Jan Johannsen
Produkttest

Vivo X300 Ultra im Test: Eine Kamera mit Android, die auch telefonieren kann

Vivo preist nicht nur die Qualität der Kameras des X300 Ultra an, sondern hat meinem Testgerät auch eine 400-Millimeter-Anstecklinse beigelegt. Damit versuche ich mich unter anderem als Sportfotograf.

Bei vielen Smartphones fällt die Bildqualität von Ultraweitwinkel- und/oder Telekamera gegenüber der Hauptkamera ab – vor allem, wenn die Lichtverhältnisse nicht optimal sind. Beim Vivo X300 Ultra ist das nicht der Fall, und so bereitet das Fotografieren mit ihm auch ohne Gimmick-Zubehör viel Freude.

Drei Kameras als ständige Begleiter

Vor dem Sport bin ich aber erst einmal nur mit dem Smartphone in der Stadt und auf dem Land unterwegs. Dort stellen die drei Kameras auf der Rückseite ihre Alltags- und Urlaubstauglichkeit unter Beweis. In diesem Zusammenhang kann ich den Kamerabuckel nicht unerwähnt lassen. Er ist mit 16,8 Millimetern fast doppelt so dick wie das neun Millimeter dünne Smartphone.

Das Kameramodul thront auf der Rückseite.
Das Kameramodul thront auf der Rückseite.

Vivo verbaut noch eine vierte Kamera auf der Rückseite. Diese kannst du nicht direkt ansteuern. Der 5-Megapixel-Sensor der «Color-Sensing Camera» soll Farbinformationen liefern, um die Farbwiedergabe der anderen Kameras zu verbessern. Kamera-Partner Zeiss ergänzt die Farbstil-Auswahl mit «Zeiss Natural Color».

Neben der Automatik-Aufnahme bietet Vivo beim X300 Ultra auch extra Modi für Straßenfotografie oder Landschaft und Nacht an. In beiden kann ich über eine Schaltfläche von der Automatik in den Pro-Modus wechseln, um die Belichtungseinstellungen manuell festzulegen. Beim Straßenfotografie-Modus sehe ich vor allem eine Verdunklung und stärkere Vignettierung.

Der Landschafts- und Nachtmodus unterscheidet sich dezent vom Nachtmodus der Automatik. In diesem mit der Telekamera aufgenommenen Beispiel ist der Himmel etwas dunkler, der Mond weniger überbelichtet und die Blätter wirken schärfer.

Die Hauptkamera

Die Hauptkamera des X300 Ultra hat mit 35 mm eine ungewöhnlich lange Brennweite. Bei anderen Smartphones sind für diese Kamera sonst Linsen im Bereich von 24 bis 26 mm üblich. Die neun bis elf Millimeter sorgen in diesem Bereich für einen spürbaren Unterschied beim Bildausschnitt. Das ist anfangs ungewohnt und lässt mich häufiger als sonst zur Ultraweitwinkelkamera greifen.

Ein Beispiel noch: Die Fotos für den Test der Huawei Watch GT Runner 2 habe ich im Pro-Modus mit dem X300 Ultra aufgenommen und die RAW-Dateien in Lightroom entwickelt. Und ich muss sagen, mir gefallen die Farboptionen bei den RAW-Bildern des Xiaomi 17 Ultra besser.

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    von Jan Johannsen

Qualitativ ist die Hauptkamera nicht zu beanstanden. Die Detailgenauigkeit ist extrem hoch und sorgt für ein scharfes Bild. Farblich bin ich insgesamt auch sehr zufrieden – auch wenn im folgenden Beispiel Gelb etwas zu stark dominiert.

Ein wenig zu viel Gelb.
Ein wenig zu viel Gelb.

Starke Kontraste und Gegenlicht sind kein Problem. Schattige Bereiche bleiben aber etwas dunkler.

Schiff und Brücke: die Schattenpartien leider unter dem starken Sonnenlicht.
Schiff und Brücke: die Schattenpartien leider unter dem starken Sonnenlicht.

Wird es dunkel, musst du beim Vivo X300 Ultra keine Qualitätseinbußen hinnehmen. Du brauchst nur eine halbwegs ruhige Hand für die längeren Belichtungszeiten. Um den Rest kümmert sich die Software und liefert optimale Ergebnisse.

