Bald kitzelst du deine Geräte, um sie zu bedienen
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Bald kitzelst du deine Geräte, um sie zu bedienen

Pia Seidel
Zürich, am 23.10.2019
Hardware wird nicht nur softer, sondern auch menschlicher: «Skin-On Interfaces» verpassen deinem Smartphone oder Joystick eine künstliche Haut.

In meiner Serie «Wenn Hardware soft wird» habe ich darüber geschrieben, dass zeitgenössisches Produktdesign eine Mission hat: Hardware angenehmer und natürlicher zu machen. Jetzt, wo Knöpfe exotisch sind, weil sie durch kühle Touchscreens ersetzt wurden, suchen Designer neue Wege unseren Tastsinn anzuregen. Nach dem weichen Kvadrat-Stoff, der deinen Lautsprecher umhüllt, gibt es jetzt eine noch sinnlichere Hülle für deine Geräte: Eine künstliche Haut, die der von Menschen zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kneif mich mal, ich glaub ich träume

Ja, du liest richtig. Es klingt skurril, aber die «Skin-On Interfaces» sind hautähnliche Eingabemethoden, die vorhandenen Geräten hinzugefügt werden können, um deren Funktionen zu verbessern. Sie sind im Rahmen eines Forschungsprojekts der Bristol Interaction Group enstanden, an dem der Designer Marc Teyssier massgeblich beteiligt ist. «Die menschliche Haut ist die beste Schnittstelle für die Interaktion», erklärt der HCI-Forscher und Interaction-Designer. «Ich schlage dieses neue Paradigma vor, bei dem interaktive Geräte ihre eigene künstliche Haut haben und somit neue Formen von Eingabegesten für Endbenutzer ermöglichen.» Somit kannst du dein Smartphone nicht nur berühren, sondern sogar kneifen um Befehle zu geben.

Die Prototypen sind von menschlicher Haut inspiriert. Sie bestehen aus mehreren Schichten. Die oberste ist pfirsichfarben und besitzt täuschend echt wirkende Falten sowie Striche, die Adern imitieren. Unter den Schichten stecken die gleichen Elektroden, die sich auch in einem Smartphone-Touchscreen befinden. Sie reagieren, wenn du die Oberfläche berührst – oder kitzelst – weil sie Quetschungen und Verdrehungen messen. «Der Herstellungsprozess ist ziemlich einfach und kann leicht von anderen Forschern und HCI-Praktikern reproduziert werden,» meint Teyssier. Deshalb teilt er den Aufbau der Silikonhaut öffentlich auf seiner Website.

Skin-On Interfaces können auf Mobile,- Wearable Devices und Touchpads verwendet werden. Bild: Marc Teyssier
Skin-On Interfaces können auf Mobile,- Wearable Devices und Touchpads verwendet werden. Bild: Marc Teyssier
Es gibt die Prototypen in einem simplen Beige oder einer «realistischen» Variante, die unregelmässig eingefärbt ist. Bild: Marc Teyssier
Es gibt die Prototypen in einem simplen Beige oder einer «realistischen» Variante, die unregelmässig eingefärbt ist. Bild: Marc Teyssier

Das seltsame Design hinterfragt das Verhältnis von Mensch und Maschine. Beim Anblick des Videos rümpfe ich zwar die Nase, muss aber zugeben, dass ich gerne so ein Gerät mit einem Skin-On Interface testen würde. Nur schon der Wechsel von einem Wallet-Hard-Case zu einer Silikonhülle hat damals den Umgang mit meinem Smartphone verbessert. Ich empfinde die Oberfläche um einiges weicher und griffiger. Wie würde sich dann wohl erst ein Skin-On Interface anfühlen?

Skin-On Interfaces

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Pia Seidel
Pia Seidel
Teamleader Editorial Galaxus, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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