
«Star Fox» im Test: ein fast perfektes Remake
Mit dem «Star Fox»-Remake erstrahlt der Nintendo-64-Klassiker in neuem Glanz. Spielerisch hat der coole Fuchs ohnehin nichts verlernt. Nur bei der Ausdauer zeigt sich das Alter.
«Star Fox» ist vielleicht mein liebstes Nintendo-64-Spiel. Ich weiss es noch, als wär’s gestern gewesen: Mit der Bremgarten-Dietikon-Bahn und nach einem halbstündigen Fussmarsch pilgerte ich in den Media Markt, um mir das brandneue «Lylat Wars» zu kaufen – so hiess das Spiel hierzulande. Natürlich durfte das Rumble Pak nicht fehlen – jener Vibrations-Adapter, der die Action erst so richtig authentisch machte. Das Spiel war visuell wie spielerisch eine Wucht: abwechslungsreiche Missionen, packende Bosskämpfe und verzweigte Level-Pfade. Einfach nur wow!
Fast 30 Jahre später veröffentlicht Nintendo nun das Remake des Klassikers, entwickelt von den amerikanischen Velan Studios («Mario Kart Live: Home Circuit», «Knockout City»). Visuell ist das Spiel kaum wiederzuerkennen, während das Grundgerüst und der Levelaufbau praktisch identisch mit dem Original bleiben. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Fast wie früher – nur schöner
In «Star Fox» ballere ich mich im Cockpit meines treuen Arwings von Planet zu Planet, um den bösen Wissenschaftler Andross zu stoppen. Dieser will einmal mehr das Lylat-System unterwerfen, was Fox McCloud, Falco Lombardi, Slippy Toad und Peppy Hare natürlich verhindern müssen.
Die Intro-Mission mit Fox’ Vater ist neu; danach startet das Spiel wie anno 1997 auf dem Planeten Corneria. Und wie damals mache ich grosse Augen, wenn ich über das kristallblaue Meer fliege. Die Grafik sieht traumhaft aus – am liebsten würde ich dort direkt meinen nächsten Urlaub buchen.

Dafür bleibt keine Zeit, denn schon tauchen die ersten feindlichen Raumschiffe auf. «Star Fox» funktioniert wie ein klassischer Rail-Shooter: Mein Arwing fliegt wie auf Schienen unaufhaltsam vorwärts. Ich kann zwar kurz bremsen oder beschleunigen, was jedoch Energie verbraucht. Also erledige ich mit meinen blauen Lasern alles, was sich mir in den Weg stellt.
Die Gegner tauchen exakt so auf, wie ich es vom N64 in Erinnerung habe, und ich kenne die Sprüche meiner Crew auswendig, noch bevor sie ausgesprochen werden. Auch wenn einige davon nicht mehr exakt so sind wie damals. Meinen Power-Schuss lade ich instinktiv auf, um Slippys Verfolger auszuschalten. Was würdest du nur ohne mich machen, du tollpatschiger Frosch?
Flinker Vogel
An den Bewegungsmustern hat sich wenig geändert: Ich vollführe Loopings, um Gegner abzuschütteln oder gestapelte Power-ups einzusammeln. Natürlich kehrt auch die ikonische «Barrel Roll» zurück – eine Drehung um die eigene Achse, mit der ich feindliche Schüsse abwehre.

