Blitzfotografie, Teil 1: Warum überhaupt blitzen?

Blitzfotografie, Teil 1: Warum überhaupt blitzen?

David Lee
Zürich, am 26.02.2019
Bilder: Thomas Kunz
Kamerasensoren werden immer lichtempfindlicher. Teilweise gehen sie bis 204 800 ISO. Da könntest du leicht auf die Idee kommen, dass Blitzgeräte ausgedient haben. Dem ist nicht so.

Fotografieren mit vorhandenem Licht liegt im Trend. Mit den heutigen lichtempfindlichen Sensoren und den ausgefeilten Rauschunterdrückungsmechanismen geht das ja auch immer besser. Trotzdem ist die Blitzfotografie keineswegs überflüssig geworden. Daher starten Fotograf Thomas Kunz und ich eine mehrteilige Serie zum Thema.

In diesem ersten Teil zeigen wir dir einige Möglichkeiten der Blitzfotografie auf. In der Hoffnung, die Lust zu wecken und allfällige Ängste zu nehmen. Denn viele Fotografen – selbst Profis – halten Blitzlicht für unfassbar schwierig, mühsam und kompliziert. Viele Effekte lassen sich jedoch auch mit relativ einfachen Mitteln realisieren. Sämtliche Beispiele in diesem Beitrag wurden in einer Fotosession innerhalb von weniger als zwei Stunden gemacht – ohne Vorbereitung und genauen Plan. Das sagt schon einiges.

Bewegungen einfrieren geht mit Blitz viel besser

Natürlich lässt sich ein Bild mit 10 000 ISO und mehr aufnehmen, aber nur mit Qualitätseinbussen. Und bei schwachem Licht reicht selbst das nicht, um Menschen oder Tiere scharf abzubilden, die sich bewegen.

Das folgende Bild, ohne Blitz bei Neonlicht aufgenommen, hat eine Belichtungszeit von 1/200 Sekunde und 2000 ISO. Das ist zu lange, um eine Tanzbewegung einzufrieren. Um sehr schnelle Bewegungen scharf abzubilden, musst du 1/2000 Sekunde oder noch kürzer einstellen, und das klappt nur bei hellstem Sonnenschein.

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Dieses Foto hat auch 1/200 Sekunde Belichtungszeit, ist aber scharf. Grund: Der Blitz leuchtet viel kürzer als 1/200 Sekunde. Daher bleibt die Bewegung trotz der relativ langen Verschlusszeit scharf.

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Du kannst das Licht kontrollieren

Das vorhandene Licht musst du mehr oder weniger so nehmen, wie es ist. Egal, ob das nun Neonröhren, Tageslicht, Kerzen oder gar eine Mischung aus verschiedenen Lichtquellen ist. Das ist selten optimal, und selbst wenn, kannst du kaum variieren. In gewissen Situationen kannst du nicht einmal wählen, ob du gegen das Licht oder mit dem Licht fotografierst.

So sieht es aus, wenn Tom mich in unserem Studio «einfach so» fotografiert, sprich: Mit der Neon-Deckenbeleuchtung.

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Die simpelste Methode verwendet den eingebauten Aufklappblitz. Das frontale, harte Licht gilt jedoch als unschön und wirft ziemlich unvorteilhafte Schatten. Profikameras haben oft gar keinen solchen Blitz.

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Gegen die Frontalbeleuchtung hilft ein simpler Trick: Mit einem Papier oder einer anderen hellen Fläche lässt sich der Blitz nach oben lenken. Das Licht fällt so via Decke und damit in einem natürlichen Winkel auf das Motiv. Es ist aber durch die zweifache Umlenkung wesentlich schwächer.

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Ist in der Nähe eine helle Wand, kannst du den Blitz auch daran reflektieren. Die linke Seite des Gesichts und Körpers ist im Beispiel unten deutlich heller als die rechte. Darum geht es letztlich beim Blitzen: Du kannst den Lichteinfall so gestalten, wie du möchtest. Selbst mit einem Aufklappblitz.

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Mit Aufsteckblitz geht’s noch besser

Die nach dem internen Blitz einfachste Möglichkeit, was die Ausrüstung betrifft: Du steckst ein Blitzgerät auf die Kamera. Das funktioniert gar nicht so viel anders als mit dem internen Blitz.

Blitzgeräte sind markenspezifisch. Nikon funktioniert nur an Nikon. Für diese Bilder haben wir dieses Blitzgerät verwendet.

SB-700 Speedlight (Aufsteckblitz, Nikon)
Showroom
296.–
Nikon SB-700 Speedlight (Aufsteckblitz, Nikon)

So ein Aufsteckblitz ist deutlich stärker als der eingebaute Blitz. Frontal mit voller Power draufgehalten, führt das hier zu ganz hässlichen Schatten, nämlich zu einem unfreiwilligen Vokuhila-Revival:

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Beim indirekten Blitzen via Decke kommt dir die zusätzliche Power zugute. Hier zeigt sich auch gleich der zweite Unterschied zum internen Blitz: Du kannst den Winkel frei einstellen, ohne auf Papier oder Hände zurückgreifen zu müssen.

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Der entfesselte Blitz

Die meisten Blitzgeräte können auch an einem beliebigen, von der Kamera unabhängigen Ort aufgestellt werden und drahtlos mit der Kamera kommunizieren. Dadurch erweitern sich die Möglichkeiten stark. Es ist auch möglich, mehrere Blitzgeräte zu verwenden, die sich selbstständig aufeinander abstimmen.

Hier eine Kombination aus Blitz und Langzeitbelichtung. Der Blitz befindet sich links der Kamera auf einem Stativ. Von rechts scheint eine zweite Lichtquelle. Der Blitz friert die Anfangsposition ein. Ich drehe während der Aufnahme den Kopf auf die andere Seite und bleibe einen Moment so; dies ergibt ein zweites, leicht unscharfes Gesicht.

Schema erstellt mit www.lightingdiagrams.com
Schema erstellt mit www.lightingdiagrams.com

Low Key

Mit einem Blitz lassen sich sehr einfach effektvolle Low-Key-Aufnahmen realisieren. Tom hat in diesem Beitrag erklärt, wie das geht.

Farbfolien

Für dieses Bild – ebenfalls ein Low Key – wurde eine Farbfolie vor den Blitz geklebt.

Schema erstellt mit www.lightingdiagrams.com
Schema erstellt mit www.lightingdiagrams.com

Solange du das Bild nur mit einer Farbe einfärben willst, geht das natürlich auch nachträglich am Computer. Besonders einfach klappt das im RAW-Format. Mit zwei oder mehr Lichtquellen sind jedoch Farbkombinationen möglich, die sich nicht einfach per Bildbearbeitung hervorzaubern lassen. Für die Fotos der Cosplayerin Tiffie hat Tom zwei eingefärbte Lichtquellen eingesetzt und zusätzlich ein neutrales Licht von vorne; dadurch bleibt die Hautfarbe relativ natürlich.

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Silhouette

Das Blitzgerät steht zwischen mir und der Wand und blitzt die Wand an. So entsteht Gegenlicht, welches die Silhouette erzeugt. Weil wir über den Blitz noch eine Farbfolie geklebt haben, erscheint die eigentlich weisse Wand gelblich.

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Das war ein erster Überblick. Die ganze Studioblitztechnik haben wir komplett ausgeklammert. Falls dich das interessiert, lass es uns wissen! Im nächsten Beitrag werden wir etwas mehr ins Detail gehen, was die Aufsteckblitzgeräte betrifft.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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