Ulefone am MWC: Das, was andere nicht hinkriegen

Dominik Bärlocher
Zürich, am 01.03.2018
Der Blick über den Tellerrrand der Flaggschiffe lohnt sich an Fachmessen wie dem Mobile World Congress. Denn bei kleineren Herstellern siehst du oft Dinge, die du nicht erwarten würdest. Und stellst fest, dass die kleinen Marken gar nicht so klein sind, nur weil wir sie in der Schweiz nicht kennen. In diese Kategorie fällt Ulefone.

Die Werbebanner am Stand des chinesischen Herstellers Ulefone lassen den Gedanken «Haha, wie lustig» aufkommen. In fast schon klassischer Hyperbole steht da etwas von «Super Battery» und «The most screen phone». Ja, ne, is klar.

Das Lachen vergeht Videoproduzentin Stephanie Tresch und mir aber schnell wieder. Denn am Ulefone-Stand in der Halle 7 sehen wir doch zwei Geräte, die es uns angetan haben. So angetan, dass Stephanie kurzerhand die Kamera aufstellt, ich das mit Gaffa Tape gefixte Mikrofon auspacke und dann geht der Dreh schon los. Oder er sollte losgehen. Denn eine Dame mit merkwürdigen Augenbrauen, die parallel zum Boden verlaufen, will uns die Geräte erklären.

Das eine Feature, das sie nicht erklärt

Sie will uns das Ulefone T2 Pro vorstellen. Das filigrane Gerät ist das Flaggschiff des Herstellers. Wohl zu recht, denn das T2 Pro erfüllt alle Kriterien eines Flaggschiffs.

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  • Es ist dünn
  • Es hat praktisch keine Ränder
  • Es ist extrem leicht

Und irgendwie hat es Ulefone geschafft, in dem dünnen, leichten Phone einen 5000-mAh-Akku zu verbauen. Bei einem Bildschirmseitenverhältnis von 19:9 bringt das Ulefone T2 Pro eine Bildschirmdiagonale von 6.7 Zoll, also 17.01 cm, hin. Das T2 Pro hat 8 GB RAM, 128 GB interner Speicher und damit sind wir noch nicht einmal bei den Kameras. Hinten ist eine 21 Megapixel-Kamera verbaut und da das ganze ist ein Dual Camera Setup ist, ist da noch eine 13 Megapixel-Kamera hinten am Phone. Die Selfie-Cam leistet 16 Megapixel. Ulefone kriegt etwas hin, das sogar die grossen Marken nicht hinkriegen: Auf dem Ulefone T2 Pro läuft Android Oreo 8.1. Angetrieben wird das alles von einem Mediatek Helio P70 Octa-Core System-on-a-Chip. Es dürfte das erste Smartphone sein, das Flaggschiff-Charakter hat und mit dem P70 ausgeliefert wird.

Das klingt alles wunderbar, nicht? Die Augenbrauenfrau erklärt das in gebrochenem Englisch und lächelt viel.

Sie vergisst dabei zu erwähnen, dass das T2 Pro den Fingerabdruck-Sensor unter dem Bildschirm hat. Im Nachhinein scheint das kein Zufall zu sein. Denn das Gerät am Stand ist eine Demo-Version und die Software ist noch nicht final, wie wir nach dem Dreh erfahren. Denn die Demosoftware hat noch einen Bug. Einen massiven Bug. Da das Phone praktisch randlos ist, kann es schnell vorkommen, dass du mit deiner Handfläche beim Greifen des Phones auf den Bildschirm kommt und dann Befehle annimmt. Diese führen dann zu verwirrenden Instruktionen ans Phone und so flackert der Bildschirm zwischen Home Screens hin und her öffnet Apps.

«Fingerprint Scanner doesn't work», sagt sie.

Mist.

Gut, das ist nicht das einzige, das am Gerät nicht funktioniert. Noch nie habe ich so ein filigranes Smartphone in den Händen gehalten. Wenn du das Ulefone T2 Pro ohne Hülle im Alltag gebrauchen willst, dann kannst du dich schon mal vom Phone verabschieden. Am Ulefone-Stand stehen mindestens drei Phones herum, alle drei haben ein beschädigtes Back Cover.

Das Problem dürfte daher zum Launch des Phones das sein, dass es dir sehr wahrscheinlich zerbrechen wird. Denn praktisch die Fläche des ganzen Phones wird von einem Bildschirm eingenommen. Für Pufferzonen und ähnliche Schutzmechansimen ist da schlicht kein Platz.

Der wohl grösste Akku ever

Das andere Flaggschiff Ulefones ist das Power 5. Das Gerät läuft ebenfalls auf Android 8.1 und brüstet sich mit beeindruckenden Specs. Aber das Ding ist schwer, klobig und gemacht, einiges auszuhalten. Es besteht im wesentlichen aus Gummi, Metall, sichtbaren Schrauben und etwas Bildschirm.

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Die Power-Serie Ulefones ist aber für etwas anderes bekannt: Der Akku.

Das Ulefone Power 5 hat einen 13000 mAh starken Akku verbaut. Das Demogerät am Stand hat noch einen Akkuladestand von 20 Prozent. Das bedeutet im Kontext des Ulefone Power 5, dass da noch zwei Tage Akku drin sind.

Ule-wer?

Ulefone ist eine Marke, über die auf den ersten Blick nur wenig bekannt ist. Klar, sie stammt aus China. Klar, sie macht verdammt anständig klingende Phones. Aber wer steckt dahinter.

Diese Menschen, offensichtlich.

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Ist das das Ulefone-Team?

Dieses Bild findest du auf der offiziellen Website unter dem Slogan «We are here for you». Ich wüsste nur gerne, wer da für mich da ist. Das hat sich wohl ein Youtuber auch gedacht und war bei Ulefone zu Gast. Auf dem offiziellen Channel der Marke findet sich dieses Video, das hinter die Kulissen des Unternehmens blicken lässt.

Einen Blick in die Fabrikationshallen in Shenzhen kannst du hier werfen.

Aber wer denn genau hinter Ulefone steht, was das Unternehmen erreichen will und ob sie eine Update Policy haben, ist nirgendwo ersichtlich.

Kurz: Ulefone ist eine recht mysteriöse Marke mit recht guten Phones. Definitiv einen Blick wert.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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