Bose QuietComfort 35 im Test: Weltmeister im isolieren, aber beim Sound reichts nur für den zweiten Platz
Review

Bose QuietComfort 35 im Test: Weltmeister im isolieren, aber beim Sound reichts nur für den zweiten Platz

Philipp Rüegg
Zürich, am 21.06.2016
Die beliebten Noise-Cancelling-Kopfhörer von Bose werden kabellos. Die QuietComfort 35 sind die natürliche Weiterentwicklung des altgedienten QC 25. Ob die Verschmelzung des vielleicht besten geräuschisolierenden Kopfhörers mit Bluetooth-Technik die perfekte Symbiose ergibt, zeigt unser Test.

Bluetooth und Noise Cancelling sind zwei grossartige Erfindungen. Eines befreit uns vor dem nervigen Kabelsalat und Wackelkontakten, das andere vor störender Lärmkulisse. Was könnte daher besser sein, als die Verschmelzung von beiden. Bose sind zwar nicht mehr die ersten, die sich an dieses Unterfangen wagen, aber Dank des Erfolgs des beliebten QuietComfort 25 ist ihnen ein hohes Mass an Aufmerksamkeit gewiss.

Ich benutze bereits seit geraumer Zeit Bluetooth-Kopfhörer und seit ein paar Jahren auch solche mit zusätzlicher Noise-Cancelling-Funktion. Aktives Noise Cancelling reduziert durch die Erzeugung eines Gegenschalls Lärmemissionen von aussen. Daher sind solche Kopfhörer besonders in Flugzeugen oder im ÖV sehr beliebt. Nach den Plantronics BlackBeat Pro bin ich auf den Sennheiser Momentum Wireless umgestiegen und bin damit sehr zufrieden. Da die Bose QuietComfort 25 über die vielleicht beste Geräuschreduktions-Technik verfügen und auch in Sachen Soundqualität kein Mauerblümchen sind, war ich sehr gespannt, die Nachfolger auszuprobieren.

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Langweiliges Design, dafür gute Bedienung

Nachdem die Sennheiser im Preis mittlerweile etwas gesunken sind, liegen sie mit den QuietComfort 35 etwa auf Augenhöhe. In den 420 Franken sind ein USB-Ladekabel, ein 3.5mm-Kopfhörerkabel, ein Flugzeugadapter sowie eine Hülle enthalten, in die sich der zusammengeklappte Kopfhörer sicher transportieren lässt. Optisch spricht mich der QC 35 wenig an. Das unspektakuläre Plastik-Design wird dem hohen Preis nicht gerecht. Dafür sind die Ohrpolster äusserst geschmeidig und auch der Kopfbügel ist angenehm gedämpft. Allerdings drückt der QC 35 nach längerem Tragen etwas unangenehm auf die Ohren, was beim Sennheiser Momentum Wireless auch nach mehreren Stunden nicht passiert. Wenn man ihn um den Hals hängt, schnürt er zudem etwas ein – und das liegt nicht daran, dass ich ein Nacken wie ein Stier habe. Wenn wir die beiden Geräte schon vergleichen: Bei der Bedienung hat der Bose die Nase vorn. An der rechten Ohrmuschel befindet sich der Ein/Aus-Schalter sowie drei Tasten für Lautstärke/Play/Pause. Nach kurzer Zeit finden die Finger die kleinen Tasten relativ leicht.

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Grosse Reichweite

Nachdem man das Gerät mit seinem Smartphone per Bluetooth verbunden hat, lohnt es sich, die Bose Connect App zu installieren. Damit lassen sich Sprachbefehle ein- und ausstellen, die Sprache ändern oder die Zeit definieren, wann sich das Gerät bei Nichtgebrauch automatisch ausschalten soll. Etwas, das ich beim Sennheiser schmerzlich vermisse. Auch gibt der Bose bei jedem Einschalten Auskunft über den aktuellen Akkustand – wenn auch mit einer schrecklichen Roboterstimme. Besonders bei Android-Smartphones praktisch, die anders als iPhones, keine separate Akkuanzeige erhalten. An der Verbindungsqualität gibt es nichts zu meckern. Die Bluetooth-Reichweite ist gar so stark, dass ich beim ersten Ausprobieren den iPod meines Kollegen zwei Zimmer und Wände weiter eingeschaltet habe. Die Musik kam zwar etwas abgehackt, dennoch eine beeindruckende Leistung.

Satter Sound, aber es fehlt der Pfeffer

Aber wie klingt denn nun das gute Stück? Oder wie mein Kollege Aurel Stevens sagen würde: Tönt 😉. Mein Referenz-Modell ist wie gesagt der Sennheiser Momentum Wireless, der zu den besten Bluetooth-Kopfhörern gehört. Ohne hier auf geschwollenes Musiker-Vokabular zurückzugreifen, wofür ich ein Wörterbuch bräuchte und womit mir und euch ohnehin nicht geholfen wäre, gebe ich der Soundqualität ein gut bis sehr gut. Quer durchs Soundbeet klingt der QC 35 relativ ausgewogen. Allerdings fehlt mir etwas der Punch. Egal ob bei Hip-Hop oder Rock, der Bass dürfte etwas kräftiger sein. Die Übertragungstechnik AptX, die für bessere Tonqualität sorgt, wird vom QC 35 nicht unterstützt Dafür dürfen sich Apple-User über den Support von AAC freuen.

Zum Velofahren eignet sich der Bose nur bedingt. Ich vermute, es liegt an der Form, dass der Fahrtwind ein ziemlich störendes Geräusch verursacht. Abgesehen davon, ist es wohl bezüglich Verkehrssicherheit ohnehin nicht das Schlauste, mit einem Noise Cancelling Kopfhörer durch die Stadt zu düsen – die Geräuschreduktion lässt sich nämlich nicht deaktivieren. Nur bei Verwendung mit Kabel und ausgeschaltetem Kopfhörer ist das Noise Cancelling nicht aktiv. Der QC 35 besitzt zudem ein Mikrofon für Telefongespräche.

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Ausdauernd

Die Akkuleistung ist hervorragend. 20 Stunden gibt der Hersteller an. Im Vergleich zum Vorgänger setzt Bose allerdings auf einen integrierten Akku und keine AAA-Batterien, die sich mal eben auswechseln lassen.

Fazit: Top-Gerät mit kleineren Makeln

Der Bose Quiet Comfort 35 vereint die gute Soundqualität und das hervorragende Noise Cancelling des Vorgängers und erweitert das Ganze um kabellose Freiheit durch Bluetooth. Zusammen mit einem langlebigen Akku und gutem Tragekomfort ergibt sich ein vielversprechendes Angebot. Dem gegenüber steht das fade Design, der nicht ganz so kraftvolle Sound und die nach längerer Zeit doch etwas drückenden Ohrmuscheln. Da diese drei Dinge jedoch leicht subjektiv gefärbt sind, empfehle ich, den Kopfhörer vor dem Kauf probezuhören. Ansonsten kann ich den QC 35 aber wärmstens empfehlen. Alternativen sind die bereits erwähnten Sennheiser Momentum 2 Wireless und der deutlich günstigere Plantronics Blackbeat Pro.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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