Bluetooth-Speaker im Vergleichstest: Vier Leute, zehn Boxen
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Bluetooth-Speaker im Vergleichstest: Vier Leute, zehn Boxen

David Lee
Zürich, am 06.08.2019
Es gibt viele Bluetooth-Speaker – warum muss es immer die UE Boom sein? Wir hören uns zehn Geräte an, vom Topseller bis zum schrägen Exoten. Dabei wollen wir auch herausfinden, wie ähnlich oder verschieden unsere Urteile ausfallen.

Beim Testen von Bluetooth-Speakern habe ich immer die gleichen zwei Probleme. Erstens: Mir fehlt der Direktvergleich. Um den Sound richtig einordnen zu können, müsste ich unmittelbar nacheinander mehrere Speaker hören – unter den gleichen akustischen Bedingungen. Und zweitens: Selbst dann noch ist das Urteil subjektiv. Ich bin immer wieder erstaunt, was andere Leute als «guten Sound» einstufen. Und denke dann so: Die haben keine Ahnung. Aber vielleicht bin es auch ich, der keine Ahnung hat.

Diese zwei Probleme gehe ich an, indem ich zehn Soundsysteme auf einen Haufen werfe und ein paar Leute hole, die sich alles nacheinander anhören.

Das Testfeld

Ich habe eine wilde Mischung zum Testen bestellt. Der Fokus liegt auf Verkaufsschlagern von UE, JBL, Bang & Olufsen, Marshall und Bose. Daneben hören wir uns auch ein paar Exoten und Kuriositäten an, die sonst nie beachtet werden.

Beim Auspacken wird mir bewusst, wie unterschiedlich gross die Dinger sind. Von grossen Speakern erwarten wir natürlich mehr Power und Bass als von kleinen. Nun wird sich zeigen, ob dem wirklich so ist.

Die Geräte von JBL, Libratone, Bose, UE und Teufel im Grössenvergleich (v.l.n.r.)
Die Geräte von JBL, Libratone, Bose, UE und Teufel im Grössenvergleich (v.l.n.r.)

Zwei Geräte fallen gar nicht in die Kategorie «mobile Bluetooth-Speaker». The Three von Klipsch läuft nur am Stromnetz und ist daher nur fürs Zuhause geeignet. Und die Berlin Boombox kann kein Bluetooth und wird ausschliesslich über den Audio-Jack betrieben.

Die Berlin Boombox fällt sowieso in jeder Hinsicht aus dem Rahmen. Ich musste sie selbst zusammenbauen. Es ist im Prinzip ein Stück Karton, in das Lautsprecher und Elektronik eingesetzt werden. Der Zusammenbau ist aber recht einfach und erfordert kein Werkzeug.

Berlin Boombox: Noch ist Ruhe im Karton.
Berlin Boombox: Noch ist Ruhe im Karton.
Die mitgelieferten Batterien wanderten direkt in die Entsorgungsstelle.
Die mitgelieferten Batterien wanderten direkt in die Entsorgungsstelle.

Wir testen hier nur den Sound. Ob dir das Design gefällt, siehst du anhand der Bilder. Und was die Features betrifft, hier eine kleine Übersicht.

GerätSoundübertragungSonstiges
B&O Beolit 17Audio-Jack, BT, AptXStereo
Berlin BoomboxAudio-JackStereo, muss selbst zusammengebaut werden, kein Akku (AA-Batterien)
Bose SoundLink Revolve PlusAudio-Jack, BT, AptXspritzwasserfest
Jarre AeroBull XS1Audio-Jack, BT, AptXStereo
JBL Xtreme 2Audio-Jack, BTStereo, wasserdicht
Klipsch The ThreeAudio-Jack, BT, AptX, Wifi, USB, Cinchnicht mobil, Stereo, Multiroom
Libratone Zipp 2Audio-Jack, BT, AptX, AirPlay, WifiAmazon Alexa, Stereo, Multiroom
Marshall StockwellAudio-Jack, BTStereo, Bass- und Höhenregler
Teufel Rockster XS 2017Audio-Jack, BT, AptXStereo-Pairing, Multiroom, spritzwasserfest
UE Boom 3BTStereo, Stereo-Pairing, wasserdicht

Der Test

Von der Redaktion nehmen Livia Gamper, Raphael Knecht und ich teil; dazu Audio-Spezialist Thomas Wüthrich aus dem Category Management. Jede Testperson hört sich ihre eigenen Stücke an, von denen sie weiss, wie sie klingen sollten. Thomas hat sich dazu eine spezielle Test-Playlist angelegt, die unterschiedliche Musikstile und Sound-Aspekte abdeckt. Hier ist nicht nur die Liste der Stücke, sondern auch eine Beschreibung, was damit jeweils getestet werden soll.

