Warum ich auf kabellose Lampen setze

Pia Seidel
Zürich, am 06.10.2020

Auch wenn ich auf eine bessere Auswahl warten muss: Ich benutze akkubetriebene Tisch- und Stehlampen, weil ich all die Kabel um mich herum satthabe.

Aufgeräumte Schreibtische mit Büroleuchte mitten im Raum und weit und breit kein Kabelsalat. Das siehst du nur im Katalog. Auf den inszenierten Fotostrecken für Möbelmarken oder Wohnmagazinen kommen keine lästigen Drähte hinter dem Bildschirm oder der Stehleuchte hervor. Fürs Foto lassen sich diese vor Ort oder im Nachhinein via Bildbearbeitung schliesslich wegmogeln.

Wo du auch selten hässliche Kabel siehst, ist in Neubauten. Vor Kurzem habe ich mehrere moderne Wohnhäuser anlässlich des «Open House Zürich» besucht. An einem Septemberwochenende führen Architekturschaffende durch unterschiedliche öffentliche sowie private Räume in Zürich, die bereits bewohnt sind. Der Blick hinter die Fassaden hat mir gezeigt: In modernen Häusern ist dank geschickt platzierter Steckdosen, Wireless-Lösungen und USB-Hubs kein Drahtseilakt nötig.

Selten: Ein Stromanschluss mitten im Raum. Bild: Ark Journal
Selten: Ein Stromanschluss mitten im Raum. Bild: Ark Journal

Als Ästhetin suche ich stets nach solchen Lösungen, um Kabel zu verstecken. Leider wohne ich nicht in einem Neubau, für den die Architekturbüros bereits beim Entwurf mit Lichtgestalterinnen und -gestaltern zusammenarbeiten. In meiner Wohnung aus den Zwanzigern im Zürcher Kreis 5 muss ich andere Lösungen finden. Hier sind Steckdosen Mangelware oder schlecht platziert. Andauernd ärgere ich mich über Verlängerungskabel, die ich durch den ganzen Raum ziehen muss. Sie blitzen irgendwo hervor – egal, wie viel Mühe ich mir mit Kabelbox etc. gebe. Doch mittlerweile weiss ich, wie sich das ohne Umbau ändern lässt.

Draussen gut, innen gut

Akkubetriebene Leuchten kommen schon kabellos nach Hause. Abgesehen von Deckenleuchten möchte ich nur noch solche. Dank ihnen schlage mein Lager in der ganzen Wohnung auf. Besonders gern stelle ich die Tischleuchte neben mich zum Lesen, vors Waschbecken zum Spülen oder auf den Esstisch als Kerzenlichtersatz.

Die Steckdose im Hintergrund bleibt frei.
Die Steckdose im Hintergrund bleibt frei.

Meine allererste tragbare LED-Lampe Carrie von «Menu Design» brennt mit einer vollen Akkuladung bis zu zehn Stunden. Die neueste namens One – im Bild oben zu sehen – von «The Humble One» leuchtet mit einer vollen Akkuladung bis zu hundert Stunden.

Seit dem Jahr 2015, in dem Carrie entworfen wurde, hat sich in Sachen Funktion also einiges getan. Trotzdem ist die Auswahl kabelloser Designs erstaunlich klein geblieben. Immer wieder stosse ich auf dieselben Klassiker wie «Follow Me» von Inma Bermúdez für Marset. Ihr Entwurf war 2014 der Vorreiter auf dem Markt. Auffällig ist auch, dass es mehr Tisch- als Stehleuchten gibt. Archiproducts, die weltweit grösste informative Plattform für Architektur und Design, sammelt Produktdaten aus der ganzen Welt. Sie zählt heute 15 «cordless» – zu deutsch kabellos – Bodenleuchten für drinnen und 33 für draussen. Zum Vergleich listet die Plattform knapp 2400 herkömmliche Modelle auf.

Als ich weiter stöbere, stelle ich fest, dass die portablen Begleiter bis heute auf vielen Plattformen als Outdoor-Lampen betitelt werden. «Eine der häufigsten Anforderungen beim Kauf einer Gartenlampe ist das völlige Fehlen von Drähten und Kabeln», heisst es auf Archiproducts und in einem ähnlichen Wortlaut auch auf vielen anderen Anbieterseiten. Dabei frage ich mich immer: Habe ich nicht auch denselben Anspruch für den Innenraum? Hätte ich die Wahl, würde ich die Drähte lieber draussen als drinnen sehen. Mit meinem Faible für ästhetische Perfektion gehöre ich zur Minderheit. Anders als die meisten nehme ich in Kauf, dass ich die Lampen regelmässig aufladen muss. Die einzigen anderen Geräte, die ich dafür auflade, sind mein Laptop, Smartphone oder meine Kopfhörer und Kamera. Ein Elektroauto oder-roller fahre ich nicht.

  • ProduktvorstellungBeleuchtung

    Für Lichtakzente im Innen- und Aussenbereich

Was ich dabei lerne, ist bewusster mit Licht umzugehen. Früher habe ich viel öfter das Licht brennen lassen, während ich Zeit in einem anderen Raum verbrachte. Heute mache ich es nur bei Bedarf an. Häufiger Aufladen als nötig muss dann doch nicht sein. Ausserdem habe ich seltener eine Festbeleuchtung an. Es gibt auch bereits solarbetriebene Modelle, nur besitze ich noch keines. Neben dem Bett schätze ich das Design «Bud» von Innermost besonders. Die Tischlampe lässt sich durch Drücken bedienen. So muss ich im Dunklen nicht lange suchen und verfange mich in keinem Kabel.

Es lässt sich noch nicht sagen, ob und wann die Akkus dieser Modelle schwächer werden. Der Lithium-Ionen-Akku meiner ältesten Leuchte macht sich bis jetzt gut. Er hält sicher über neun Stunden. Das weiss ich, weil ich sie vor Kurzem einmal aus Versehen über Nacht angelassen habe. Auch der Hersteller Menu antwortet mir auf meine Frage nach der Lebensdauer, dass die Batterielebensdauer keine festgelegte Anzahl von Zyklen oder Jahren sei. Sie hänge von mehreren Faktoren ab, wie beispielsweise der durchschnittlichen Entladung, der richtigen Laderoutine, der Temperatur und der Qualität der Wartung, erklärt Menu. Unter optimalen Bedingungen könne die Lebensdauer maximiert werden. Die Lithiumbatterie in Carrie sei nach 300 Zyklen immer noch auf über 80 Prozent getestet worden.

Designs wie die der Marke Humble ermöglichen auch das Auswechseln des Akkus, falls nötig. Bis ich also mein eigenes Reich mit Architekturschaffenden planen kann, bleibe ich bei den mobilen Begleitern. So erübrigt sich das Versteckspiel auf dem Schreibtisch – egal wo er künftig steht.

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