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Acht weitere Frauen beschuldigen Sony PlayStation des «systematischen Sexismus»

Dominik Bärlocher
Zürich, am 10.03.2022

Sony PlayStation wird ein sexistisches, toxisches Arbeitsklima vorgeworfen. Die Game-Firma beantragt die Abweisung des Verfahrens.

Acht Frauen klagen gegen Sony Interactive Entertainment, Hersteller der Sony PlayStation. Ihre Anschuldigungen reichen laut Report von Axios von Diskriminierung basierend auf ihrem Geschlecht bis hin zu unrechtmässiger Kündigung. Sony bestreitet alle Vorwürfe und verlangt laut Kotaku vom Gericht, den Fall abzuweisen.

Die Vorwürfe im Detail

Die ersten Anschuldigungen gegen den Konzern brachte Emma Majo im November 2021 vor Gericht. Laut Axios kündigte Sony Majo das Arbeitsverhältnis unrechtmässig, nachdem sie sich über Diskriminierung am Arbeitsplatz beschwert hatte. Sie sagt, dass Sony weibliche Angestellte diskriminiere, biologisch wie identitär. Es gehe um Lohngleichheit und Beförderungen, bei denen Frauen übergangen werden. Dies, da die Arbeitskultur Sonys von Männern dominiert würde.

Im Detail beschuldigt IT Security Analyst Majo, dass ein Manager sie systematisch ignoriert und nur Männern geantwortet habe. Ferner sei sie bei Beförderungen übergangen worden und habe ein Jahr nach einer offiziellen Beschwerde die Kündigung erhalten.

Generell beschuldigt sie das Unternehmen, dass Frauen nicht im gleichen Masse und gleich schnell befördert würden wie die Männer. Dem pflichten nun acht Frauen bei. Unter ihnen ist Marie Harrington, die über 16 Jahre lang für Sony arbeitete. Sie spricht von «Calibration Sessions», während denen Frauen im Rennen um Senior-Positionen systematisch übergangen wurden. Sie berichtet von einer solchen Session, in der fast 70 Männer für eine Beförderung infrage gekommen sind, aber nur vier Frauen. Ferner habe sie da Fragen zur Familienplanung anhören müssen, die Männern nicht gestellt wurden.

Harrington habe laut Axios versucht, diese Männerkultur aufzubrechen. In einem E-Mail an ihre Vorgesetzten aus dem Jahre 2018 berief sie sich auf einen Artikel in der New York Times, der von einem Aufstand der Frauen bei Nike berichtete. «Können wir das besprechen, bevor PlayStation auch einen Artikel in den nationalen Medien bekommen», schrieb sie. Eine andere Frau berichtet von einer externen Studie, die «ein grosses Ungleichgewicht in Sachen Mitarbeiterverteilung» aufzeigt.

Kara Johnson, ehemalige Program Managerin bei PlayStation, sagt aus: «Ich glaube, Sony ist nicht in der Lage, toxische Arbeitsumgebungen adäquat zu behandeln». Sie wisse von zehn Frauen, die in den vier Monaten vor ihrer Kündigung das Büro in Rancho Bernardo verlassen haben. Das sei ein Zeichen für systemische Probleme, sagt sie.

Johnsons Akten liegt auch ein Brief bei, den sie an ihrem letzten Arbeitstag an Mitarbeiterinnen geschickt hat. Sie schreibt darin, dass sie wiederholt versucht habe, Vorgesetzte auf die Geschlechterungleichheit hinzuweisen. Dem Unternehmen wirft sie Diskriminierung gegen Schwangere und den Widerstand eines Mannes im Human Resources, den Versuchen Aktionen folgen zu lassen, vor.

Sony wehrt sich

Zu den aktuellen Vorwürfen hat Sony noch keine Stellung bezogen. Als Antwort auf Emma Majos Anschuldigungen sagte Sony im November laut Axios folgendes: «Majo ist nicht in der Lage, eine Richtlinie, eine Praxis oder einen Prozess bei PlayStation zu identifizieren, der die Basis für weitgreifende und absichtliche Diskriminierung bietet oder eine diskriminierende Auswirkung auf Frauen hat».

Sony beantragt zu Gericht, das Verfahren abzuweisen.

Eine Anhörung findet frühestens im April 2022 statt.

Das Titelbild hat die Fotografin Karolina Grabowska geschossen.

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Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.


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