

Der kleinere Akku wird dem Honor Magic 8 Pro in Europa zum Verhängnis
Ein leistungsstarkes Smartphone mit hervorragenden Kameras und einem hellen Display. Am ausgezeichneten Gesamteindruck des Honor Magic 8 Pro kratzen ein großer Kamerabuckel, unübersichtliche KI-Tools und ein in Europa kleinerer Akku.
Drei Monate nach dem Start in China ist das Honor Magic 8 Pro jetzt auch in Europa erhältlich – mit einem kleineren Akku. Insgesamt überzeugt das Top-Smartphone mit viel Power und guten Kameras. Nur schwingt das Gefühl mit, die Akkulaufzeit könnte länger sein, und die Auslösetaste für Fotos ist gut gemeint, aber schlecht umgesetzt.
Großer Kamerabuckel und ein helles Display
Mit seinem stabilen Rahmen aus Metall wirkt das Honor Magic 8 Pro hochwertig und robust. Sogar die Rückseite aus Kunststoff hinterlässt einen edlen Eindruck. Optisch dominiert hier der kreisrunde Kamerabuckel. Er ragt wesentlich höher empor als zum Beispiel beim Poco F8 Pro oder beim OnePlus 15. Die beiden Smartphones werden am Kamerabuckel 2,2 und 2,6 Millimeter dicker. Das Magic 8 Pro legt dort mit 5,7 Millimetern mehr als doppelt so viel zu.

Unhandlich ist das Magic 8 Pro trotzdem nicht, nur im Querformat muss ich meine Finger etwas unbequem um den hervorstehenden Kreis legen. Immerhin hat Honor das Smartphone so gut austariiert, dass es mit dem Höhenunterschied zwar schief auf dem Tisch liegt, aber dabei kaum wackelt.
Auf der Vorderseite schaue ich auf ein 6,71 Zoll großes OLED-Display mit kräftiger und natürlicher Farbwiedergabe. Die Auflösung fällt mit 2808 × 1256 Pixeln hoch aus, so auch die Bildwiederholrate von 120 Hertz. Mit einer maximalen Helligkeit von 1800 Nits ist der Bildschirm auch bei Sonnenschein problemlos zu erkennen. Bei HDR-Inhalten erreicht er im Peak sogar kurzzeitig 6000 Nits.

Honor nutzt das hauseigene NanoCrystal Shield zum Schutz des Displays. Es soll Stürze aus zwei Metern Höhe unbeschädigt überstehen. Das gesamte Smartphone ist nach IP68 staub- und wasserdicht. Das bedeutet: Es hat in Labortests 30 Minuten in 1,5 Meter tiefem, sauberem Süßwasser überstanden.
Mehr Rechenkraft als jedes andere Smartphone – bisher
Honor vertraut beim Magic 8 Pro auf den Snapdragon 8 Elite Gen 5, den aktuell leistungsfähigsten Smartphone-Chipsatz von Qualcomm. Er bringt 5G, Wi-Fi 7 und Bluetooth 6 auf das Smartphone. Ihm stehen zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Zusammen lassen sie nicht nur das Honor Magic 7 Pro mit dem Vorgänger-Chipsatz in Benchmark-Tests hinter sich. Das OnePlus 15 erreicht mit dem Snapdragon 8 Elite Gen 5 ebenfalls etwas niedrigere Ergebnisse. Das Realme GT8 Pro holt dagegen noch etwas mehr aus dem Chipsatz heraus.
Insgesamt bewegt sich das Magic 8 Pro auf einem sehr hohen Leistungsniveau. Die zusätzliche Rechenkraft macht sich im Alltag nicht bemerkbar. Wenn überhaupt, dann fällt sie bei rechenintensiven Aufgaben wie dem Rendern von Videos auf.
In Europa ist der Akku kleiner
Der Akku des Magic 8 Pro weist mit 6270 mAh eine überdurchschnittlich große Kapazität auf. Es könnten allerdings noch mehr sein. In China verfügt das Smartphone über 7200 mAh. Honor zufolge sei das außerhalb des Landes aufgrund von internationalen Versandbestimmungen nicht möglich. OnePlus schafft es allerdings, das OnePlus 15 mit 7300 mAh in Europa zu verkaufen.
Der Batterietest von PCMark misst beim Magic 8 Pro mit halber Displayhelligkeit eine Laufzeit von 15:10 Stunden. Das ist gut und reicht, um mit dem Smartphone über den Tag zu kommen. Trotzdem gehen neidische Blicke rüber zum OnePlus 15 und Realme GT8 Pro, die beide im selben Test über 24 Stunden durchgehalten haben. Und auch das Poco F8 Pro schneidet mit einem ähnlich großen Akku wie dem des Honor mit 19:01 Stunden besser ab.

