern – sie hören nur zu, wenn sie gerade Lust haben, und ignorieren Befehle, die ihnen nicht passen. Gängige Tricks sind: CEC überall deaktivieren und Gerät für Gerät wieder aktivieren. Damit verplemperst du Stunden und am Ende klappt es trotzdem nicht. Irgendwann schmeisst du entnervt den Bettel hin. Und siehe da: Ein paar Tage später funktioniert es plötzlich. Wie von Geisterhand. Logik bei Technik? Das wäre ja noch schöner!

Das Nervigste ist, dass CEC zwischendurch perfekt funktioniert. Mein Setup besteht aus LG-Fernseher, Denon-Receiver und Google Streamer. Ich nutze primär die Fernbedienung des Google Streamers. Dort konsumiere ich alle meine Inhalte, darum muss die Navigation dort zwingend funktionieren. Die Lautstärke regelt sich zuverlässig. Auch der Einschaltbefehl wird meist ohne Probleme an Fernseher und Receiver weitergeleitet.

Die Krux beginnt meist beim Ausschalten. Zuerst schalten alle Geräte brav ab. Kaum drehe ich mich um, leuchtet es plötzlich hinter mir und ich höre höhnisches Gelächter – okay, das spielt sich vielleicht in meinem Kopf ab. Dieses selbstständige Einschalten, als hätten die Geräte ein Eigenleben, treibt mich am meisten in den Wahnsinn. Es ist, als würden sie mir sagen: «Schön, dass du uns ausschalten wolltest. Wir entscheiden, wann Feierabend ist.»

Und wehe, du wiegst dich in Sicherheit: Dann schlägt CEC sofort zu. Seit Kurzem peinigt mich CEC schon am frühen Morgen. Ich nutze einen Smartplug, der den Wohnzimmergeräten über Nacht den Strom kappt. Das klappte monatelang einwandfrei. Mittlerweile läuft der Fernseher bereits, wenn ich aufstehe. Um zu beweisen, wer wirklich die Kontrolle hat, oder um einfach nur Strom zu verbrauchen oder aus reiner Bosheit – ich weiss es nicht.

Mit CEC könnte ich auch zwischen den HDMI-Inputs meines Receivers wechseln, ohne die dedizierte Fernbedienung zu verwenden. Auf dem kleinen weissen Kästchen des Google Streamers hat es eine eigene Taste dafür. Mit meinem alten Onkyo-Receiver klappte das wunderbar und ich konnte munter zwischen der angeschlossenen PS5, dem PC und Google TV hin- und herwechseln. Natürlich erst, nachdem ich einen Workaround gefunden hatte.

Der Trick war, bei der Einrichtung «Soundbar» statt «Receiver» für das angeschlossene Gerät auszuwählen. Warum auch immer. Der neue Denon-Receiver lässt sich damit nicht überlisten und ich bin zurück bei zwei Fernbedienungen. Die einzige Konstante, die CEC bietet, ist die absolute Inkonstanz.

Um die Inputs des Receivers zu steuern, musste ich in der Vergangenheit «Soundbar» auswählen. Mit dem neuen Receiver hilft auch dieser Trick nichts.
Um die Inputs des Receivers zu steuern, musste ich in der Vergangenheit «Soundbar» auswählen. Mit dem neuen Receiver hilft auch dieser Trick nichts.

Als wäre das alles nicht kompliziert genug, gibt es pro Gerät oft separate Optionen. Soll CEC nur ein Gerät kontrollieren oder alle? Soll es nur ein- oder nur ausschalten? Per Infrarot oder Funk? Hauptsache, es ist nicht intuitiv.

Jetzt sagst du bestimmt: «Wenn dich CEC so nervt, warum deaktivierst du es nicht einfach?» Diesen Punkt habe ich auf meiner sisyphus-haften Rundreise schon mehrfach überschritten. Aber CEC ist hartnäckiger als Krankenkassen-Anrufe im Herbst. Schalte ich die Funktion auf allen Geräten aus, bleiben trotzdem Überreste zurück. So wechselt der Input des Receivers immer noch selbstständig, sobald ein angeschlossenes Gerät ein Signal sendet. Obwohl ich diese Funktion am Receiver explizit deaktiviert habe.

Kein CEC ist auch keine Lösung. Jetzt stehe ich wieder da mit drei Fernbedienungen und jongliere, als wäre ich ein Zirkusclown. Ich bin die Lachnummer und CEC das schadenfreudige Publikum, das nicht mal applaudiert. CEC, ich hasse dich.

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


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