Im Nachtmodus kommt die Dunkelheit rüber und das Bild ist trotzdem hell.
Im Nachtmodus kommt die Dunkelheit rüber und das Bild ist trotzdem hell.

Die Ultraweitwinkelkamera

Falls die Brennweite der Hauptkamera zu lang ist, wechsle ich zur Ultraweitwinkelkamera. Ihre 14 mm liegen für diese Kameragattung im üblichen Bereich und die Auflösung von 50 Megapixeln ist mehr als ausreichend, auch wenn sie von der Zahl her niedriger als bei den anderen zwei Kameras ist. Die Sensorfläche fällt zudem vergleichsweise groß aus. Das gilt längst nicht bei allen Ultraweitwinkelkameras.

Im Ergebnis liefert die Kamera wunderbare Ultraweitwinkelaufnahmen, die farblich auch bei Gegenlicht überzeugen und keine Unschärfen aufweisen. Bei dieser Aufnahme ist die Ultraweitwinkel-Korrektur in den Kameraeinstellungen aktiv, die gegen verzerrte und unscharfe Ecken arbeitet.

Mit der Ultraweitwinkelkamera bekomme ich das Kanalufer aufs Bild.
Mit der Ultraweitwinkelkamera bekomme ich das Kanalufer aufs Bild.

Auch bei Dunkelheit überzeugt mich die Ultraweitwinkelkamera. Bei vielen Smartphones ist nachts ein Qualitätsabfall zu beobachten, beim X300 Ultra nicht. Das Haus in der Nähe kippt aber deutlich stärker ins Bild als die entfernteren Elemente beim Tageslicht-Beispiel.

Für eine Ultraweitwinkelkamera bei Dunkelheit ausgezeichnet.
Für eine Ultraweitwinkelkamera bei Dunkelheit ausgezeichnet.

Die Telekamera

Will ich näher an ein Motiv heran, ist die Telekamera mein Freund. Verglichen mit der Hauptkamera ist ihre Brennweite von 85 mm nur eine Verlängerung um den Faktor 2,4. Der Bildausschnitt ist trotzdem ein anderer und die Qualitätseinbußen sind minimal.

Schiffe und Brücke stehen noch mehr im Fokus, im Vordergrund verschwimmen die Pflanzen. Die Detailgenauigkeit ist hoch, die Farbwiedergabe leidet etwas unter dem starken Gegenlicht – war aber auch nicht die beste Tageszeit für schönes Licht.

Keine Qualitätseinbußen mit der Telekamera.
Keine Qualitätseinbußen mit der Telekamera.

Bei Dunkelheit leidet die Detailgenauigkeit etwas, aber für eine Telekamera ist das bei Nacht einwandfrei.

Eine bei Dunkelheit nutzbare Telekamera.
Eine bei Dunkelheit nutzbare Telekamera.

400-Millimeter-Linse am Smartphone

Mit dem «400 mm Equivalent Vivo Zeiss Telephoto Extender Gen 2 Ultra» – ja, der offizielle Name ist wirklich so sperrig – bietet Vivo eine Anstecklinse für das X300 Ultra an, die die Brennweite der Telekamera auf 400 mm erweitert. Ich hätte sie lieber am größeren Sensor der Hauptkamera angebracht, aber hier würde ihr Vergrößerungsfaktor von 4,7 nur für eine Brennweite von 170 mm sorgen. Für 400 mm müsste das Objektiv deutlich größer und schwerer sein als die aktuellen 248 Gramm und 11,6 Zentimeter länge.

Dezent ist das X300 Ultra mit der Anstecklinse nicht mehr.
Dezent ist das X300 Ultra mit der Anstecklinse nicht mehr.

Mir gefällt es, mit der Anstecklinse viel näher an Motive heranzukommen. Die Bildqualität ist für Social Media mehr als ausreichend, kann aber nicht mit großen Kameras und Linsen mithalten. Cropping ist von der Auflösung her kein Problem.