Beim Laden nimmt das Honor Magic 8 Pro mit einem passenden Netzteil bis zu 100 Watt über ein USB-C-Kabel entgegen. Ein vollständiger Ladevorgang dauert etwa 40 Minuten, das ist im Vergleich mit der meisten Konkurrenz schnell. Drahtlos wird es mit bis zu 80 Watt nur wenig langsamer.
Hervorragendes Kamerasystem mit interaktiver Auslösetaste
Beim Kamerasystem des Honor Magic 8 Pro sticht die Telekamera – 3,7-fache Brennweite der Hauptkamera – mit ihrer Auflösung hervor. Während alle anderen Kameras über 50 Megapixel verfügen, löst ihr Bildsensor mit 200 Megapixeln auf. Durch «Pixel Binning», das Zusammenziehen nebeneinanderliegender Pixel für eine höhere Lichtempfindlichkeit, haben die Aufnahmen aller Kameras standardmäßig eine Auflösung von etwa zwölf Megapixeln – was völlig ausreichend ist.
Am rechten Rand des Magic 8 Pro befindet sich unterhalb des Powerbuttons noch eine weitere Taste, die nicht aus dem Gehäuse herausragt. Ist die Kamera aktiv, fungiert sie als Auslöser und zur Steuerung der Brennweite. Dafür wische ich im Querformat auf ihr mit dem Finger nach links oder rechts. Fotografiere ich im Hochformat, fungiert die Taste als Auslöseknopf. Das funktioniert immer zuverlässig, zügig und ohne dass ich das Smartphone dabei verwackle.

So eine Taste ist eigentlich eine gute Idee. Beim Honor gibt es aber zwei Probleme: Der Bewegungsbereich zur Einstellung der Brennweite ist klein. Das bedeutet, ich muss mehrfach wischen, um mich durch die gesamte Brennweite zu bewegen. Das geht über den Touchscreen schneller. Noch störender finde ich, dass die Taste nicht nah genug am Rand sitzt. Halte ich das Magic 8 Pro im Querformat, muss ich mit dem Finger weit hinüberreichen. Das ist keine bequeme Haltung.
Zurück zu den Kameras: Die Hauptkamera liefert eine sehr hohe Detailgenauigkeit und hat bis in die Ecken eine scharfe Darstellung.

Die Farbwiedergabe ist kräftig und wirkt natürlich. Starke Kontraste gleicht das Smartphone automatisch aus.

Die Ultraweitwinkelkamera überzeugt ebenfalls. Farblich wirkt sie allerdings etwas flauer als die Hauptkamera. Für diese Art von Linse mit teils starken Verzerrungen sind die Unschärfen in den Ecken nichts Ungewöhnliches.

Bei der Telekamera gibt es keine Verzerrungen in den Ecken. Ihre gesamte Aufnahme weist eine hohe Detailgenauigkeit auf. Für eine scharfe Darstellung ist es hier aber umso wichtiger, darauf zu achten, dass der richtige Bereich fokussiert wird. Die Linse hat keinen Schärfebereich, der mehrere Meter umfasst.