Allerdings fliegen sich die Arwings deutlich agiler als früher. Die Macher haben die Steuerung an moderne Dual-Analog-Stick-Systeme angepasst – damals mussten wir mit einem Stick auskommen. Im Remake manövriere ich mühelos durch alle Steinbögen der ersten Mission, an denen ich mir als 15-Jähriger noch die Zähne ausbiss. Schiesse ich dann noch Falcos Verfolger ab, schalte ich eine alternative Route durch einen Wasserfall frei. Statt des Kampfroboters Granga erwartet mich dort ein fliegender Transformer.
Alle Planeten im Lylat-System schalte ich frei, indem ich bestimmte Ziele erreiche. Zu N64-Zeiten war ich noch auf Tipps von Schulfreunden angewiesen, die diese aus Spiele-Magazinen aufgeschnappt hatten. Da die Voraussetzungen im Remake identisch sind, schaue ich heute einfach kurz im Internet nach – wobei man über die meisten Geheimnisse ohnehin beim normalen Durchspielen stolpert. Mal gilt es, durch Portale zu fliegen, mal eine Bombe rechtzeitig zu entschärfen oder Slippy in einer brenzligen Situation sich selbst zu überlassen.
Animierter und trotzdem steif
Es braucht mehrere Durchläufe, um alle Planeten zu entdecken. Dennoch flimmert bereits nach knapp zwei Stunden der erste Abspann über den Schirm. Früher kam mir das länger vor. Mit jedem weiteren Durchgang verkürzt sich die Spielzeit, auch weil ich dann die Zwischensequenzen überspringe. Diese wurden komplett neu erstellt: Statt statischer, briefmarkengrosser Standbilder mit wackelnden Mündern sind die Figuren nun voll animiert.

Das Design der tierischen Crew sorgte im Vorfeld für Diskussionen; Fox unterscheidet sich etwa deutlich von seinem Auftritt im «Super Mario»-Film. Mir gefällt der Look. Die kurzen Dialoge mit General Pepper verleihen den Charakteren etwas mehr Tiefe, allerdings finden sie fast ausschliesslich an Bord des Great Fox statt – McClouds fliegender Basis. Hier hätte ich mir mehr Kreativität erhofft.
Davon abgesehen macht «Star Fox» noch genauso viel Spass wie damals. Bis heute bietet kaum ein anderes Spiel diese Mischung aus arcadiger Flugaction, farbenfroher Inszenierung und epischen Bosskämpfen.
Ich liebe es, die Planeten neu zu entdecken und fantasievolle Raumschiffe und Roboter vom Himmel zu ballern, bis die Finger schmerzen. Besonders mit Laser-Upgrades geht die Post richtig ab. Zwischendurch steige ich in den Landmaster-Panzer oder das Blue-Marine-U-Boot – letzteres hatte ich völlig vergessen. Am Ende wartet dort eine raketenbestückte Riesenmuschel auf mich. Die Bosse sind das Highlight: Einige sind zwar schnell besiegt, überraschen aber immer durch ihr Design.

Gleiches Gerüst, hübscher dekoriert
Im Vergleich mit der Originalversion fühlen sich die Missionen im Remake deutlich lebendiger an. An der Gegnerdichte scheint sich zwar nur wenig geändert zu haben, dafür sind die Level mit vielen neuen Details vollgepackt. Explosionen sind spektakulärer, Weltraumlevel sind nicht bloss schwarz, sondern bieten atemberaubende Kulissen wie das bedrohliche X-förmige Sternenbild in Sektor X. Die «All Range Mode»-Missionen, in denen ich für einmal nicht nur geradeaus fliege, sondern mich frei bewegen kann, erkenne ich kaum wieder. Auf Katina kämpfe ich gegen ein riesiges Raumschiff, aus dessen Bauch kleinere Raumschiffe fliegen. Dass der Film «Independence Day» als Inspiration herhielt, war schon damals klar. Heute sieht die Mission auch ähnlich kolossal aus wie in Roland Emmerichs Kultfilm.
Der Schwierigkeitsgrad ist hingegen nicht perfekt ausbalanciert. Während ich die meisten Missionen im Schlaf meistere, kosten mich die Duelle gegen das Star-Wolf-Team ordentlich Nerven. Ständig muss ich meine Kameraden retten, während mir zwei Jäger im Nacken sitzen. Auch die erste Begegnung mit Andross überstehe ich nur haarscharf mit meinem letzten Leben.

