Bahnbrechend: Netflix führt den Super-Like ein

Luca Fontana
Zürich, am 12.04.2022

Was haben Tinder und Netflix gemeinsam? Den Super-Like. Was wie der Anfang eines schlechten Witzes tönt, ist Realität – egal, ob dir das gefällt oder nicht.

Man höre und staune: Der Super-Like kommt zu Netflix. Eine richtungsweisende Neuerung, zweifelsohne, die die Zukunft des Trendmarkts Streaming-Dienst massgeblich beeinflussen wird. So können Serien-Aficionados ihren Präferenzen endlich angemessen Ausdruck verleihen, während Netflix noch mehr Daten über seine Zuschauerinnen und Zuschauer sammelt.

Ein epochaler Coup.

Ein Beispiel zur besseren Veranschaulichung: Ein Super-Like auf Netflix funktioniert wie ein Super-Like auf der einst so avantgardistischen Online-Dating-Plattform Tinder, einfach noch ohne zusätzliche Abogebühren. Wenn du etwas nicht nur magst, sondern liebst, kannst du das Netflix neu nicht mehr nur mit einem «Daumen hoch» mitteilen, sondern sogar mit einem – behold – «Doppel-Daumen hoch»! Das schreibt Netflix in seiner offiziellen Pressemitteilung mit dem liebenswürdigen Charme eines betrunkenen Lüstlings an der Bar: «Trau dich ruhig. Sag uns, was du auf Netflix liebst. Du weisst, du willst es.»

Kein Witz. Das steht wirklich so da.

Sieht das Super-Like sogar in die Zukunft?

«Menschen hatten noch nie so viele grossartige Unterhaltungsmöglichkeiten wie jetzt», stellt Christine Doig-Cardet, Direktorin für Produktinnovation und Personalisierungserfahrungen bei Netflix, optimistisch gegenüber Branchenmagazin The Verge fest. «Es ist wirklich wichtig, dass man die Sendungen und Filme findet, die man lieben wird.»

Aufregend ist die Betonung des Worts «wird». Doig-Cardet bestätigt damit, dass der Netflix-Algorithmus uns Zuschauerinnen und Zuschauern nicht mehr bloss vorschreibt, was uns zu gefallen hat und was nicht. Stattdessen wird der Algorithmus dank Super-Like bald schlichtweg clever genug sein, uns unseren Geschmack einfach vorherzusagen.

Zwei Fäuste… pardon, Daumen für ein Hallelujah
Zwei Fäuste… pardon, Daumen für ein Hallelujah

Mindestens so erstaunlich ist Doig-Cardets Fähigkeit, heikle Themen à la Alinghi-Navigator Ernesto Bertarelli zu umschiffen. Etwa das eigentlich viel genauere Fünf-Sterne-Bewertungssystem, das Netflix anno 2017 abgeschafft hat. Wohl, um uns unnötig komplizierte und verwirrende Bewertungssysteme zu ersparen. Sehr smart. Umso mehr, falls der – natürlich höchst unwahrscheinliche – Fall einträte, dass Netflix’ Eigenproduktionen schlechter bewertet würden als eingekaufte Produktionen.

Netflix hat ohnehin längst erkannt, dass Parameter wie «74% Übereinstimmung» uns deutlich mehr über die Qualität der vorgeschlagenen Inhalte sagen als jedes Bewertungs-System der Welt – auch wenn nie so ganz klar ist, womit die Vorschläge zu 74% übereinstimmen. Aber wen kümmert das schon.

Wann kommt der Super-Like?

Der grösste Streaming-Dienst der Welt hat den mit Spannung erwarteten Super-Like bereits auf allen Kanälen – TVs, Smartphones, Webbrowsern – ausgerollt. Damit können wir alle ab sofort Netflix endlich mitteilen, dass wir «Bridgerton» doppelt mögen.

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Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.» 


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