Bei Tageslicht liefern alle drei rückseitigen Kameras hervorragende Fotos, an denen ich kaum etwas kritisieren kann. Bei Dunkelheit fallen dann schon mehr Unterschiede auf – sowohl zwischen den Kameras als auch zwischen der Automatik und dem Nachtmodus mit längerer Belichtungszeit.
Der Nachtmodus bringt bei der Hauptkamera nicht nur Licht in Bereiche, die die Automatik dunkel lässt. Er sorgt auch dafür, dass helle Bereiche nicht überbelichtet sind. Die Atmosphäre der Nacht bleibt dabei bestehen.
Bei der Ultraweitwinkelkamera zeigt sich das gleiche Ergebnis. Bei ihr liefert die Automatik allerdings wesentlich dunklere Aufnahmen, auf denen kaum etwas zu erkennen ist.
Bei der Telekamera sind es hingegen nur minimale Unterschiede, die einen genauen Blick erfordern. Und das gilt nicht nur bei diesem Motiv, sondern auch bei anderen.
Insgesamt gefallen mir die Aufnahmen des Magic 8 Pro bei Dunkelheit ausgezeichnet. Im Vergleich mit dem Pixel 10 Pro XL zeigt sich, wie unterschiedlich die Farbwiedergaben ausfallen können. Vor allem beim Grün des Kunstrasenplatzes und dem Gelb der Rasenbeleuchtung im Millerntor-Stadion fallen die Unterschiede auf und meine Augen stimmen eher mit der Wiedergabe des Honor überein.
Die Frontkamera liefert schöne Selfies mit hoher Detailgenauigkeit und natürlicher Farbwiedergabe. Bei Dunkelheit kommt es darauf an, wie viel Licht zur Verfügung steht. Im «Schatten» wird auch ihr Bild im Nachtmodus unscharf. Wenn man die Straßenbeleuchtung ausnutzen kann, wird das Ergebnis gleich viel besser.
Unübersichtliche KI und langer Update-Zeitraum
Ab Werk ist Android 16 auf dem Magic 8 Pro installiert. Honor versieht das Betriebssystem mit seiner Benutzeroberfläche MagicOS 10. Diese enthält neben Apps von Honor in der neuesten Variante ein «translucent visual design». Deren transparente Elemente erinnern verdächtig an Liquid Glass, das Apple mit iOS 16 eingeführt hat. Ebenfalls von Apple inspiriert ist die Anzeige von Musik-Playern und anderen im Hintergrund laufenden Apps rund um die Frontkamera. Honors Variante der Dynamic Island erweitert sich nach Antippen und zeigt weitere Informationen an und erlaubt je nach App auch eine Steuerung.

Honor installiert sehr viele eigene Apps auf dem Magic 8 Pro. Zusammen mit den Standard-Apps von Google und Werbe-Apps von Drittanbietern ist das anfangs unübersichtlich. Zumindest die Drittanbieter-Apps lassen sich mit wenigen Klicks deinstallieren. Ebenfalls verwirrend ist das KI-Angebot. Gemini ist als KI-Assistent vorinstalliert und Honor installiert zusätzlich eigene Tools. Auf dem Startbildschirm befinden sich die «Honor AI» und der «Honor KI Space» sowie nach ihrer Aktivierung die «KI-Erinnerungen». In den Einstellungen finde ich ebenfalls einen Menüpunkt «Honor AI», der einen ganz anderen Umfang als die gleichnamige App hat.

In der «Honor AI»-App sehe ich wiederum die «KI-Erinnerungen» und noch einen «KI-Fotos-Agent», der die gleichen Funktionen bietet wie die KI-Bearbeitung in der Galerie-App. Das dritte Tool in der «Honor AI»-App ist der «KI-Einstellungsagent». Mit ihm kann ich Einstellungen per Sprachbefehl vornehmen. Also etwa die Lautstärke erhöhen oder Bluetooth ausschalten.

Noch mehr KI-Tools finde ich im Menüpunkt «Honor AI» in den Einstellungen. Hier aktiviere ich KI-Tools oder nehme Anpassungen an ihnen vor. Ich wähle hier unter anderem die Belegung der KI-Taste aus. Das ist die, die ebenfalls als Auslösetaste und Zoomsteuerung bei der Kamera dient. Drei Funktionen kann ich auf sie legen und erreiche so zum Beispiel auch den «KI-Einstellungsagent» mit einem Tastendruck.

Das Honor Magic 8 Pro soll bis zu sieben Android-Aktualisierungen und ebenso lange Sicherheits-Updates erhalten. Damit ist das Smartphone hervorragend aufgestellt.
Fazit
Der große Akku ist nicht groß genug
Das Honor Magic 8 Pro ist sehr leistungsstark und verfügt über ein ausgezeichnetes Kamerasystem. Das Display ist hell und der Akku hält lange durch. Also eigentlich perfekt. Kritik kann ich nur in Details üben. Vielleicht sind es aber genau diese Kleinigkeiten, die verhindern, dass bei mir der Funke überspringt.
Der wuchtige Kamerabuckel dürfte nicht überall Anklang finden und die Auslösetaste für die Kamera ist schlecht positioniert. Die KI-Tools sind unübersichtlich sortiert und der Akku im Vergleich zum Modell in China kleiner. Die Akkulaufzeit ist trotzdem gut, liegt aber mehrere Stunden hinter dem OnePlus 15 oder dem Realme GT8 Pro. Die drängen sich mit dem gleichen leistungsstarken Chipsatz und einem ebenfalls guten Kamerasystem als Alternativen auf.
Pro
- gutes Kamerasystem
- gute Akkulaufzeit
- sieben Android-Updates
Contra
- wuchtiger Kamerabuckel
- KI-Tools unübersichtlich sortiert
- in Europa mit kleinerem Akku

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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