«Star Fox» lebt davon, mehrfach durchgespielt zu werden, um Mechaniken und Angriffsmuster zu verinnerlichen. Das ist gleichzeitig seine Achillesferse: Früher war es selbstverständlich, dieselben Missionen immer wieder zu spielen. Heute ist bei mir nach einer Handvoll Durchläufe die Luft raus. Ich habe alle Planeten gesehen und mein Nostalgiedurst ist gestillt – auch wenn das Spiel theoretisch noch mehr bietet.
Multiplayer und Herausforderungen
Bei der Ankündigung des Koop-Modus freute ich mich riesig darauf, diesen Klassiker gemeinsam mit meinem Sohn durchzuspielen. Leider setzt Nintendo die Tradition halbgarer Koop-Ansätze fort. Wie schon in «Super Mario Galaxy», «Super Mario Odyssey» oder «Donkey Kong Bananza» ist die Arbeit ungleich verteilt – schlimmer noch: In «Star Fox» leidet das Gameplay für beide. Beide Spieler müssen mit je einem Joy-Con hantieren; einer zielt und schiesst, der andere steuert den Arwing. Warum darf ich keinen Pro Controller benutzen? Es macht ohnehin kaum Spass. Warum kann die zweite Person nicht einfach Falco oder Peppy steuern?

Deutlich besser gefällt mir der Battle Mode. In diesem Multiplayer-Modus duellieren sich bis zu acht Personen lokal oder online auf drei verschiedenen Karten. Es gilt, das gegnerische Team abzuschiessen, Zonen zu halten oder Fracht von Weltraumpiraten zu stibitzen. Es gibt sogar Power-ups wie Schilde und Raketen. Da ich im Testzeitraum keine Online-Gegner fand, trat ich gegen Bots an. Darum kann ich kein abschliessendes Urteil fällen. Ein paar zusätzliche Stunden dürfte es aber durchaus unterhalten. Für den Online-Modus ist allerdings ein Nintendo-Switch-Online-Abo erforderlich.

Zusätzliche Spielzeit bieten die optionalen Herausforderungen. Einmal abgeschlossene Planeten kann ich erneut besuchen, um spezifische Ziele zu erreichen – etwa zehn Gegner mit einer Bombe zu erledigen oder unbeschadet mit dem U-Boot durch Quallen-Schwärme zu tauchen. Das ist zwar nicht der Kern dessen, was ich an «Star Fox» schätze, macht den Preis von 50 Franken aber etwas verdaulicher.
«Star Fox» erscheint am 25. Juni für die Switch 2. Das Spiel wurde mir von Nintendo zur Verfügung gestellt.
Fazit
«Lylat Wars» Reloaded: kurz, knackig, kultig
«Star Fox» bleibt ein fantastisches Actionspiel ohne echte Konkurrenz. Wo sonst kämpfst du gegen fliegende Affenschädel, während dir ein Weltraumfrosch Tipps zuruft? Das Remake bleibt dem Original treu, poliert die Grafik aber massiv auf und modernisiert die Steuerung sinnvoll.
Die Missionen sind immer noch überraschend abwechslungsreich – besonders, wenn du sie noch nicht kennst. Allerdings ist die Kampagne mit 16 Leveln nach heutigen Massstäben kurz geraten. Herausforderungen und der Multiplayer-Modus strecken das Erlebnis ein wenig. Die grösste Enttäuschung bleibt der Koop-Modus.
Doch auch das konnte mir diesen Nostalgie-Trip nicht vermiesen. Fox McCloud hat es immer noch drauf, und ich hoffe inständig auf einen echten Nachfolger.
Pro
- sieht fantastisch aus
- originalgetreues Remake mit sinnvollen Verbesserungen
- Spielprinzip begeistert immer noch
- abwechslungsreiche Missionen und Bosskämpfe
Contra
- Koop-Modus ist ein Witz
- Kampagne ist schnell durchgespielt
Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken.
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