Hier würde ich in der Nachbearbeitung den Bildausschnitt verkleinern und das Tackle mehr in die Aufmerksamkeit rücken.
Hier würde ich in der Nachbearbeitung den Bildausschnitt verkleinern und das Tackle mehr in die Aufmerksamkeit rücken.
Das Bild müsste noch begradigt werden.
Das Bild müsste noch begradigt werden.
Hier passt der Bildausschnitt schon gut.
Hier passt der Bildausschnitt schon gut.

Gerade bei dynamischen Motiven, die sich sogar noch auf mich zubewegen, zeigen sich die typischen Probleme einer Festbrennweite: Zu nah ist zu nah und ich bekomme kein Foto hin. Der schnelle Wechsel auf andere Kameras hilft nicht, da ist die Linse mit im Bild. Ich kann sie nur abmontieren, was einen Moment dauert.

Von Handling her nähere ich mich mit der Anstecklinse gefühlt wieder der Spiegelreflexkamera. Die macht zwar immer noch bessere Bilder als mein Smartphone, ist aber eben größer, schwerer und ich muss Objektive wechseln. Das nehme ich nur für besondere Anlässe auf mich und erwische mich beim X300 Ultra mit einem ähnlichen Verhalten: Das Smartphone habe ich immer dabei, die Anstecklinse packe ich nur bewusst ein.

Digitaler Zoom und Videos

Die Anstecklinse bietet digitale Vergrößerungen bis zu einer Brennweite von 3200 mm an und das Ergebnis ist besser als das, was andere Smartphones mit 100-fachem Zoom bewerben.

Die Sicht durch die 35-mm-Hauptkamera.
Die Sicht durch die 35-mm-Hauptkamera.
Der Bildausschnitt mit der 400-mm-Anstecklinse.
Der Bildausschnitt mit der 400-mm-Anstecklinse.
Bei 3200-mm-Brennweite sind seltsame Artefakte zu sehen. Hier scheint viel KI oder ein starker Weichzeichner im Spiel zu sein.
Bei 3200-mm-Brennweite sind seltsame Artefakte zu sehen. Hier scheint viel KI oder ein starker Weichzeichner im Spiel zu sein.

Falls du mit dem Vivo X300 Ultra Videos aufnehmen willst: Die drei rückseitigen Kameras können sowohl Multi-Focal-4K-10-Bit-Log-Videos als auch Dolby-Vision-Videos mit jeweils 120 fps aufnehmen. In der Kamera-App stehen verschiedene «Cinematic Color Styles» sowie diverse klassische Kinofilmformate zur Auswahl. Ich habe mich allerdings nur im Standard-Modus an kurzen Videoschnipseln probiert.

Für Social Media genügt die Qualität und die große Brennweite bringt mich nah ans Geschehen. Die feste Brennweite sorgt aber mitunter für einen zu knappen Bildausschnitt und erschwert es, Bewegungen zu folgen.

Viel Leistung, helles Display und guter Akku

Die übrige Ausstattung des X300 Ultra folgt im Schnelldurchlauf:

Mit dem Snapdragon 8 Elite Gen 5 verbaut Vivo den aktuell leistungsfähigsten Chipsatz von Qualcomm. Der hat mehr als genug Power für die Bildverarbeitung und weitere Aufgaben. Im Vergleich mit anderen Smartphones mit dem gleichen Prozessor wie demGalaxy S26 Ultra oder dem Xiaomi 17 Ultra sind die Benchmark-Ergebnisse im Durchschnitt so identisch, dass ich es mir spare, eine Grafik mit vier oder fünf gleich langen Balken zu posten.

Der Akku des X300 Ultra fällt mit 6600 mAh groß, aber nicht riesig aus. Mit dem Batterietest von PCMark Work 3.0 ermittle ich bei halber Displayhelligkeit eine Laufzeit von 22 Stunden und 30 Minuten. Das ist ein ausgezeichneter Wert, den bisher bei uns nur das Oppo Find X9 Pro, das OnePlus 15 und das Realme GT 8 Pro übertreffen. Das Xiaomi 17 liegt gleichauf.

