
Youtuber druckt einen 3D-Benchy in unter einer Minute – und baut dafür seine Maschine komplett um
Youtuber Yan Roetz schliesst sein Minuteman-Projekt ab: Ein 3D-Benchy in unter einer Minute drucken. Alles, was er dazu braucht, ist viel Zeit und eine gehörige Portion Eigenbau-Wahnsinn.
Vor eineinhalb Jahren stellte sich der Youtuber Yan Roetz eine simple Frage: Ist es möglich, einen 3D-Benchy – das kleine Referenzboot der 3D-Druck-Community – in unter 60 Sekunden zu drucken? Was folgte, war ein fast zweijähriges Projekt voller Fehlschläge, Neukonstruktionen und technischer Obsession. In Episode 20, der finalen Folge des Minuteman-Projekts, liefert er die Antwort. Es gelingt ihm, ein Benchy in 59 Sekunden zu drucken.
Zur Einordnung: Moderne, herkömmliche Drucker schaffen ein 3D-Benchy in 20 bis 30 Minuten.
Das Bewegungssystem muss geändert werden
Den letzten Versuch hatte Roetz bei 74 Sekunden abgeschlossen – also mussten noch 15 Sekunden eingespart werden. Sein selbst entwickeltes Hotend schafft bis zu 400 mm³/s Durchfluss, die Kühldüse bläst rund 400 Liter Druckluft pro Minute auf das Druckobjekt. Beides war kein Bottleneck mehr. Das Problem lag beim Bewegungssystem.
Roetz geht das Problem in zwei Schritten an. Zuerst ersetzt er die schweren Aluminium-Umlenkrollen (rund 40 Gramm pro Stück) durch ultraleichte gedruckte Varianten mit nur rund 15 Gramm. Danach folgt der radikalere Schritt: Er wirft das bisherige Luftlager-System komplett raus und ersetzt die Bewegungsplattform durch eine wasserstrahlgeschnittene Carbonplatten-Konstruktion. Diese gleitet in einem hauchdünnen Spalt zwischen der Granitbasis und einer Glasplatte und wird über vorgespannte Seile angetrieben. Das Resultat wiegt nur noch rund 117 Gramm – bei einer Maschine, die auf einem 1300 Kilogramm schweren Koordinatenmessgerät aufgebaut ist.
Bis zu 250 G Beschleunigung
Bei den anschliessenden Tests dreht Roetz die Beschleunigung schrittweise hoch – bis auf 250 G, also 2,5 Millionen mm/s². Zum Vergleich: Die Achterbahn Voltron Nevera im Europa Park erreicht maximal 4 G. Bei einem Versuch bricht ein Befestigungselement, das er neu konstruiert und verstärkt. Nach weiteren Iterationen läuft das System stabil. Dazu kommen fein abgestimmte Slicer-Einstellungen: 1700 mm/s Druckgeschwindigkeit, 200 statt 250 G Beschleunigung, zehn Prozent Line-Infill, zwei Wände – und als Filament FormFutura Volcano PLA in Schwarz, das bei hohen Geschwindigkeiten besonders gut kühlt. Das fertige Benchy wiegt durch diverse Optimierungen nur noch rund 7 Gramm.

Quelle: Screenshot Youtube / Roetz 4.0
Nach zahlreichen Fehlversuchen klappt es schliesslich: Ein vollständiger, wiederholbarer Benchy-Druck in unter 60 Sekunden. Nicht perfekt, aber funktional – und schnell.
Kein Wettbewerb, sondern Community
Kurz vor dem finalen Video hatte übrigens ein anderer Creator namens Matt The Printing Nerd ebenfalls einen Sub-60-Sekunden-Benchy veröffentlicht. Roetz nimmt es sportlich, vermisst aber die technischen Details zu Matts Ansatz und appelliert an ihn, seine Erkenntnisse offen zu teilen. Für Roetz war das Projekt nie ein Rennen, sondern immer ein Beitrag zur Community. Und der ist ihm mit diesem Abschluss definitiv gelungen.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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