Wer trägt schon Over-Ears beim Sport?

Wer trägt schon Over-Ears beim Sport?

Patrick Bardelli
Zürich, am 09.09.2020
Ich verstehe das nicht. Immer wieder sehe ich Menschen beim Sport – mit Over-Ear-Headphones auf dem Kopf. Warum tun die sich das freiwillig an?

Sport und Musik – das passt. Sport und Musik aus Over-Ear-Kopfhörern passt nicht. Egal, ob Fitnesscenter oder Jogging: Musik motiviert mich beim Sport. Und ja, manchmal lenkt sie mich auch ab. Aber darum geht es jetzt nicht. Es geht um die Frage: In-Ear oder Over-Ear? Dreimal darfst du raten, wie ich dazu stehe.

Ein Test, der keiner ist

Seit zwei Jahren begleiten mich die SoundSport Free von Bose bei meinen sportlichen Aktivitäten. Der Sound passt, der Sitz sowieso und überhaupt: Ich bin zufrieden damit. Ausserdem habe ich in den letzten Monaten Sportkopfhörer von Sony und von Beats getestet. Und nun hätte ich neue Over-Ears von Philips ausprobieren sollen. Das Spezielle an diesem Produkt sind die atmungsaktiven Kopfhörermuscheln, in denen ein kühlendes Gel verbaut ist.

TASH402BK/00 (ANC)
66.70
Philips TASH402BK/00 (ANC)

Man beachte den Konjunktiv: hätte. Denn ich hätte Philips gerne die Chance gegeben, mich davon zu überzeugen, dass es beim Sport nicht zwingend In-Ears sein müssen. Nach zweimal einer Stunde schweisstreibender Workouts im Fitnesscenter lege ich die Kopfhörer jedoch in die Ecke und stecke mir wieder meine Bose in die Ohren. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich es schon immer gewusst habe. Aber ich hab's schon immer gewusst: Over-Ear-Kopfhörer taugen beim Sport einfach nichts.

Das kühlende Gel ist in die Kopfhörermuscheln verbaut.
Das kühlende Gel ist in die Kopfhörermuscheln verbaut.

Warum, why, pourquoi?

Und trotzdem sehe ich immer wieder Menschen, die mit Over-Ears auf dem Kopf durch die Gegend rennen oder Gewichte stemmen. Warum? Ich verstehe das nicht. Bei mir sind die Dinger spätestens nach zehn Minuten nassgeschwitzt. Da nützt auch das kühlende Gel nichts. Im Gegenteil. Schweiss ist gruusig, kalter Schweiss noch gruusiger. Sobald sich die Muscheln damit vollgesogen haben, beginnen sie ausserdem auf meinem Kopf herum zu rutschen.

Das geht dann zum Beispiel so: Bankdrücken mit der Kurzhantel. Ich lege mich hin. Fange mit der Übung an, die Over-Ears beginnen zu rutschen. Die rechte Ohrmuschel liegt auf der Bank hinter meinem Kopf, die linke hängt halb an meinem Ohr. Links höre ich noch sowas wie Musik, hauptsächlich Bass, rechts nicht. Ich verliere die Konzentration und muss aufpassen, dass mir die Hanteln nicht ins Gesicht knallen. Ich setze mich auf, richte die Kopfhörer, beginne die Übung von Neuem. Und alles wiederholt sich. Und zwar jedesmal, wenn ich irgendeine liegende Übung mache. Die mitleidigen Blicke der Kollegen links und rechts sind mir sicher.

Von mir gibt's leider keinen Smiley.
Von mir gibt's leider keinen Smiley.

Danke, aber nein danke

Es soll Leute geben, die mit In-Ear-Kopfhörern nicht zurecht kommen. Sie fallen ihnen dauernd aus den Ohren, sind unbequem bis schmerzhaft. Ausserdem hören sie damit die eigenen Schritte im Kopf. Vielleicht liegt es an meinen Ohren. Keine Ahnung, aber In-Ears sind für mich beim Sport der Goldstandard. Am besten True Wireless. Die passen in meine Lauscher, sie behindern mich nicht beim Training und der Sound ist in der Regel auch okay.

Damit wir uns recht verstehen: Das ist meine persönliche Meinung. Ich habe dieses Produkt nicht ausführlich getestet. Und fairerweise muss ich sagen, dass mir der Sound der TASH402BK von Philips eigentlich gefällt. Ziemlich basslastig. Das passt zu meiner Playlist mit viel Old-School Hip-Hop. Die Bluetooth-Koppelung klappt mit allen möglichen Geräten problemlos. Die Steuerung ist unkompliziert, das Design schlicht und der Preis lässt sich auch sehen. Soweit alles okay. Aber für den Sport? Danke, aber nein danke.

Okay fürs Sofa, nicht fürs Gym.
Okay fürs Sofa, nicht fürs Gym.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Senior Editor, Zürich
Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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