Beim Laden nimmt das Smartphone bis zu 100 Watt über die FlashCharge-Technologie von Vivo entgegen. Drahtlos sind es bis zu 40 Watt mit Wireless FlashCharge. Bei Netzteilen von Drittanbietern kann die Leistung geringer ausfallen. Ein «Bypass Charging»-System soll Überhitzung vermeiden, wenn das X300 Ultra während des Ladevorgangs benutzt wird. Wird es dagegen kalt, soll das Smartphone bei Umgebungstemperaturen von bis zu –20 Grad Celsius nutzbar sein.

Ladeanschluss an der Unterseite.
Ladeanschluss an der Unterseite.

Das 6,82 Zoll große AMOLED-Display ist mit 3168 × 1440 Pixeln nicht nur ein hervorragender Sucher für die Kameras, sondern bietet sich auch für die Bildkontrolle und Bearbeitung an. Die intensiven Farben wirken natürlich und die Helligkeit erlaubt eine Nutzung in direktem Sonnenlicht. Die maximale Bildwiederholrate von 144 Hertz ist vor allem relevant, wenn du Videos mit 120 fps aufnehmen und anschauen willst.

Bei Sonnenschein ist das Display gut zu erkennen.
Bei Sonnenschein ist das Display gut zu erkennen.

«Armor Glass» schützt das Display vor Beschädigungen. Seine Härte wird mit einer 4 auf der Mohs-Skala angegeben. Das entspricht Fluorit und lässt sich mit einem Taschenmesser ritzen. Damit bewegt es sich in der Gesellschaft vom Pixel 10a oder dem Realme GT 8 Pro. Allerdings erreicht das bis in den Mittelklasse-Bereich weitverbreitete Gorilla Glass 7i – etwa beim Nothing Phone (4a) Pro – eine 6 auf der Mohs-Skala. Das entspricht Feldspat und erfordert eine Stahlfeile für Beschädigungen. Das gesamte Smartphone ist nach IP68/69 wasser- und staubdicht.

Vivo installiert mit OriginOS 6 eine eigene Benutzeroberfläche über Android 16 auf dem X300 Ultra. Sie verfügt bisher nicht über erwähnenswerte eigene KI-Funktionen außerhalb der Bildbearbeitung. Als Gimmicks sind die Universalfernbedienung sowie der AirDrop-ähnliche Dateiaustausch mit iPhones und die einfache Verbindung mit dem iPad zu nennen. Der Hersteller will das Smartphone fünf Jahre lang mit Funktionsupdates versorgen. Sicherheitsaktualisierungen soll es sieben Jahre lang geben. Nervig bleiben die vorinstallierten Apps von Vivo und Drittanbietern, die ich gar nicht nutzen will.

Kaum ein Smartphone kommt noch ohne Werbe-Apps von Drittanbietern aus.
Kaum ein Smartphone kommt noch ohne Werbe-Apps von Drittanbietern aus.

In Europa bietet Vivo das X300 Ultra nur in einer Speichervariante mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem Terabyte Speicherplatz an. Das sorgt für einen hohen Verkaufspreis, der sich um rund 2000 Euro oder Franken bewegt.

Fazit

Hervorragendes Kamera-Smartphone mit hohem Preis

Das Vivo X300 Ultra gehört für mich zu den Smartphones mit dem besten Gesamtpaket an Kameras. Keine der drei Linsen auf der Rückseite fällt qualitativ so weit ab, dass ich mich bei der Nutzung einschränken muss. Selbst bei Dunkelheit liefern sie alle eine gute Bildqualität. Über Software und Zubehör erweitert Vivo die Optionen beim Fotografieren. Als ungewohnt erweist sich die mit 35 mm vergleichsweise große Brennweite der Hauptkamera.

Die übrige Ausstattung des X300 Ultra entspricht einem Top-Smartphone und lässt bei mir keine Wünsche offen. Wer viel KI nutzen will, muss diese allerdings selbst installieren und findet sie kaum im System vor. So bleiben am Ende der hohe Preis und die nicht immer gute Verfügbarkeit die größten Nachteile des Smartphones.

Pro

  • drei hochwertige Kameras auf der Rückseite
  • lange Akkulaufzeit
  • wenig vorinstallierte KI-Tools

Contra

  • nur eine Speichervariante in Europa = hoher Preis
  • ungewohnte 35-mm-Brennweite bei Hauptkamera
  • nervige Apps von Drittanbietern
Titelbild: Jan Johannsen

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus. 


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