Für die Bewertung verwenden wir die extra zu diesem Zweck erfundene Lässigkeitsskala:

1: nicht lässig
2: mässig lässig
3: schon noch lässig
4: schampar lässig
5: uhuren lässig

Übersetzung für unsere Freunde aus Deutschland:

1: geht gar nicht
2: geht so
3: geht in Ordnung
4: geht ab
5: geht durch die Decke

Diese Skala passt perfekt zu unserem Test, der weder wissenschaftlich noch audiophil ist. Hey, wir reden hier von Bluetooth-Speakern. Also vergiss unkomprimierte Audiofiles, spezielle DACs und Frequenzmessungsdiagramme, okay?

Wir testen in unserem Videostudio. Der Raum hat eine relativ gute Akustik und wir stören niemanden – ausser Kollege Philipp Rüegg, der den Gaming-PC fürs nächste «digitec plays» vorbereitet. Und es ist dort auch ruhig, wenn sich Phil nicht gerade lautstark über Raphis Musikgeschmack beschwert.

Resultate und Erkenntnisse

Für mich als Tester eine sehr wichtige Erkenntnis: Die Resultate sind individuell gar nicht so verschieden, wenn alle die gleichen akustischen Bedingungen vorfinden. Bei drei Geräten gaben alle die gleiche Note, und auch sonst lagen wir nirgends mehr als zwei Punkte auseinander.

NameWertungen (David/Livia/Raphi/Thomas)Durchschnitt
B&O Beolit 174/4/3/33.5
Berlin Boombox1/1/-/11
Bose SoundLink Revolve Plus3/5/4/44
Jarre AeroBull XS13/4/3/33.25
JBL Xtreme 24/4/4/44
Klipsch The Three5/5/5/55
Libratone Zipp 23/4/3/33.25
Marshall Stockwell2/3/2/22.25
Teufel Rockster XS 20172/4/2/32.75
UE Boom 32/3/1/32.25

Wie wichtig ist nun die Grösse? Gegen den massiven Brocken von JBL hat die zierliche UE Boom 3 keine Chance. Allerdings zeigt Bose mit dem SoundLink Revolve Plus, dass auch kompakte Geräte kräftig und voll klingen können. Das kleine Ding überraschte uns alle positiv und fuhr bessere Noten ein als der viel grössere Libratone Zipp 2.

Zur Ehrrettung der kleineren Speaker, die hier nicht so gut abgeschnitten haben, muss ich sagen: Unser Studio bevorteilt Geräte mit starkem Bass – ähnlich wie im Freien. Raumakustik und Gerät müssen zusammenpassen, es kommt daher immer auf deinen Verwendungszweck an. In einem kleinen Raum wie Küche oder Bad klingen die kleinen Speaker teilweise besser als die grossen, weil die kräftigen Bässe zu stark an den Wänden reflektieren.

Der Teufel Rockster XS 2017 bringt für seine Grösse einen ganz ordentlichen Bass hin, doch wenn du voll aufdrehst, zeigt sich, dass sich die Physik nicht überlisten lässt: Der Bass überschlägt sich teilweise und das System schraubt die höheren Frequenzen runter, wodurch der Gesamtklang massiv verfälscht wird.

Der Marshall Stockwell verfügt als einziger im Testfeld über Bass- und Höhenregler. Trotzdem waren alle Testpersonen mit dem Bass unzufrieden – egal mit welcher Einstellung. Dieses Gerät ist allerdings auch nicht für so grosse Räume wie unser Studio ausgelegt.

Für Thomas war der Bass beim B&O Beolit 17 etwas überdosiert, alle anderen waren damit sehr zufrieden. Die Höhen fanden allgemein etwas weniger Gefallen.

Zur Berlin Boombox gibt es nicht viel zu sagen. Das Ding ist sehr leise, hat überhaupt keinen Bass und klingt auch sonst schlecht. Livias Testnotizen zu dem Gerät lauten schlicht: «Nein.»

Bleibt noch der Jarre Aerobull XS. Der Ton kommt aus der Sonnenbrille des Pitbulls, der Bass aus dem Rücken. Eigentlich testen wir nur den Sound, aber das Design des Aerobull lässt sich schwer ignorieren. Das Lämpchen in der Pfote sollte meiner Meinung nach einen Extrapunkt geben. Livia bringt es auch hier auf den Punkt: «Erstaunlich gut dafür, dass es ein Hund ist.»


David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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